Zentralfriedhof Graz

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Grazer Zentralfriedhof mit Kirche zum gekreuzigten Heiland
Das 1961 errichtete Denkmal für die Opfer des Faschismus (Lage), Architekt Boris Kobe

Der Zentralfriedhof Graz ist der größte Friedhof in Graz. Der interkonfessionelle Kommunalfriedhof befindet sich im Eigentum der katholischen Stadtpfarre.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hauptgebäude wurden ab 1885 von Carl Lauzil mit neugotischer Backsteinfassade geplant und ab 1886 gebaut. Mit dem baulichen Konzept des Architekten Lauzil war eine räumliche Trennung von infektiösen und nichtinfektiösen Leichen verbunden. Diese Teilung galt zum Zeitpunkt der Errichtung als vorbildliche technische und hygienische Lösung. Um den Hinterbliebenen einer infizierten Leiche die persönliche Abschiednahme mit Aufbahrung zu ermöglichen, hatte man die separate Aufbahrungshalle mit einem offenen Wandelgang versehen, der durch Fenster mit luftdicht verschlossenen Spiegeln einen Blick auf den jeweiligen Leichnam ermöglichte. Das gesamte Friedhofsgelände umfasst eine Fläche von rund 25 Hektar mit mehr als 6,5 Kilometern Wegenetz und rund 30.000 Bestatteten. Der Friedhof ist interkonfessionell und hat unter anderem einen altkatholischen Teil, einen ukrainischen Teil, Gräber der Opfer beider Weltkriege und seit 1995 ein islamisches Gräberfeld. 2010 wurde eine 150 m² große, interkonfessionelle Zeremonienhalle und ein weiteres muslimisches Gräberfeld eröffnet.[2][3] Seit 7. April 2016 gibt es einen neuen Urnenpark, von den Architekten Veronika Hofrichter-Ritter und Gernot Ritter mit kegelig-bogenförmigen, schrägen Wänden gestaltet.[4]

Die erste Bestattung am Grazer Zentralfriedhof erfolgte am 1. Februar 1896 (Feld 10b 5 1). Dabei handelt es sich um den damals 29-jährigen Metalldreher Rudolf Wlasak, der während der Bauarbeiten an der Zentralfriedhofskirche verstarb. Auf dem Friedhof befinden sich auch zahlreiche Ehrengräber der Stadt Graz und viele kulturhistorisch wertvolle Grabdenkmäler von Künstlern wie Hans Brandstetter, Wilhelm Gösser oder Richard Jakitsch. Auch Rudolf Freiherr Stöger-Steiner von Steinstätten, k.u.k Generaloberst und letzter Kriegsminister von Österreich-Ungarn ist hier begraben.

Als neue Bestattungsform gibt es am Grazer Zentralfriedhof eine Himmelsspirale (Lage)[5], wo Urnenbeisetzungen der Asche im Kreislauf der Natur möglich sind und erstmals in Österreich auch virtuelle Kerzen im Gedenken an die Verstorbenen angezündet werden können.[6]

Eingangsportal des Zentralfriedhofs

Ehrengräber[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fritz Pregl (1869–1930), Nobelpreisträger für Chemie 1923 (Feld 11 II 1)
  • Johann Puch (1862–1914), Fabrikant (Feld 13b II 5)
  • Jochen Rindt (1942–1970), Formel-1-Weltmeister 1970 (Feld 4b IVa 13)

Gräber ohne Ehrenstatus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Eintrag zu Zentralfriedhof Graz im Austria-Forum, Autor/Redaktion: Robert Engele
  2. Kleine Zeitung vom 19. Juni 2010, S. 29.
  3. Stefan Fayans: Bestattungsanlagen (Handbuch der Architektur, 4. Teil, 8. Halbband, Heft 3). Stuttgart 1907, S. 75–76
  4. Neuer Urnenpark am Zentralfriedhof, Kronenzeitung, Steirerkrone, 10. April 2016, S. 20.
  5. www.himmelsspirale.at
  6. Johanna Vucak: Grazer wollen ewig leben in: der Grazer vom 12. April 2009, S. 13.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karin Derler, Ingrid Urbanek: Planung für die Unendlichkeit – Der Grazer Zentralfriedhof. Steirische Verlagsgesellschaft m.b.H., 2002. ISBN 3-85489-086-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zentralfriedhof Graz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 2′ 41,7″ N, 15° 25′ 29,5″ O