Zero-Rating

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Zero-Rating ist eine Praxis der Mobilfunkbetreiber (MNO) und Telekommunikationsnetzbetreiber (ISP), ihren Endkunden das Datenvolumen für spezifische Dienste über ihr Netz kostenfrei anzubieten.[1][2][3][4][5][6] Dies ermöglicht Kunden die Nutzung von vorselektierten Inhalten oder Datendiensten, wie zum Beispiel eines App Stores,[7] ohne auf variable Kosten oder monatliche Volumengrenzen achten zu müssen. Diese Praxis wird besonders für 4G-Netze eingesetzt, wurde aber auch in der Vergangenheit schon für SMS oder andere Internetdienste angeboten.

Im Zusammenhang mit Diensten, die über Zero-Rating angeboten werden, wenden Provider häufig auch relativ niedrige Volumengrenzen für den offenen Internet-Datenverkehr an oder bieten diesen überteuert an.[8] Spezielle Dienste über Zero-Rating anzubieten, die besonders bei einer attraktiven Zielgruppe beliebt sind, ermöglicht dem Mobilfunkanbieter, seine Marktposition in diesem Segment zu verteidigen oder zu verbessern.[9] Diese Preisdifferenzierung stellt auch einen Vorteil für den Dienstanbieter dar.

Eigene Dienste aufzubauen und diese über Zero-Rating mit ihren Verträgen zu koppeln, war ebenfalls eine übliche Praxis einiger Netzbetreiber. In diesem Fall ist der Provider in der Lage, diese Dienste zusammen mit seiner Netztechnologie zu optimieren. Zusammen mit der existierenden Endkundenbeziehung kann dies ein erheblicher Vorteil im Wettbewerb mit ähnlichen Dienstanbietern sein. Besonders bei hochvolumigen Diensten entstehen hierdurch Markteintrittsbarrieren.[10]

Bekannte Angebote[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internet-Dienste wie Facebook, Wikipedia und Google haben spezielle Angebote entwickelt, um über Zero-Rating Marktanteile besonders in Schwellenländern zu gewinnen. Der Kundenvorteil in diesen Märkten, die besonders auf Mobilfunknetze als Internetzugang angewiesen sind, bestünde in einer Subvention durch diese Anbieter. Das vorläufige Ergebnis bei der Einführung in einigen Märkten fiel gemischt aus und zeigte überschätzte Erwartungen und fehlende Nutzen für Mobilfunkanbieter.[11] In Chile stellte die Regulierungsbehörde hierbei den Verstoß gegen die Netzneutralitätsgesetze fest und ließ diese zum 1. Juni 2014 beenden.[12][13] Aktuell sind auch die Deutsche Telekom mit ihrem Angebot StreamOn und Vodafone mit dem Angebot GigaPass in der Kritik. Der Bundesverband der Verbraucherschützer hat eine Beschwerde bei der Regulierungsbehörde eingereicht, da nach Meinung des Bundesverband der Verbraucherschützer die Angebote gegen die Netzneutralität verstoßen.[14]

Mobilfunkanbieter können Klassifizierungsverfahren wie Deep Packet inspection nutzen, um Datenvolumen für Unternehmenskunden aus der Nutzung der privaten Smartphones ihrer Mitarbeiter herauszurechnen und stattdessen dem Unternehmen in Rechnung zu stellen.[1] Dies erlaubt Mitarbeitern, ihre eigenen Geräte ohne zusätzliche Kosten für die dienstliche Datennutzung einzusetzen (Bring your own device).

Rezeption und Auswirkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl das Zero-Rating von bestimmten Diensten oder sogenannte fast lanes für Kunden der subventionierten Verträge einen Vorteil bieten, stehen sie besonders wegen Wettbewerbsverzerrung und Behinderung offener Märkte in der Kritik.[10] Da viele neue Internetdienste sich auf die mobile Nutzung fokussieren und die weitere Verbreitung von Internetzugängen weltweit sowie der Breitbandausbau sich vornehmlich auf die mobile Anbindung konzentriert, wird Zero-Rating häufig als Bedrohung für das offene Internet, das heute über Festnetzanbindung üblicherweise ohne Volumengrenzen als Flatrate angeboten wird, gesehen.[15] Besonders die Wikimedia Foundation und Facebook wurden für ihre Zero-Rating-Angebote dafür kritisiert, die bestehenden Mobilfunkanbieter weiter zu stärken und Verbraucherrechte bezüglich des offenen Internets einzuschränken.[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b AT&T launches “Sponsored Data,” inviting content providers to pay consumers’ mobile data bills. In: gigaom.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  2. Zero Rating and the Open Internet, Mitchell’s Blog. In: blog.lizardwrangler.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  3. Zero rating poses a conundrum for net neutrality advocates around the world – TechRepublic. In: techrepublic.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  4. Less than Zero – Backchannel – Medium. In: medium.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  5. Why ‘zero rating’ is the new battleground in net neutrality debate – Business – CBC News. In: cbc.ca. Abgerufen am 23. August 2015.
  6. Facebook’s plan to find its next billion users: convince them the internet and Facebook are the same – Quartz. In: qz.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  7. Google joins Facebook in trying to prevent IAMAI from taking strong anti-Zero Rating stand – MediaNama. In: medianama.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  8. Digital Fuel Monitor, by Rewheel. In: dfmonitor.eu. Abgerufen am 23. August 2015.
  9. In Perspective: Flexinets. In: cedmagazine.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  10. a b Forget fast lanes. The real threat for net-neutrality is zero-rated content, Gigaom. In: gigaom.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  11. For zero-rated deals, OTT providers can no longer assume the carrier will pay – FierceWireless:Europe. In: fiercewireless.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  12. When net neutrality backfires: Chile just killed free access to Wikipedia and Facebook – Quartz. In: qz.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  13. Face Off in Chile: Net Neutrality v. Human Right to Facebook & Wikipedia, TechPresident. In: techpresident.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  14. Verbraucherzentrale vs. Vodafone – Wird der GigaPass verboten? (bluebit.de [abgerufen am 31. Januar 2018]).
  15. The government ruled for net neutrality. Too bad it wasn’t your government, Dan Gillmor, Comment is free, The Guardian. In: theguardian.com. Abgerufen am 23. August 2015.
  16. Blog, Access. In: accessnow.org. Abgerufen am 23. August 2015.