Standort Weißenau des ZfP Südwürttemberg

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Der Standort Weißenau ist Teil des ZfP Südwürttemberg, einer Anstalt des öffentlichen Rechts unter Gewährsträgerschaft des Landes Baden-Württemberg. Im ehemaligen Kloster Weißenau und in umliegenden Neubauten betreibt das ZfP u. a. eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie. Der Standort Weißenau kooperiert mit der Universität Ulm und ist als akademisches Lehrkrankenhaus anerkannt. Ärztlicher Direktor am Standort Weissenau ist Tilman Steinert.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ehemalige Konventbau des Klosters Weißenau, heute Teil des ZfP Südwürttemberg

Im Zuge der Säkularisation und der damit verbundenen Aufhebung der Klöster und geistlichen Herrschaften wurde das Kloster 1803 für weltliche Zwecke umgenutzt. 1892 folgte die Gründung der Heilanstalt Weissenau.

In den Jahren 1940 und 1941 wurden im Rahmen der „Aktion T4“ 691 Patienten in Bussen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. 2006 wurde zum Gedenken an die Opfer das bundesweit beachtete Denkmal der grauen Busse errichtet; ein Teil des zweiteiligen Denkmals wechselt seinen Standort und wurde seither an mehreren Orten in Deutschland aufgestellt.

Die staatlichen Heil- und Pflegeanstalten wurden 1953 in Psychiatrische Landeskrankenhäuser (PLK) umbenannt. 1975 erfolgte eine Veröffentlichung der Psychiatrie-Enquête mit Öffnung der psychiatrischen Einrichtungen und Ausbau ambulanter Versorgungsangebote. Seit 1976 ist Weißenau Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie.[1]

Das Zentrum für Psychiatrie Weißenau beteiligte sich 1994 am Pilotprojekt Qualitätssicherung der stationären Depressionsbehandlung.[2]

Die Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg wurden 1996 zu Anstalten des öffentlichen Rechts. Die drei Zentren für Psychiatrie in Bad Schussenried, Weissenau und Zwiefalten fusionierten 2009 zum ZfP Südwürttemberg mit Geschäftssitz in Bad Schussenried.

Einrichtung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das ZfP Südwürttemberg betreibt am Standort Weissenau eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie mit Abteilungen für Allgemeine Psychiatrie, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Suchterkrankungen, Neurologie, Epileptologie sowie Alterspsychiatrie.

Außerdem befindet sich in Weissenau das psychiatrische Fachpflegeheim mit Außenwohngruppen und die Klinik für Forensische Psychiatrie und Psychotherapie.

Die Weissenauer Werkstätten sind Teil der beruflichen Reintegration psychisch behinderter Menschen in der Region Bodensee-Oberschwaben. Behandlungs- und Betreuungsangebote bestehen in Druckerei, Handwerk, Industrie, Gärtnerei, Verkauf und Dienstleistung.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Manfred Kretschmer: Die Weissenau. Geschichte und Erinnerungen. Psychiatrisches Krankenhaus von 1945 bis 1990. Verlag Psychiatrie und Geschichte, Zwiefalten 2002, ISBN 3-931200-06-X
  • Tilman Steinert: Die Geschichte des Psychiatrischen Landeskrankenhauses Weißenau. Darstellung der Anstalts-Geschichte von 1888 bis 1945 im ideengeschichtlichen und sozio-ökonomischen Kontext. Weissenhof-Verlag Kunow, Weinsberg, 1985, ISBN 3-923067-45-3 (zugl. Dissertation, Universität Ulm 1986)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Manfred Wolfersdorf: Depressionen verstehen und bewältigen. 3. Auflage: Springer 2002, ISBN 3-540-42789-9, S. 154.
  2. Markus Gastpar: Depression. Springer, 2002, ISBN 3-540-43209-4, S. 18.

Koordinaten: 47° 45′ 44″ N, 9° 35′ 55″ O