Zenon von Sidon

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Zenon von Sidon (Ζήνων ο Σιδώνιος, * ca. 150 v. Chr. in Sidon; † ca. 70 v. Chr. in Athen) war ein griechischer Philosoph, Mathematiker und Logiker.

Biografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zenon wird zu den bedeutendsten Spätepikureern gezählt. Er war ein Schüler des Apollodor Kepotyrannos[1] in der epikureischen Schule (dem Garten) in der Nähe von Athen, deren Leiter (Scholarch) er als Nachfolger von Apollodoros von 100 bis 75 v. Chr. war. Während seines Aufenthalts in Athen hörte ihn Cicero dort im Jahr 78/79 v. Chr.[2] Er war ein Schüler und Bewunderer von Karneades von Kyrene, woraus sich Rückschlüsse auf seine Lebenszeit ziehen lassen da Karneades 129 v. Chr. starb.[3]

Er soll umfangreiche Schriften hinterlassen haben zu den verschiedensten Themen, von denen aber kaum etwas überliefert wurde. Darunter über Logik, Erkenntnistheorie, Unterschied der Geschlechter (einschließlich unterschiedlichen Krankheiten), Probleme der Epikuräischen Ethik, Grammatik, Geschichte, Geographie, Literaturkritik, Rednerkunst, Dichtung, Physik. Näheres weiß man nur über seine Beiträge zur Mathematik und Logik.[4] Nach Cicero und Diogenes Laertius zeichnete er sich durch Klarheit der Rede aus.

Seine Werke und Meinungen sind genauer bekannt geworden durch Schriften seines Schülers Philodemos von Gadara, die als Teil einer philosophischen Bibliothek in der Villa dei Papiri in Herculaneum gefunden wurden (Papyrus Nr. 1065). Hier handelt es sich um Konzepte über Hypothesenbildungen und Induktionsschlüsse, an denen Zenon maßgeblich mitgewirkt hatte.[5] In einem Dialog mit einem Stoiker verteidigt Zenon die epikuräische Auffassung, alle Erkenntnis stamme aus der Erfahrung. Dabei erwähnt er auch Übergänge in den Schlußfolgerungen aufgrund von Ähnlichkeit, worin Kurt von Fritz einen Vorgriff auf die Induktionslehre von John Stuart Mill sieht.[6]

Während Epikur zwar die Mathematik kritisierte, aber wenig Verständnis für mathematische Fragen zeigte, war Zenon auch ein kenntnisreicher Kritiker des Axiomensystems der Elemente von Euklid und deren Konsistenz (nach dem Euklid-Kommentar von Proklos). Er griff gleich den ersten Satz (Proposition 1)[7] der Elemente über die Konstruktion gleichseitiger Dreiecke an mit dem Argument, dass der Beweis nur gültig sei, wenn zwei Geraden nicht mehr als einen gemeinsamen Punkt haben können, was Euklid nicht als Axiom formuliert habe. Er kritisierte auch das vierte Postulat in Buch 1 von Euklid (Gleichheit rechter Winkel), da es die Konstruktion eines rechten Winkels voraussetzt, die erst später in Buch 1, Proposition 11, erfolgt. Weiterhin erwähnten Proklos und Sextus Empiricus Kritik an Euklid von einem unbenannten Epikuräer, bei dem es sich wahrscheinlich auch um Zenon handelt, darunter dass es kein Axiom bei Euklid gibt, das die unendliche Teilbarkeit von Kurven sicherstellt, worauf Diskussionen erfolgen, falls man diese Annahme nicht macht, sondern kleinste Einheiten von Kurven zulässt. Mit einem weniger mathematischen Argument (die an ähnliche Argumente von Arthur Schopenhauer erinnern) werden auch die von Euklid verwendeten Kongruenzabbildungen kritisiert, nur materielle Körper könnten im Raum bewegt werden. Evert Marie Bruins meinte, aus dieser Kritik in den 1960er Jahren Hinweise auf eine nichteuklidische Geometrie bei Zenon gefunden zu haben.[8] Kurt von Fritz weist dies zurück: es gäbe nicht den kleinsten Hinweis, dass Zenon die von ihm formulierte Kritik (die im Rahmen der Kritik der Epikurärer an der Mathematik war) zu einer nicht-euklidischen Geometrie ausbauen wollte. Poseidonios antwortete auf die Kritik von Zenon auf Euklid mit einem ganzen Buch.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Papyrusfunde in Herkulaneum sind veröffentlicht in:

  • Auszüge in T. Gomperz: Herkulianische Studien I, Leipzig 1865, S. 24-26
  • Ph. H. und Estelle A. de Lacy (Hrsg.): Philodemus: On the method of inference. Philological Monographs of the American Philological Association, Nr. 10, Philadelphia 1941.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Kurt von Fritz: Zenon of Sidon, Dictionary of Scientific Biography
  • Kurt von Fritz, Artikel Zenon von Sidon, in Pauly-Wissowa, X, A, S. 122-138
  • Frank Regen, Artikel Zenon von Sidon in Der Kleine Pauly
  • Ludger Adam: Das Wahrheits- und Hypothesenproblem bei Demokrit, Epikur und Zeno, dem Epikureer, Dissertation, Göttingen 1947
  • G Vlastos: Zeno of Sidon as a Critic of Euclid, in: The Classical Tradition: Literary and Historical Studies in Honor of Harry Caplan (New York, 1966), S. 148–159.
  • Evert Bruins: La géométrie non-euclidéenne dans la antiquité, Paris, Publ. Université de Paris, 1968

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Den Zunamen Tyrann des Gartens hatte er nach Diogenes Laertius wegen seiner Dominanz in der epikuräischen Schule (dem Garten)
  2. Der Kleine Pauly, Artikel Zenon von Sidon.
  3. Der Kleine Pauly, Artikel Zenon von Sidon
  4. Kurt von Fritz, Artikel Zenon von Sidon, Dictionary of Scientific Biography, ab 1972
  5. A.A. Long, D.N. Sedley: Die hellenistischen Philosophen. Stuttgart/Weimar 2006, S.111.
  6. Kurt von Fritz, Artikel Zenon, Dict. Sci. Biogr. und Kurt von Fritz Die έπαγωγή bei Aristoteles, Sitzungsberichte der Bayerischen Akademie der Wiss., Phil-Hist. Klasse, 1964, Nr.3
  7. Inhalt Buch 1 der Elemente, D. Joyce
  8. Bruins, La géométrie non-euclidéenne dans la antiquité, Paris, Publ. Université de Paris, 1968