Zentrum-Bozner Boden-Rentsch

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Stadtviertel Zentrum-Bozner Boden-Rentsch
Italienische Bezeichnung: Quartiere Centro-Piani-Rencio
Dom Maria Himmelfahrt Bozen.jpg
Der Dom ist die größte Kirche des Stadtviertels
Staat: Italien
Region: Trentino-Südtirol
Provinz: Südtirol (BZ)
Gemeinde: Bozen
Koordinaten: 46° 30′ N, 11° 22′ OKoordinaten: 46° 30′ 1″ N, 11° 21′ 39″ O
Höhe: 262 m s.l.m.
Fläche: 22,81 km²
Einwohner: 18.118 (2012[1])
Bevölkerungsdichte: 794 Einw./km²
Demonym: Altbozner/vom Bozner Boden/Rentschner
Präsident Armin Widmann (SVP)
Telefonvorwahl: 0471 CAP: 39100
Website: Offizielle Website

Zentrum-Bozner Boden-Rentsch (italienisch Centro-Piani-Rencio) ist das größte und östlichste der fünf Stadtviertel der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen (Italien). Im Stadtviertel befinden sich neben dem Rathaus ein Großteil der Landesämter, der Sitz des Landeshauptmanns, der Landtag, vier der sechs Theater der Stadt, sämtliche Kinos, die wichtigsten Museen der Stadt und die ältesten Straßen Bozens.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Begrenzt wird das Gebiet des Stadtviertels von der Talfer im Westen. Gegen Nordwesten reicht das Viertel bis an die Gemeindegrenze von Bozen am Hang des Ritten. Im Südosten gehört Kohlern zum Stadtviertel.

Die Altstadt von Bozen liegt am unteren Ende eines Schwemmkegels der aus dem Sarntal mündenden Talfer. Oberhalb des Bozner Bodens bieten Lockersedimente aus eiszeitlichen Schotter- und Moränenablagerungen ideale Voraussetzungen für den Weinanbau. Besonders gut ausgebildet sind sie in den für den gleichnamigen Wein bekannten Malgreien St. Magdalena und St. Justina. Diese werden zu den besten Lagen Südtirols gezählt. An den oberhalb gelegenen Talflanken steht der rötliche Quarzporphyr an, gefolgt von der breiten Mittelgebirgsterrasse am Ritten.[2]

Gliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Des Stadtviertel besteht aus der Altstadt Bozens (Katastralgemeinde Bozen) und den ehemaligen Malgreien Zollstange (heute Zwölfmalgreien genannt), St. Peter, St. Johann im Dorf, Rentsch, St. Magdalena, St. Justina, Bozner Leitach, Kampill, Kampenn (mit Kohlern) und Virgl sowie dem Neubauviertel Bozner Boden.

Der Bereich der Laubengasse mit dem zentral gelegenen Kornplatz bildet den Mittelpunkt der in ihren Ursprüngen mittelalterlichen Altstadt Bozens, die im Süden bis Waltherplatz, Dom und Dominikanerkirche reicht. An diese schließen sich mit der Wangener Vorstadt im Norden, der landesfürstlichen Vorstadt im Westen sowie den historischen Vierteln Rain und Gurmental im Südosten die im Vergleich zum Altstadtkern weniger regelmäßig gestalteten mittelalterlichen Stadterweiterungen an. Der Bereich östlich der Altstadt bis zum Hangfuß von St. Peter und St. Magdalena wurde in der Gründerzeit verbaut. Jenseits der südöstlich des Zentrums verlaufenden Bahnlinie folgt das Gewerbegebiet Bozner Boden.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da die historische Altstadt zum Viertel gehört, entspricht die Vorgeschichte des Viertels weitgehend der Geschichte Bozens. Der Name der Stadt Bozen geht nicht auf die bisher nicht näher lokalisierte römerzeitliche Militärstation Pons Drusi zurück.[4] Die eigentliche Gründung einer städtischen Marktsiedlung im Bereich der heutigen Altstadt erfolgte im späteren 12. Jahrhundert, wobei direkte Urkundenbelege für den Gründungsvorgang fehlen.[5] Hierbei bestehen unterschiedliche Auffassungen, ob sich die neu gegründete Marktsiedlung erst allmählich aus einem dörflichen Kern heraus entwickelt[6] oder ob diese – angesichts von Grundriss und einer relativ kleinen Gemarkungsfläche von nur 69 Hektar (1828) – erst im Zuge der mittelalterlichen Stadtgründung aus dem Weichbild von Zwölfmalgreien herausgetrennt wurde.[7] Der Bozner Boden selbst ist bereits im späten 15. Jahrhundert unter den Bezeichnungen „Poden pey Botzenn“ bzw. „Poden vnder Rentsch gegen dem Eysagk“ urkundlich bezeugt.[8]

Das Stadtviertel selbst wurde, wie auch die anderen Bozner Stadtviertel, 1995 eingerichtet. 1998 wurde das Südtiroler Archäologiemuseum eröffnet, welches die Gletschermumie Ötzi beherbergt. 2009 wurde im Bozner Boden das größte Kino der Stadt, das Cineplexx Bozen mit sieben Sälen, eröffnet.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtviertelrat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei allen Wahlen zum Stadtviertelrat konnte die Südtiroler Volkspartei die relative Mehrheit erreichen und den Präsidenten stellen.

Präsidenten des Stadtviertelrates
1995–2000 Konrad Ausserer (SVP)
2000–2005 Otto von Aufschnaiter (SVP)
2005–2014 Rainer Steger (SVP)
2014–2015 Irene Weis (SVP)
2015–2016 Armin Widmann (SVP)

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 21. Februar 2012 lebten 18.118 Personen im Stadtviertel.[9] Bezüglich Einwohnerzahlen liegt es an dritter Stelle, nach Gries-Quirein und Don Bosco. Mit 17,1 % hat es den größten Anteil an Ausländern.[10]

Zentrum-Bozner Boden-Rentsch ist das Viertel mit dem höchsten Anteil an deutschsprachiger Bevölkerung und das einzige Stadtviertel mit einer deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit.[11]

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtviertel sind zahlreiche Dienstleistungsunternehmen angesiedelt, vor allem im Zentrum dominiert dieser Sektor. Industrie- und Handelsbetriebe sind vor allem in der Gewerbezone am Bozner Boden vertreten. Die Wirtschaft im Zentrum hingegen ist vom Einzelhandel und vom Tourismus geprägt. Vor allem im Altstadtbereich existieren zahlreiche Geschäfte und Gastronomiebetriebe. Am Obstplatz findet montags bis samstags der berühmte Bozner Obstmarkt statt.

Bildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtviertel befinden sich drei deutschsprachige und zwei italienischsprachige öffentliche Grundschulen[12] sowie eine private Montessorischule[13], zwei deutschsprachige und eine italienischsprachige Mittelschule, das Konservatorium Claudio Monteverdi. Außerdem existieren drei private Gymnasien (Franziskanergymnasium, Pädagogisches Gymnasium[12] und Realgymnasium Rainerum[14]) sowie die Freie Universität Bozen.[12]

Soziale Einrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der zentralen Lage befinden sich alle wichtigen sozialen Einrichtungen im Stadtviertel. Den örtlichen Vereinen, Körperschaften und politischen Parteien stehen der Mehrzwecksaal „Premstallerhof“ in der Dolomitenstraße (mit dem Bürgerschalter Bozner Boden) sowie der 2010 von Grund auf restaurierte, spätrenaissancezeitliche Ansitz „Lammwirt“ (Lampl) an der Rentscher Straße als Standort bzw. für Veranstaltungen zur Verfügung.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zentrum-Bozner Boden-Rentsch beherbergt eine Reihe von Museen: Das Archäologische Museum, das Naturmuseum, das Museion, das Stadtmuseum, das Merkantilmuseum, den Domschatz Bozen und das Schulmuseum Bozen. Außerdem befinden sich im Stadtviertel die drei Kinos der Stadt (der Filmclub mit 3 Sälen, das Edenkino mit einem Saal und das Cineplexx mit sieben Sälen), das Stadttheater, das Kulturhaus Walther von der Vogelweide, das Konzerthaus Joseph Haydn, die Kleinkunstbühne Carambolage und das Kindertheater Theater im Hof. Außerdem befinden sich im Stadtviertel verschiedene Kunstgalerien wie z.B. die Galerie Museum, die Galerien Goethe 1 und 2 und die Galerie Prisma. Eines der beiden Schlösser, die der Gemeinde Bozen gehören, befindet sich ebenfalls im Stadtviertel (Schloss Maretsch). Schloss Runkelstein hingegen befindet sich auf dem Gebiet der Gemeinde Ritten.

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Stadtviertel befindet sich die Kurie der Diözese Bozen-Brixen und verschiedene Kirchen. In der Altstadt sind dies der Bozner Dom (Maria Himmelfahrt), die Franziskanerkirche, die Dominikanerkirche, St. Antonius (Kapuzinerkirche), die Herz-Jesu-Kirche (Eucharistiner) und St. Georg in Weggenstein (Deutschordenskommende). In den ehemaligen Gebieten von Zwölfmalgreien gibt es St. Laurentius in Rentsch, St. Josef in Bozner Boden, St. Martin in Kampill, Maria Himmelfahrt in Kohlern, St. Anton (im Dorf), die Heinrichskirche (im Dorf), St. Peter, St. Magdalena, St. Justina, St. Georg (Bozner Leitach), St. Vigilius, die Kreuzkirche und St. Johann im Dorf. Im Viertel gibt es zwei freikirchliche Versammlungsräume/Gemeinden und mindestens einen moslemischen Gebetsraum (am Bozner Boden). Die altkatholische Gemeinschaft versammelt sich in der Kirche Maria Regina Angelorum.

Persönlichkeiten (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Portal: Bozen – Übersicht zu Wikipedia-Inhalten zum Thema Bozen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ansässige Bevölkerung nach Stadtviertel
  2. Hugo Penz: Die Brenner-Linie: Die zentrale Nord-Süd-Verbindung von Innsbruck bis Ala. In: Ernst Steinicke, Geographischer Exkursionsführer. Band 1: Übersichtsrouten von Kufstein bis Ala. Innsbruck 2002, S. 103–166.
  3. H. Penz: Die Brenner-Linie (op. cit.), S. 103–166.
  4. Egon Kühebacher: Die Ortsnamen Südtirols und ihre Geschichte, Bd. 1, Bozen: Athesia 1991, ISBN 88-7014-634-0, S.56.
  5. Hannes Obermair: Kirche und Stadtentstehung. Die Pfarrkirche Bozen im Hochmittelalter (11.–13. Jahrhundert). In: Der Schlern. 69. Jahrgang, Heft 8/9, 1995, S. 449–474 (bozen.it [PDF]).
  6. Obermair, op. cit.; R. Loose: Der Bozner Siedlungsraum vor der Stadtgründung. In: Bozen. Von dem Anfängen bis zur Schleifung der Stadtmauern. Bozen 1991, S. 115–134.
  7. F. H. Hye: Die Gründung von Bozen – gesehen im Rahmen der hochmittelalterlichen Stadtgründungen in Tirol (mit Repliken auf die neuesten Theorien). In: Bozen. Von dem Anfängen bis zur Schleifung der Stadtmauern. Bozen 1991, S. 191–202.
  8. Hannes Obermair: Bozen Süd – Bolzano Nord. Schriftlichkeit und urkundliche Überlieferung der Stadt Bozen bis 1500. Band 2. Stadtgemeinde Bozen, Bozen 2008, ISBN 978-88-901870-1-8, S. 233 ff., Nr. 1322 und 1337.
  9. Ansässige Bevölkerung nach Stadtviertel. Gemeinde Bozen; abgerufen am 12. März 2012 (HTML).
  10. Bevölkerungsentwicklung und -struktur der Stadt Bozen und ihrer Stadtviertel – 2010. Gemeinde Bozen; abgerufen am 2. Oktober 2010 (PDF; 1,4 MB).
  11. Auch wenn statistische Erhebungen dazu fehlen, lassen doch verschiedene Indikatoren wie Wahlergebnisse oder Schülerzahlen auf einen Anteil deutschsprachiger Bevölkerung von über 50 % schließen
  12. a b c Kinderhorte, Kindergärten und Schulen im Stadtviertel "Zentrum-Bozner Boden-Rentsch"
  13. http://www.diepfuetze.org/
  14. http://www.rainerum.it/liceo/