Zementfliese

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Zementfliesen

Die Zementfliese ist eine Sonderform des Betonwerksteins. Zementfliesen sind ein historischer Baustoff zur Gestaltung von Böden und Wänden, die traditionell insbesondere in Frankreich und dem Mittelmeerraum verwendet wurden und sich auch heute noch in städtischen und ländlichen Anwesen sowie Sakralbauten vor allem in den Ländern des westlichen Mittelmeeres (z. B. Spanien und Marokko) finden.

Ursprung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zementfliesenbelag des katalanischen Modernismus, casa Burés, Barcelona

Der Entwicklungsprozess der Zementfliesen ist nicht abschließend geklärt. Möglicherweise haben sie Wurzeln in der Antike. Im 19. Jahrhundert fanden sie große Verbreitung besonders auch im katalanischen Modernismus.

Auch deutsche Baumeister aus der Zeit des Jugendstils und der Gründerzeit verwendeten Zementfliesen. Zurzeit erlebt er eine Renaissance im Neubau, aber auch bei Sanierung und Renovierung historischer Bausubstanz, da durch den individuellen handwerklichen Prozess auch vorhandene historische Fliesen nachgemacht und ergänzt werden können.

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zementfliesen gibt es einfarbig, mit Motiven und Metalleinlegern (z. B. aus Messing). Zementfliesen aus handwerklicher Fertigung heben sich oft durch leichte Unregelmäßigkeiten und Farbspiele vom gleichmäßigen Erscheinungsbild moderner Keramikfliesen ab. Bei Zementfliesen mit Motiven sind die Übergänge zwischen den Farbfeldern häufig weich.

Um Schäden durch späteres Schwinden zu vermeiden, sollten die Fliesen bei der Verlegung trocken und ausgehärtet sein.

Nach dem Verlegen werden Zementfliesen in der Regel geölt, imprägniert oder gewachst, um die Oberfläche unempfindlich gegenüber Flecken zu machen. Manche Hersteller empfehlen, die Fliesen bereits vor dem Verlegen gegen Zementschleier oder Kleberreste zu imprägnieren.

Zementfliesen können zu Krakeleerissbildungen neigen. Die feinen Risse treten oft erst nach der Verlegung auf.[1]

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Metallform, Frankreich 1920
Zweischichtiger Aufbau der Zementfliese. Oben die wenige Millimeter dicke, hier weiße Dekor- bzw. Nutzschicht, unten die deutlich dickere Tragbetonschicht.

Zementfliesen werden gepresst, um Luft aus der Mörtelmasse zu entfernen. Die Füllung der Formen geschieht oft noch in Handarbeit. Die Erhärtung beruht auf einer zementären Bindung. Im Gegensatz zu keramischen Fliesen erfolgt kein Brennprozess.

Ein typischer Fertigungsprozeß von Motivfliesen:

  1. Das Motiv wird als Metallgitter ausgearbeitet, welches Trennlinien zwischen den Farbfeldern bildet.
  2. Das Metallgitter wird in einen robusten Stahlrahmen eingelegt.
  3. Die einzelnen Felder werden mit verschiedenfarbigen, flüssigen Mischungen aus Zement oder anderen hydraulischen Bindemitteln, Pigmenten und feiner Gesteinskörnung (Gesteinsmehl, Marmorstaub) gefüllt.
  4. Das Metallgitter wird herausgehoben. Wenn die flüssige Masse dabei ineinanderläuft, können sich weiche Übergänge zwischen den Farbfeldern bilden.
  5. Die eingefärbte Nutzschicht der Fliese wird (auf der späteren Rückseite) mit trockenem Mörtelpulver bestreut und mehrere Millimeter überdeckt.
  6. Beim anschließenden Pressen wird das Mörtelgemisch verdichtet. Das Wasser zieht aus der Dekormischung in den gröberen Tragbeton. Durch das Pressen und den niedrigen Wasser-Zement-Wert entsteht eine robuste, porenarme Fliese mit einer widerstandsfähigen Oberfläche.
  7. Die Fliese wird aus der Form gelöst und zur Aushärtung des Zements und Trocknung mehrere Wochen gelagert. Um dem Risiko eines zu geringen Wasseranteils zu begegnen, können die Fliesen feucht gelagert oder angefeuchtet werden.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Thomas-Ken Ziegler: Oberflächlichkeiten. Teil 2. In: Fliesen & Platten. Januar 2016, S. 27–29.