Zionskirche (Dresden)

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Ruine der Alten Zionskirche

Die Zionskirche, auch Alte Zionskirche, ist eine von der Stadt Dresden als Lapidarium genutzte Kirchruine im Stadtteil Südvorstadt. Die evangelisch-lutherische Zionskirchgemeinde erhielt im Tausch gegen das im Zweiten Weltkrieg ausgebrannte Kirchengebäude ein anderes Grundstück, auf dem 1981/1982 die Neue Zionskirche errichtet wurde.

Des Weiteren existiert unter dem Namen „Zionskirche“ die evangelisch-methodistische Zionskirche in Dresden-Striesen.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Modell der Zionskirche vor ihrer Errichtung
Die Zionskirche nach ihrer Fertigstellung 1912
Detail der Fassade: „Lobe Zion Deinen Gott“ (Psalm 147,12)

Der römisch-katholische Maschinenbaufabrikant Johann Hampel, dessen Fabrik sich in der Zwickauer Straße befand, verfügte im Jahr 1896 testamentarisch, dass sein Vermögen von etwa 750.000 Mark an die Stadt Dresden übergehen solle, unter der Bedingung, dass dafür innerhalb einer Frist von fünf Jahren eine evangelische Kirche im Dresdner Südviertel gebaut und er mit seiner Frau in der Kirche beigesetzt werden solle.

Die zweite Bedingung verstieß gegen das Gesetz, so dass eine Lösung gefunden werden musste, um das Vorhaben doch umsetzen zu können. Am 5. November 1901 wurde, um die Frist einhalten zu können, an der Nürnberger Straße zunächst ein Grundstein für die Kirche gelegt, die im Volksmund „Hampelkirche“ hieß. Ein provisorischer Holzbau folgte wenig später.

Schließlich vergab die Stadt den Auftrag an den Gewinner eines ausgeschriebenen Architekturwettbewerbs, an das Büro Schilling & Graebner. Diese setzten eine etwa 1100 Sitzplätze fassende im Jugendstil gestaltete Kirche in Form eines Zentralbaus um, eine für die damalige Zeit ungewöhnliche und vielbeachtete Lösung.[1] Die Kanzel fand in der Mittelachse der Kirche ihren Platz, die Ränge waren fächerförmig ansteigend, ähnlich wie in einem Amphitheater, angeordnet. Der Bildhauer Selmar Werner entwarf für die Kirche Bronzefiguren der vier Evangelisten. Der Turm war 26 Meter hoch.

Am 27. Juli 1908 wurde mit dem Bau der Kirche begonnen. Sie konnte am 29. September 1912 geweiht werden. Die Weihe führte der Superintendent Kötzsch durch und zitierte die Überschrift des Altarplatzes, „Aus Zion bricht an der schöne Glanz Gottes“.[2]

Die Orgel der Kirche war die erste Orgel Sachsens mit rein elektrischer Traktur und Registeranlage, erbaut durch den bekannten Dresdner Orgelbaumeister Jehmlich.[3]

Die Gemeinde, die sich zwischenzeitlich gebildet hatte, umfasste 5619 Mitglieder, davon ein Großteil aus der ebenfalls in der Südvorstadt gelegenen Lukaskirche, 800 kamen aus der Gemeinde der Auferstehungskirche, etwa 80 aus der Annenkirchgemeinde. Der erste Pfarrer der Kirche war Theodor Droese, ihm folgten Herbert Böhme und Ringulf Siegmund, die beide Gegner des Nationalsozialismus waren.

Bei den Luftangriffen auf Dresden am 13./14. Februar 1945 wurde die Kirche schwer getroffen und brannte bis auf die Umfassungsmauern aus. Sie wurde später mit einem provisorischen Dach gesichert. Die Stahlglocken der Zionskirche überstanden die Angriffe und wurden an die Auferstehungskirche abgegeben, die wiederum im Zuge der Metallsammlungen im Zweiten Weltkrieg ihre Glocken hatte abgeben müssen und kein eigenes Geläut mehr besaß. Die Gemeinde wurde 1945 zunächst aufgelöst und der Auferstehungskirchgemeinde angegliedert. Erst 1956 wurde sie erneut gebildet und zunächst in einer Baracke neben der Ruine untergebracht. Diese Baracke war eine schwedische Spende und 1949 von Mitgliedern der Evangelischen Studentengemeinde errichtet worden.

Im Tausch gegen das Areal für das Grundstück zum Bau der Neuen Zionskirche erhielt die Stadt Dresden Ende der 1970er Jahre die Zionskirchruine. Mit Beginn des Wiederaufbaus des Dresdner Schlosses ab 1985 wurde auf Vorschlag des Instituts für Denkmalpflege die Kirchruine als Zentrallager für ca. 7100 Fragmente bestimmt und zum Lapidarium ausgebaut. Ab 1995 konnten die bestehenden Außenlager aufgelöst werden. 1996 erhielt das Gebäude ein Wetterschutzdach.[4]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Luise Helas: Die Zionskirche zu Dresden. Ein Sakralbau der Reformbaukunst, in: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 2/2014, ISSN 1866-959X, S. 239–256.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Alte Zionskirche (Dresden) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. dazu: Luise Helas: Die Zionskirche zu Dresden – Ein Sakralbau der Reformbaukunst. In: INSITU. Zeitschrift für Architekturgeschichte 6 (2/2014), S. 239–256.
  2. Chronik der Zionskirche. Evangelisch-Lutherische Zionskirchgemeinde Dresden, abgerufen am 7. Januar 2021.
  3. Wolfgang Made: Die Zionskirche. In: Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz (Hrsg.): Verlorene Kirchen: Dresdens zerstörte Gotteshäuser. Eine Dokumentation seit 1938. 3., veränd. Auflage. Dresden Dezember 2018, S. 70–73 (Onlineausgabe. PDF; 6,2 MB).
  4. Zionskirche. In: Dresdner-Stadtteile.de. Abgerufen am 2. Dezember 2015.

Koordinaten: 51° 2′ N, 13° 43′ O