Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie

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Das Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (ZIMET) war ein außeruniversitäres Forschungsinstitut der Akademie der Wissenschaften der DDR (AdW). Es hatte seinen Sitz in Jena und ging 1970 aus dem vom Mikrobiologen Hans Knöll im Jenaer Stadtteil Beutenberg gegründeten Institut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie hervor, das ab 1956 zur Forschungsgemeinschaft der AdW gehörte. Als Nachfolgeeinrichtungen entstanden 1992 mehrere Institute der Leibniz-Gemeinschaft. Das ZIMET war beteiligt am staatlichen Zwangsdopingsystem im DDR-Leistungssport.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Institut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie (IMET) als Vorläufereinrichtung des späteren Zentralinstituts war aus dem ab 1944 bestehenden Schott-Zeiss-Institut für Mikrobiologie hervorgegangen, das nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs Teil der Firma Jenapharm beziehungsweise VEB Jenapharm wurde, einer Produktionsstätte für Arzneimittel in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Aus dem Betrieb wurde 1953 das IMET ausgegliedert, das zunächst dem Ministerium für Gesundheitswesen der DDR unterstand und im März 1956 von der AdW übernommen wurde. 1970 erhielt das Institut den Namen „Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie“.

Als Direktoren des Instituts wirkten von der Gründung bis 1976 Hans Knöll, von 1976 bis 1984 Udo Taubeneck, von 1984 bis 1989 Friedrich Bergter und von 1989 bis 1991 Michael Oettel. Ab 1971 gehörte das Institut zum Forschungszentrum für Molekularbiologie und Medizin, dem Verbund der biowissenschaftlich und medizinisch orientierten Institute der Akademie. Das ZIMET, an dem auch eine Kunstsammlung bestand, war mit rund 1000 Mitarbeitern (1985) eine der größten biomedizinischen Forschungseinrichtungen in der DDR. Schwerpunkte der Aktivitäten des Institutes waren nach Intensionen von Hans Knöll die Erforschung antitumoraler und antibakterieller Wirkstoffe in breiter Ausrichtung, von der Wirkstoffsuche (Antibiotika, Synthetika, Steroide u. a.) über biologische Testungen bis zu Untersuchungen des Wirkmechanismus. Herausragende Forschungsergebnisse waren die Synthese und Entwicklung von Bendamustin (W. Ozegowski, W.Werner u. Mitarb.) welches heute unter den Markennamen Treanda, Levact, Ribamustin u. a. weltweit zu den umsatzstärksten Cancerostatica zählt, sowie die Synthese und Entwicklung von Dienogest (K. Ponsold, M.Oettel u. Mitarb.), einem heute weltweit angewandten Kontrazeptivum.

Doping[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wissenschaftler des ZIMET waren nach den Recherchen des Dopingexperten Werner Franke an der Forschung im Rahmen des als Staatsplanthema 14.25 bezeichneten staatlich organisierten Zwangsdopingprogramms im DDR-Leistungssport beteiligt.[1] Geleitet wurde die Entwicklung neuer Dopingpräparate vom Forschungsinstitut für Körperkultur und Sport (FKS) in Leipzig, das dabei mit der Forschungsabteilung von Jenapharm und dem ZIMET zusammenarbeitete. Die Forscher waren jedoch nur bedingt über die Anwendung der Präparate bei Sportlern informiert.[2] Nachdem die Idee zum Einsatz von Androstendion im DDR-Leistungssport am FKS entstanden war, nahmen dort im Juni 1981 unter anderem Kurt Schubert vom ZIMET, Michael Oettel (Jenapharm) und Jürgen Hendel (GERMED) an einem Kolloquium teil.[3]

Nachfolgeeinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der deutschen Wiedervereinigung ging aus dem ZIMET mit Beginn des Jahres 1992 das Hans-Knöll-Institut für Naturstoff-Forschung (HKI) hervor, das im Jahr 2000 in die Förderung der sogenannten Blauen Liste aufgenommen wurde und seit 2003 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft ist. Seit 2005 heißt es Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie. Als weitere Nachfolgeeinrichtung entstand 1992 das Institut für Molekulare Biotechnologie (IMB), das seit seiner Gründung zur Blauen Liste gehörte. Aus dem IMB entstand 2005 das Leibniz-Institut für Alternsforschung. Der in der Gemeinde Neuglobsow ansässige Bereich Limnologie des ZIMET wurde Teil des 1992 gegründeten Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei mit Sitz in Berlin.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie Jena – 30 Jahre Akademieinstitut. Eigenverlag des Instituts, Jena 1987

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Peer Kösling, Maria Schmid, Gunthard Linde: Die Kunstsammlung des ZIMET – Zentralinstitut für Mikrobiologie und experimentelle Therapie der Akademie der Wissenschaften der DDR: Vier Jahrzehnte Kunst in einem Forschungsinstitut der DDR. Städtische Museen Jena, Jena 1995, ISBN 3-930128-20-9

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Werner Franke: Gutachterliche Stellungnahme zur Art und zum Ausmaß der Beteiligung der Firma VEB Jenapharm und ihrer Wissenschaftler beim verbrecherischen Doping-System der DDR. Heidelberg, 22. Dezember 2004
  2. Doping Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen
  3. Klaus Latzel: Staatsdoping – Der VEB Jenapharm im Sportsystem der DDR. Köln/Weimar 2009, Kapitel Doping und die pharmazeutische Industrie der DDR II, Kooperation in der Kommandowirtschaft - am Beispiel Androstendion, S. 121ff