Nullkuponanleihe

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Eine Nullkuponanleihe (in Verkürzung der englischen Bezeichnung „Zero Coupon Bond“ im deutschen Sprachgebrauch auch Zero-Bond genannt) ist eine Sonderform des verzinslichen Wertpapiers. Dabei gibt es keinen Kupon (d. h. keine laufende Zinszahlung) und nur eine Auszahlung am Ende der Laufzeit der Anleihe. Der Gewinn für den Anleger besteht damit nur in der Differenz zwischen dem Erwerbskurs und dem Rückzahlungspreis bzw. Verkaufskurs.

Formen der Nullkuponanleihe[Bearbeiten]

Zwei Formen sind wichtig:

  • Die Nullkuponanleihe im klassischen Sinn. Hier wird am Ende der Laufzeit der Nennwert der Anleihe ausbezahlt. Der Ausgabekurs der Anleihe hat dann ein dementsprechend großes Disagio.
  • Der Zinssammler wird zum Nennwert ausgegeben und er sammelt dann die Zinsen (entweder feste Zinsen oder dem Marktzinssatz angepasste Zinsen) bis zum Laufzeitende an.

Die Nullkuponanleihe hat gegenüber klassischen, kupontragenden Anleihen eine wesentlich geringere Bedeutung. Sie wird jedoch oft dazu verwendet, den Garantieteil bei Garantiefonds oder Garantiezertifikaten darzustellen.

Bewertung[Bearbeiten]

Die Bewertung der Nullkuponanleihe erfolgt nach folgender Formel:

\mathrm{Barwert} = \frac{\mathrm{Nennwert}}{{(1+i)}^n} ~~~~\Longleftrightarrow~~~~ i = \sqrt[n\,]{ \frac{ \mathrm{Nennwert}}{ {\mathrm{Barwert} } }} -1

wobei

  • i = für die Laufzeit der Anleihe zutreffender Marktzinssatz
  • n = Laufzeit gemessen in Perioden

Kauft man eine Nullkuponanleihe z. B. für 50 € (Barwert) und erhält am Ende einer 10-jährigen Laufzeit dafür 100 € (Nennwert), so entspricht dies einer jährlichen Verzinsung von ca. 7 %:

i = \sqrt[10\,]{ \frac{ \mathrm{100}}{ {\mathrm{50} } }} -1 \approx 0.07 = 7%

Anlagerisiken[Bearbeiten]

Da bei einer Nullkuponanleihe während der Laufzeit keinerlei Rückzahlungen erfolgen und somit eine Wiederanlage der Erträge nicht möglich ist, weisen Nullkuponanleihen eine hohe Volatilität auf, d. h. der Kurs dieser Wertpapiere reagiert im Vergleich zu einer herkömmlichen (kupontragenden) Anleihe besonders stark auf Schwankungen des Marktzinssatzes. Anders ausgedrückt: Die Duration einer Nullkuponanleihe entspricht immer genau deren Restlaufzeit und ist damit höher als die Duration einer kupontragenden Anleihe. Damit hat die Nullkuponanleihe eine vergleichsweise hohe Zinssensitivität.

Diese hohe Zinssensitivität kann kritisch sein, wenn ein Anleger ein Papier mit hoher Restlaufzeit veräußern muss und seit dem Kauf die Marktzinsen gestiegen sind.

Steuerliche Behandlung[Bearbeiten]

Bei im Privatvermögen befindlichen Anlagen ist nach dem Steuerrecht der Bundesrepublik Deutschland eine Versteuerung der Erträge erst bei Fälligkeit oder vorherigem Verkauf der Wertpapiere vorzunehmen, so dass die implizite Wiederanlage der rechnerischen Bruttozinserträge erfolgt. Der Zeitpunkt der Versteuerung der Erträge kann bewusst in Phasen einer niedrigen Progression (z. B. Ruhestandsphase) verschoben werden. Im Betriebsvermögen besteht diese Möglichkeit nicht, soweit der Steuerpflichtige bilanziert.

Andere Rechtsordnungen, wie die USA, haben dieses Steuerschlupfloch abgeschafft und besteuern bei Nullkuponanlagen jährlich einen fiktiven Zins.

Bilanzielle Behandlung nach deutschem Handelsrecht[Bearbeiten]

Nullkuponanleihen werden gemäß dem deutschen Handelsrecht zu fortgeführten Anschaffungskosten bilanziert. Die zum Bilanzstichtag aufgelaufenen Zinsen erhöhen als Zugang den Wertansatz.[1] Nullkuponanleihen sind Finanzinnovationen und werden daher nach der Emissions- bzw. Marktrendite besteuert.

Literatur[Bearbeiten]

  • Carsten Bentlage: Betriebswirtschaftliche und steuerrechtliche Analyse von Zero-Bonds, Wiesbaden, 1996, ISBN 3-8244-6301-6.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Petersen/Sandleben/Wohlgemuth, Beck'sches Steuerberater-Handbuch 2013/14, 14. Auflage 2013, Rn. 456ff.