Zernitz-Lohm

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Wappen Deutschlandkarte
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Zernitz-Lohm
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Zernitz-Lohm hervorgehoben
Koordinaten: 52° 53′ N, 12° 21′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Ostprignitz-Ruppin
Amt: Neustadt (Dosse)
Höhe: 33 m ü. NHN
Fläche: 37,31 km2
Einwohner: 873 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 23 Einwohner je km2
Postleitzahl: 16845
Vorwahl: 033973
Kfz-Kennzeichen: OPR, KY, NP, WK
Gemeindeschlüssel: 12 0 68 501
Adresse der Amtsverwaltung: Bahnhofstraße 6
16845 Neustadt (Dosse)
Webpräsenz: www.neustadt-dosse.de
Bürgermeisterin: Sigrid Schumacher (Bündnis90/Die Grünen)
Lage der Gemeinde Zernitz-Lohm im Landkreis Ostprignitz-Ruppin
Wittstock/Dosse Heiligengrabe Rheinsberg Neuruppin Lindow (Mark) Vielitzsee Herzberg (Mark) Rüthnick Fehrbellin Kyritz Breddin Stüdenitz-Schönermark Zernitz-Lohm Neustadt (Dosse) Sieversdorf-Hohenofen Dreetz Walsleben Dabergotz Storbeck-Frankendorf Temnitzquell Temnitztal Märkisch Linden Wusterhausen/Dosse Sachsen-Anhalt Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-Vorpommern Mecklenburg-VorpommernKarte
Über dieses Bild

Zernitz-Lohm ist eine Gemeinde im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg. Sie wird vom Amt Neustadt (Dosse) mit Sitz in der gleichnamigen Stadt verwaltet.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt im äußersten Osten der Prignitz, etwa 7 km nordwestlich von Neustadt (Dosse).

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gemeindegebiet untergliedert sich in die bewohnten Gemeindeteile Bahnhof Zernitz, Goldbeck, Koppenbrück, Lohm, Neuendorf und Zernitz sowie die Wohnplätze Kahlschlag, Krüllenkempe und Neu-Koppenbrück.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schloss Lohm II um 1860, Sammlung Alexander Duncker
Zernitz, Kirche

Die Gemeinde entstand am 31. Dezember 1997 aus dem freiwilligen Zusammenschluss der bis dahin selbstständigen Gemeinden Zernitz und Lohm.[3]

Zernitz wurde urkundlich erstmals 1324 als „Cernitz“ erwähnt und gehört zu den ältesten Orten in der Prignitz. Der Ortsname ist wendischen Ursprungs und geht auf „Cern“ zurück, was etwa mit „Schwarze“ zu übersetzen ist. Um 1490 war Zernitz ein Teil der im Kern reichsunmittelbaren Herrschaft Ruppin unter der Landesherrschaft der Grafen von Lindow-Ruppin.

Die erste urkundliche Erwähnung von Lohm als „tu Deme Luome“ erfolgte nur wenig später, im Jahr 1336. Der Ortsname von Lohm kommt wie bei vielen anderen Orten der Region aus dem Slawischen und bedeutet wahrscheinlich „Wind“ oder „Windbruch“. 1337 belehnte Markgraf Ludwig I. von Brandenburg die Brüder Heinrich und Jordan von Kröcher mit den Dörfern Lohm und Dreetz. Bis 1945 blieben die Kröchers ununterbrochen als Guts- und Patronatsherren mit der Geschichte von Lohm verbunden und bewohnten hier im Spätmittelalter zeitweise mehrere Rittersitze, von denen sich im Verlaufe des 18. Jahrhunderts die Anteile Lohm I und Lohm II mit jeweils einem Rittersitz dauerhaft etablierten und auf denen dann eigenständige Wohnhöfe mit entsprechenden Bauten entstanden. 1737 errichtete der Besitzer von Lohm I, Georg Volrath von Kröcher (1678-1748), der mit Sophie Charlotte von Winterfeld verheiratet war, das noch heute erhaltene barocke Herrenhaus Lohm I am nördlichen Ende des Dorfes. Sein Vetter Caspar Joachim von Kröcher, der das Anteilgut Lohm II besaß, erbaute 1740 das etwas größere barocker Gutshaus Lohm II am südlichen Ortseingang. Auch dieses Herrenhaus ist erhalten. Die aus einem Raum des Herrenhauses Lohm II 1968 geborgene Leinwandtapete mit Rokoko-Malereien ist heute Bestandteil der Raumdekoration des Schlosses Friedrichsfelde in Berlin. Die Familie von Kröcher konnte Lohm II nur bis 1924 halten und verkaufte es an die Deutsche Kultur- und Siedlungsgesellschaft in Berlin. Das Restgut Lohm II gelangte an Wilhelm Graf von Wedel und 1941 an den Bauunternehmer Friedrich Kotzbau, der im Zuge der Bodenreform 1945 enteignet wurde. Das Herrenhaus Lohm I wurde nach 1945 mit Mietwohnungen und öffentlicher Nutzung (Kindergarten) belegt, die noch bis heute (2016) teilweise besteht. Lohm II wurde nach 1945 bis 2002 als Schule genutzt und 2009 an einen Privatmann verkauft.

In den letzten Wochen des Zweiten Weltkrieges hielt ein Zug auf dem Bahnhof Zernitz, mit dem jüdische Frauen und Mädchen aus dem KZ Theresienstadt nach Hamburg gebracht werden sollten. Der Zug wurde von alliierten Tieffliegern beschossen, viele Frauen versuchten sich zu verstecken, wurden verwundet oder erschossen. Einige wurden von Einwohnern versorgt, bevor sie von SS-Mannschaften zusammengetrieben und wieder in die Waggons verfrachtet wurden. Über ihr weiteres Schicksal ist nichts bekannt. Für die 48 Toten der Luftangriffe wurde 1945 Am Bahnhof eine Ehrengrabanlage mit zwei Gedenksteinen errichtet, von denen einer an die jüdischen Häftlinge und der zweite an den jüdischen Rechtsanwalt Theodor Steigerwald erinnert, der hier 1947 an den gesundheitlichen Schäden seiner erlittenen Verfolgung verstarb.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Zernitz-
Lohm
Zernitz Lohm
1875 - 597 272
1910 - 663 205
1939 - 674 304
1946 - 1 163 565
1950 - 1 148 579
1971 - 890 390
1990 - 845 297
1995 - 823 264
1996 - 816 257
1997 1 058
2000 1 027
2005 977
2010 916
2011 893
2012 866
2013 862
2014 878
2015 873

Gebietsstand des jeweiligen Jahres[4][5], ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeindevertretung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeindevertretung von Zernitz-Lohm besteht aus 10 Gemeindevertretern und der ehrenamtlichen Bürgermeisterin. Die Kommunalwahl am 25. Mai 2014 ergab folgende Sitzverteilung:[6]

Bürgermeisterin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Bürgermeisterwahl am 25. Mai 2014 fand sich kein Bewerber. Entsprechend dem Brandenburgischen Kommunalwahlgesetz[7] wählte die Gemeindevertretung am 24. Juni 2014 aus ihrer Mitte Sigrid Schumacher (Bündnis 90/Die Grünen) für eine Amtszeit von fünf Jahren[8] zur ehrenamtlichen Bürgermeisterin.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 2. September 2013 genehmigt.

Blasonierung: „Geteilt von Rot und Silber über silbernem Wellenschildfuß mit acht Wellen, oben acht schräglinke silberne Eichenblätter, unten eine zweibogige rote Steinbrücke mit achtfenstrigem gemauertem Geländer.“[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Liste der Baudenkmale in Zernitz-Lohm stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zernitz-Lohm liegt an den Landesstraßen L 14 von Kyritz nach Großderschau und L 141 von Breddin nach Neustadt (Dosse). 5 km östlich der Gemeinde verläuft die B 5, 10 km südöstlich die B 102. Die nächste Autobahn-Anschlussstelle ist Neuruppin an der A 24 Berlin–Hamburg und liegt etwa 30 km östlich von Zernitz-Lohm.

Von 1846 bis 1995 war der Bahnhof Zernitz an der Bahnstrecke Berlin–Hamburg für den Personenverkehr in Betrieb.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernhard Rose (1865–1927), Schauspieler und Theaterdirektor, in Lohm geboren

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Ina-Lyn Reif: Die zwei Herrenhäuser in Lohm. In: Schlösser und Gärten der Mark, Heft Nr. 127, Berlin 2013.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zernitz-Lohm – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Zernitz-Lohm auf der Website des Amtes Neustadt (Dosse)
  • Lohm in der Reihe „Landschleicher“ des Ostdeutschen Rundfunks Brandenburg vom 25. August 2002

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung Brandenburg. Gemeinde Zernitz-Lohm
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  4. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Ostprignitz-Ruppin. S. 26–29
  5. Bevölkerung im Land Brandenburg von 1991 bis 2015 nach Kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden, Tabelle 7
  6. Ergebnis der Kommunalwahl vom 25. Mai 2014
  7. § 72 (5) des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  8. Brandenburgisches Kommunalwahlgesetz, § 73 (1)
  9. Ergebnis der Bürgermeisterwahl am 24. Juni 2014
  10. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg.