Zimmertheater Tübingen

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Zimmertheater in der Tübinger Bursagasse

Das Tübinger Zimmertheater liegt an der Neckarfront nur wenige Meter vom Hölderlinturm entfernt in der Tübinger Bursagasse.

1958 fand hier die freie Theatergruppe Thespiskarren eine feste Bühne. Nachdem das Theater zunächst als eingetragener Verein existierte, wurde es in den 1970er Jahren in eine GmbH umgewandelt. Hauptgesellschafter ist die Stadt Tübingen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gründer des Zimmertheater Tübingen - Heinz E. Johst - Werner Johst - Tom Witkowski.jpg

Das Zimmertheater wurde von Heinz E. Johst, Werner Johst und Tom Witkowski aus dem Labor[2] der Trappschen Apotheke gegründet.[3]

Mit der Eröffnungspremiere von John Osbornes Blick zurück im Zorn wurde das Theater am 6. Dezember 1958 zum ersten Mal bespielt.[4]

"Blick zurück im Zorn" Szene mit Anneliese Doll - Tom Witkowski - Werner Johst - 6.12.1958.jpg

Weitere Spielstätten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In den Jahren um 1972 wurde auch der Keller an der Bursagasse zu einem zweiten Bühnenraum ausgebaut, so dass seitdem wahlweise im „Zimmer“ am Neckar mit 60 Zuschauerplätzen oder im „Gewölbe“ mit 80 Plätzen gespielt werden kann.
  • Auch das Foyer wird für Lesungen und kleine Konzerte genutzt.
  • Außerdem bespielt das Zimmertheater auch das ehemalige Kino LÖWEN in der Kornhausstraße und erstellt zusammen mit dem Kulturamt der Stadt Tübingen und der Kabarettistin und Schauspielerin Petra Afonin einen Spielplan. Gezeigt werden hier v.a. Kabarett und musikalische Abende.

Überregionale Aufmerksamkeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • erregte der Tänzer und Intendant Salvatore Poddine ab dem Jahr 1967, als auch der Designer Frieder Grindler die Theaterplakate entwarf.
  • Übergangsweise leitete nach ihm George Tabori das Zimmertheater, der hier am 2. Mai 1972 gerade die Uraufführung seiner „Clowns“ inszenierte.[5]
  • Nach Tabori leiteten nacheinander Helfrid Foron (bis 1979), Siegfried Bühr, Hartmut Wickert, Thomas Bockelmann (1988–1993) und Crescentia Dünßer, diese gemeinsam mit Otto Kukla, das kleine Theater, das bis 1998 ein eigenes Ensemble hatte. Ihnen folgten 1996 als Intendant und jeweils auch als Geschäftsführer der GmbH Klaus Metzger und 2002 Vera Sturm.
  • Im Jahre 2007 starteten die derzeitigen Leiter Axel Krauße und Christian Schäfer unter dem Spielzeitmotto „an die Arbeit“ wieder mit einem festen (Mini-)Ensemble.[6]
  • 2009 verursachte der schlechte Kartenverkauf der Sommertheaterproduktion des Zimmertheaters eine dringende finanzielle Unterstützung durch die Stadt Tübingen, um eine Insolvenz abzuwenden.[1][7]
  • Unter den Spielzeitmotti „ganz klassisch …“ und „let us entertain you“ war das Jahr 2010 hingegen finanziell, künstlerisch und von der Publikumsresonanz her betrachtet eines der erfolgreichsten in der Geschichte des Theaters.[8] Die Spielzeit 2011/2012 stand unter dem Motto „Familien‚bande‘“. Neben Klassikern wird auch die Uraufführung von Christian Lugerths Groteske Dädalus kam nur bis Panama und eine Adaption von Shakespeares Richard II durch das Künstlerkollektiv Lumpenbrüder gezeigt. Außerdem gibt es Kooperationen mit dem Brandenburger Theater und dem Theater unterm Dach, Berlin.

Gastengagements und Gastspiele an anderen Spielorten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zimmertheater rühmt sich in einer langen Liste des Gast-Engagements von bekannten Theatermenschen, und diese verweisen in ihrer Vita gerne auf ihre Tätigkeit in der Nachbarschaft des Hölderlinturms.

Das Zimmertheater wurde auch in andere Städte eingeladen, so gastierte es in der Spielzeit 1977/78 mit Dario Fos Farce Der Dieb, der nicht zu Schaden kam in verschiedenen Städten Europas.

2009 war das Zimmertheater mit Werner Fritschs Bring mir den Kopf von Kurt Cobain erstmals bei den Ruhrfestspielen vertreten und auch 2010 mit der deutschsprachigen Erstaufführung "Zastrozzi" des kanadischen Dramatikers George F. Walker und mit der Uraufführung Die Lieb-Haberin vom Zimmertheater-Hausautor Joachim Zelter.[9] Bei den Festspielen 2012 wurde die deutschsprachige Erstaufführung von Anna Jablonskajas Monodialogen Es gibt kein Ende gezeigt.

In der städtischen Theaterkultur teilt sich das Zimmertheater seit 1986 im Wechsel mit dem Landestheater Tübingen und dem Theater Lindenhof die Verantwortung für eine „Freilichttheater“ - Inszenierung zum Tübinger Sommertheater, in dem Tübinger Orte bespielt werden.[10]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 3. März 2012 wurde das Zimmertheater Tübingen mit dem Kulturpreis der Bürgerstiftung Tübingen ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist.[11]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Mai 2013 leitet Axel Krauße das Zimmertheater Tübingen als Intendant, nachdem Christian Schäfer als Künstlerischer Leiter ans Theater Gütersloh berufen worden ist. Die erste Spielzeit unter der alleinigen Intendanz von Axel Krauße stand unter dem Motto „Was kostet die Welt?“. Gezeigt wurde unter anderem die von Publikum und Presse ungemein positiv aufgenommenen Uraufführungen Morgen spricht von mir die ganze Welt – ein dokumentarischer Abend über den Amoklauf von Mühlhausen 1913 – und Das Haus der libanesischen Autorin Arzé Khodr. Zum 100. Geburtstag von George Tabori zeigte das Zimmertheater Tübingen sein Stück Mein Kampf.

Für die Spielzeit 2014/2015 unter dem Motto „Leben lassen“ sind unter anderem die Uraufführung Nicky und Willy, ein Abend zum Ersten Weltkrieg, die deutschsprachige Erstaufführung von Das archimedische Prinzip des Katalanen Josep Maria Miró i Coromina und die Uraufführung Stellplatz 51 – Das Camping-Musical des Autorentrios Axel Krauße, Bernd Kohlhepp und Susanne Hinkelbein geplant.

In den vergangenen Spielzeiten konnte das Zimmertheater Tübingen seine Zuschauerzahlen auf konstant hohen Niveau halten, die Rücklagen im Eigenkapital stärken und vermehrt regionale Kooperationen ins Leben rufen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernd Mahl, Kulturamt der Universitätsstadt Tübingen (Hrsg.): Gute alte Zukunft. 50 Jahre Zimmertheater Tübingen. Eine Chronik. 1958–2008. Tübingen 2008, ISBN 978-3-910090-91-0
  • Wolfgang Müller: Zimmertheater Tübingen. In: Tübinger Blätter. 50. Jg. 1963, S. 90–94 (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Zimmertheater Tübingen auf TUEpedia von den Autoren Planktonissimus, Abilus und Ggroebe.
  2. wn.: Aus dem Labor wurde ein Theater. Die Schauspieler krempelten die Ärmel hoch. Hrsg.: Schwäbisches Tageblatt. Tübingen 11. Dezember 1958.
  3. Kulturelles Leben im Südwesten (gb). Tübingen: Der "Tespiskarren" unter einem neuen Dach. Hrsg.: Stuttgarter Zeitung. Stuttgart 8. Dezember 1958.
  4. tg.: "Der Thespiskarren" mit Osbornes "Blick zurück im Zorn". Hrsg.: Schwäbisches Tageblatt. Tübingen 9. Dezember 1958.
  5. http://www.tabori.de/buehne.htm und http://www.doollee.com/PlaywrightsT/tabori-george.html Eintrag zu Clowns
  6. Archiv des Zimmertheaters
  7. Pleite und Rettung Artikel über die abgewendete Insolvenz des Theaters, Schwäbisches Tagblatt, 23. September 2009.
  8. [1] Schwäbisches Tagblatt, 4. August 2010
  9. http://www.tagblatt.de/Home/nachrichten/kultur/regionale-kultur_artikel,-Das-Tuebinger-Zimmertheater-gastiert-auf-den-Ruhrfestspielen-in-Recklinghausen-_arid,90041.html
  10. Sommertheater, Artikel im Tübinger Stadtwiki TUEpedia
  11. Zimmertheater bei Tagblatt

Koordinaten: 48° 31′ 10″ N, 9° 3′ 20″ O