Zentrale des Bundesnachrichtendienstes

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BND-Zentrale in Berlin

Die Zentrale des Bundesnachrichtendienstes ist der zukünftige Hauptsitz des Bundesnachrichtendienstes (BND). Das umzäunte rund 260.000 m² große Gelände mit dem Gebäudeensemble befindet sich im Berliner Ortsteil Mitte an der Chausseestraße. Das umgangssprachlich BND-Zentrale genannte Projekt entsteht seit 2006 nach Plänen der Architekten Kleihues + Kleihues. Der Abschluss der Bauarbeiten war für das Jahr 2016 vorgesehen.[1]

Die ersten Mitarbeiter bezogen 2014 ihre Büros im Neubau. Im Jahr 2017[veraltet] soll der Umzug von den bisherigen Standorten mit dann 4000 Mitarbeitern[2] abgeschlossen sein. Hauptsitz des Nachrichtendienstes bleibt bis zum Einzug der Hauptverwaltung noch Pullach.[3] Dort sollen nach neuesten Planungen auch nach dem Umzug die Arbeitsplätze von rund 1000 Spezialisten verbleiben.[4]

Standort und dessen Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ursprünglich war das Gelände am Rande des sogenannten Feuerlandes. Auf dem Areal befand sich ein Exerzierplatz, im weiteren Verlauf des 19. Jahrhunderts die Kaserne des Garde-Füsilier-Regiments, genannt Maikäferkaserne. Nach dem Ersten Weltkrieg nutzte die Berliner Polizei die Kaserne und den Exerzierplatz und errichtete hier 1929 das Polizeistadion. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Kasernengebäude weitgehend zerstört. Aus Anlass der III. Weltfestspiele der Jugend und Studenten ließ die DDR-Regierung auf dem Areal aus Trümmerschutt das Walter-Ulbricht-Stadion anlegen, das 1973 in Stadion der Weltjugend umbenannt wurde.[5] Nach seinem Abriss ab 1992 sollten dort Bauten für die Olympischen Spiele 2000 entstehen, für die sich Berlin beworben hatte. Nach dem Scheitern der Olympiabewerbung diente das freie Gelände bis 2006 verschiedenen sportlichen Zwischennutzungen.[6]

Entstehung der neuen Zentrale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Golfabschlagplatz 2005 auf dem jetzigen BND-Gelände
Bautafel zum Neubau der Zentrale des BND in Berlin-Mitte
Baustelle der BND-Zentrale Anfang 2010
Baustelle der BND-Zentrale Anfang 2010
Proteste vor dem noch ungenutzten BND-Gebäude 2013
Metall-Palme als Kunst am Bau, 2013[7]

Im August 2005 kaufte der Bund das Grundstück vom Land Berlin. Die Kaufsumme für einen Teil des Geländes betrug etwa 48 Millionen Euro. Weil der BND zukünftig auch die Auslandsaufklärung für die Auslandseinsätze der Bundeswehr übernehmen wird, sind beim BND 270 Dienstposten neu eingerichtet worden. Weitere Mitarbeiter für das ZNBw, in Gelsdorf bei Bonn im bisherigen Dienst, sollten deshalb in die neue Zentrale nach Berlin wechseln. Bauherr des Vorhabens ist die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben. Planung und Baudurchführung erfolgen durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Der Erste Spatenstich für den Gebäudekomplex erfolgte am 19. Oktober 2006. Ende März 2014 zogen die ersten 174 Mitarbeiter in ihre neuen Büros, sie kamen überwiegend aus der bisherigen Dienststelle in Lichterfelde.[4]

Baukosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Baukosten veranschlagten Bundesregierung und BND zunächst auf 720 Millionen Euro. Der Bundesrechnungshof schätzte die Kosten erheblich höher ein. Zum Richtfest am 25. März 2010 an der Chausseestraße wurden die voraussichtlichen Kosten bereits auf 790 Millionen Euro beziffert.[8]

Noch im April 2014 hatte der FAZ-Feuilletonist Niklas Maak gelobt: „...die Kosten sind, verglichen mit anderen Großprojekten, im Rahmen geblieben: Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung hatte mit Kosten von 720 Millionen Euro gerechnet, es wurden 912,4 Millionen – nicht mal 200 Millionen teurer als geplant.“[10]

Die Gesamtkosten inklusive Umzugskosten gab der Bauherr Ende des Jahres 2013 mit 1,3 Milliarden Euro an[1][11]. Im Dezember 2014 betrugen laut Regierungsauskunft die Gesamtbaukosten 1,04425 Milliarden Euro und die Gesamtausgaben inklusive Umzugskosten wurden auf 1,58885 Milliarden Euro geschätzt.[12]

Die Bauten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das eigentliche Hauptgebäude der BND-Zentrale besteht aus einem dreiflügeligen Bauwerk, das insgesamt 283 Meter lang ist und dessen Hauptachse in West-Ost-Richtung angelegt ist. Rückwärtige Anbauten vergrößern die Nutzflächen. Die Zentrale wird ein Besucherzentrum und eine Betriebskantine enthalten. Lange Flure ziehen sich hindurch, von denen kleine funktionale Büros für je zwei Mitarbeiter abgehen. Darin stehen höhenregulierbare Schreibtische. Jeder Mitarbeiter wird zwei PCs erhalten. Einer dient der normalen Kommunikation, der zweite ist mit dem internen Netz verbunden. Insgesamt sind 300.000 km Kabel verlegt worden, davon 20.000 Kilometer Glasfaserkabel.[4]

Abgedunkelte und abhörsichere Fenster schützen die Räume vor Lauschangriffen. Zur Ikonographie des Gebäudes führte Maak folgenden Vergleich in freier Assoziation aus: „...die Gebäudeteile sehen auch aus wie eine etwas ratlos Spalier stehende Versammlung überdimensionierter, riesenhafter PC-Gehäuse, in deren gigantischen Laufwerken alles gespeichert wird, was überhaupt speicherbar ist.“[13]

Zu dem Hauptgebäude kamen ein eigenes Blockheizkraftwerk, ein unterirdisches Materiallager sowie ein kleiner Park um einen Teil der freigelegten Panke.

Imtech übernahm mit einem Gesamtvolumen von 140 Mio. Euro für einen Zeitraum von 15 Jahren die Wärme-, Kälte- und Stromversorgung der Liegenschaft.[14]

Pannen, Bauverzögerung und Kostensteigerungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Juli 2011 veröffentlichte das Magazin Focus einen Bericht, wonach über ein Jahr zuvor Baupläne für die neue BND-Zentrale in Berlin gestohlen worden seien. Diese Pläne sollten laut Medienberichten Darstellungen des Technik- und Logistikzentrums offenbaren, wie Notausgänge, Schleusen, Alarmanlagen, Türen- und Deckendicke, Kabelschächte sowie Antiterror-Einrichtungen.[15] Daraufhin wurde eine Kommission eingerichtet, die den Vorfall untersuchte. Ein auch teilweiser Neubau der BND-Zentrale wurde jedoch vom Geheimdienstchef Ernst Uhrlau ausgeschlossen. Die veröffentlichten Pläne beträfen entgegen Medienberichten nicht das Herzstück der BND-Zentrale, sondern das Nordgebäude, in dem ein Parkhaus, die Energiezentrale sowie die Ver- und Entsorgung untergebracht seien. Die Baupläne seien in der niedrigsten Geheimhaltungsstufe als Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch eingestuft.[16]

In der Nacht vom 2. auf den 3. März 2015 demontierten Unbekannte auf der bewachten Baustelle fünf Wasserhähne im vierten bis sechsten Stockwerk des Neubaus. Das austretende Wasser flutete Teile des BND-Gebäudes. Die Feuchtigkeit drang in Zwischendecken, Kabelschächte und die Lüftung ein. Eine Decke brach teilweise durch. Der Schaden soll in die Millionenhöhe gehen.[17][18]

Darüber hinaus wurde über Pfusch am Bau und Probleme mit dem Lüftungssystem berichtet, die zu Bauverzögerungen führten.[18] Mit Stand von September 2015 soll der für 2013 geplante Umzug erst 2017[veraltet] stattfinden. Die Gesamtkosten für den Umzug liegen statt bei 912,4 Millionen Euro mutmaßlich bei 1,3 Milliarden Euro.[18]

Umfeld[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Abschnitt der Chausseestraße zwischen Schwartzkopffstraße und Liesenstraße bzw. zwischen Boyenstraße und Habersaathstraße erlebt seit Beginn der Bauarbeiten für die BND-Zentrale einen regelrechten Bauboom. Selbst am rückwärtigen Bereich des BND zur Scharnhorststraße hin sind bereits neue Wohnungen und der Pankepark entstanden. Zahlreiche Gaststätten, Cafés, Pensionen und Hotels entstanden bisher, die alle von der Nähe zum BND profitieren wollen. Zu nennen wäre das Café Top Secret – Café am BND, das Café-Restaurant Jette, ein neues Hotel der Titanic-Kette, die Wohnanlage Garden Homes. Noch in Planung befinden sich die Feuerlandhöfe genau gegenüber dem Eingang zum BND, sie sollen aus einem Bürokomplex, einem Hotel und einigen Stadtvillen bestehen.[19]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: BND-Zentrale in Berlin – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b BND-Zentrale in Berlin: Pfusch an der Lüftung verzögert Umzug der Spione, Spiegel Online vom 25. Juni 2012
  2. /www.bnd.bund.de Neubau der Zentrale. Aufgerufen am 11. Mai 2014.
  3. BND-Großbaustelle: So sehen 2 Milliarden Euro von oben aus, BZ News aus Berlin vom 20. September 2012
  4. a b c Christian Tretbar: Warten auf 007: Erster Teil der BND-Zentrale in Berlin eröffnet. In: Der Tagesspiegel. 31. März 2014. Abgerufen am 8. Juni 2014.
  5. Angela M. Arnold, Gabriele von Griesheim: Trümmer, Bahnen und Bezirke. Berlin 1945–1955. Selbstverlag 2002, ISBN 3-00-009839-9, Seite 135 ff.
  6. Ausführliches zur Geschichte des Geländes auf www.stadtentwicklung.berlin.de; abgerufen am 8. Juni 2014
  7. Terrassen zum Pankepark, bnd.bund.de
  8. Rainer Funke: Hochsicherheit mit grüner Lunge. Richtfest für die neue BND-Zentrale in Mitte / Bauverzögerungen und höhere Kosten. In: Neues Deutschland, 25. März 2010.
  9. a b Niklas Maak: Kämpfen gegen das Unsichtbare: Die Architektur der neuen BND-Zentrale. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 26. April 2014. Abgerufen am 11. Mai 2015.
  10. [9]
  11. Geheimdienst-Umzug: Kosten für BND-Neubau in Berlin steigen weiter
  12. BT-Drs. 18/4793
  13. [9]
  14. http://www.imtech.de/uploads/tx_templavoila/BROSCHUERE_CONTRACTING_DRUCKBOGEN_DEUTSCH.pdf
  15. Neue Zentrale in Berlin: Geheimpläne beim BND gestohlen, Focus, 10. Juli 2011.
  16. BND-Zentrale wird trotz Bauplan-Diebstahl nicht umgebaut bei de.reuters.com, 12. Juli 2011 (abgerufen am 12. Juli 2011).
  17. Diebe in der BND-Zentrale: Agenten in Gummistiefeln. In: Die Tageszeitung. 4. März 2015. Abgerufen am 4. März 2015.
  18. a b c http://www.spiegel.de/politik/deutschland/bnd-wasserschaden-kostete-eine-million-euro-a-1050993.html
  19. Sebastian Höhn: Geschäfte mit dem BND. In Berliner Zeitung vom 28. Mai 2013

Koordinaten: 52° 32′ 2″ N, 13° 22′ 36″ O