Ziprasidon

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Strukturformel
Ziprasidon.svg
Allgemeines
Freiname Ziprasidon
Andere Namen
  • 5-{2-[4-(1,2-Benzisothiazol-3-yl)-piperazin-1-yl]ethyl}-6-chlorindolin-2-on (IUPAC)
  • Ziprasidonum (Latein)
Summenformel C21H21ClN4OS
CAS-Nummer
  • 146939-27-7 (Ziprasidon)
  • 122883-93-6 (Ziprasidon·Hydrochlorid)
  • 185021-64-1 (Ziprasidon·Mesilat)
  • 138982-67-9 (Ziprasidon·Hydrochlorid·1·Wasser)
PubChem 60854
ATC-Code

N05AE04

DrugBank DB00246
Arzneistoffangaben
Wirkstoffklasse

Atypische Neuroleptika

Eigenschaften
Molare Masse 412,94 g·mol−1
Schmelzpunkt

>300 °C [1]

Sicherheitshinweise
Bitte die eingeschränkte Gültigkeit der Gefahrstoffkennzeichnung bei Arzneimitteln beachten
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung [2]

Hydrochlorid

07 – Achtung 08 – Gesundheitsgefährdend

Achtung

H- und P-Sätze H: 317​‐​373
P: 280​‐​333+313 [2]
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.
Vorlage:Infobox Chemikalie/Summenformelsuche vorhanden

Der Arzneistoff Ziprasidon wird in der Psychiatrie als Antipsychotikum bei Schizophrenie sowie bei bipolaren Störungen zur Behandlung von manischen und gemischten Episoden eingesetzt. Die Substanz zählt zu den atypischen Neuroleptika, also zu den Antipsychotika, die bei befriedigender erwünschter Wirkung weniger extrapyramidal-motorische Nebenwirkungen als die älteren Phenothiazine oder Butyrophenone aufweisen.

Es besteht eine entfernte Strukturverwandtschaft zum Risperidon.

Pharmakologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pharmakodynamik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziprasidon bindet in vitro mit hoher Affinität an Dopamin-D2 und D3-, Serotonin-5HT2A, 5HT2C-, 5HT1A- und 5HT1D-Rezeptoren sowie an α1-Adrenozeptoren. Es besteht mäßige Affinität zum Histamin-H1-Rezeptor. Ziprasidon wirkt dabei an D2, 5HT2A und 5HT1D als Antagonist und an 5HT1A als Agonist.

Ziprasidon hemmt die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin aus dem synaptischen Spalt.[3]

Pharmakokinetik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziprasidon wirkt in unveränderter Form, seine Metabolite sind weitgehend inaktiv. Die Substanz wird hauptsächlich in der Leber verstoffwechselt; die mittlere Plasmahalbwertszeit beträgt 7 Stunden.

Die Bioverfügbarkeit nach oraler Einnahme beträgt etwa 60 %, wenn sie gleichzeitig mit Nahrungsaufnahme gekoppelt ist. Bei Nüchterneinnahme liegt sie nur bei etwa der Hälfte.

Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der antipsychotische Effekt von Ziprasidon erlaubt seine Einordnung als mittelpotentes Neuroleptikum. Eine besondere Wirkung auf Negativsymptome wurde für Ziprasidon wie für die übrigen atypischen Neuroleptika zwar behauptet, doch bislang nicht zuverlässig nachgewiesen.

Unerwünschte Wirkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine geringere mögliche Gewichtszunahme unter der Therapie bei Ziprasidon als bei anderen Atypika wie z. B. Olanzapin, Clozapin oder Risperidon wurde zwar behauptet, doch bislang nicht zuverlässig nachgewiesen.

Ziprasidon bewirkt dosisabhängig eine leichte bis mäßige Verlängerung des QT-Intervalls im EKG. Bei Patienten mit niedriger Herzfrequenz, Unregelmäßigkeiten in der Herzfrequenz und bestimmten Herzerkrankungen ist eine EKG-Kontrolle angezeigt, bei starker QT-Verlängerung kann ein Behandlungsabbruch in Frage kommen.

Als häufige Nebenwirkungen werden Schläfrigkeit, Übelkeit, Verstopfung und Verdauungsbeschwerden angegeben. Störungen der Sexualfunktion (→ Erektile Dysfunktion, gesteigerte Erektionen) treten selten auf.

Auch Spätdyskinesien sind möglich.

Indikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziprasidon ist zur Behandlung der Schizophrenie sowie manischen und gemischten Episoden bei der bipolaren Störung (perorale Galenika, Kapseln, Saft), sowie zur schnellen Beherrschung von akuten psychotischen Erregungszuständen bei der Schizophrenie (parenterale Galenik, intramuskuläre Spritzen) zugelassen.[4] Möglicherweise ist es auch zur Behandlung der posttraumatischen Belastungsstörung geeignet.[5]

Kontraindikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziprasidon darf bei bekannter QT-Verlängerung im EKG nicht verwendet werden. Vor und während einer Anwendung sind regelmäßig EKG-Ableitungen vorzunehmen, bei Zunahme des QT-Intervalls auf über 500 ms muss das Medikament abgesetzt werden.

Ebenso verbietet sich die gleichzeitige Verabreichung von Arzneistoffen, die das QT-Intervall verlängern können, wie zum Beispiel Antiarrhythmika der Klasse IA und III, Thioridazin, Gatifloxacin, Moxifloxacin, Mefloquin und Halofantrin.

Als Kontraindikationen gelten auch der akute Herzinfarkt, die Herzinsuffizienz und Herzrhythmusstörungen.

Eine Anwendung bei älteren Patienten im Rahmen einer Demenz-Behandlung ist unzulässig, da Ziprasidon hier ebenfalls zu einer erhöhten Sterblichkeit führt.

Herstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere vielstufige Synthesen für Ziprasidon sind in der Literatur beschrieben.[6]

Handelspräparate[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ziprasidon ist in Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern unter dem Namen Zeldox im Handel. In USA wird das Medikament von Pfizer unter dem Namen Geodon vertrieben. Es existieren Zubereitungen zur oralen und zur parenteralen Anwendung. Anfang 2013 lief in Deutschland das Patent für Ziprasidon aus. Seither sind mehrere preisgünstigere Generika verfügbar, z. B. Ziprasidon-Actavis oder Ziprasidon beta.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Möller, Müller, Bandelow: Neuroleptika, Pharmakologische Grundlagen, klinisches Wissen und therapeutisches Vorgehen. Wiss. Verlagsgesellschaft, Stuttgart 2001, ISBN 978-3-8047-1773-2

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag zu Ziprasidon in der DrugBank der University of Alberta
  2. a b Datenblatt Ziprasidone hydrochloride monohydrate, ≥98% (HPLC), solid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 31. Oktober 2016 (PDF).
  3. Artikel über Ziprasidon aus der Pharmazeutischen Zeitung von 2002.
  4. RoteListe Online®, Stand: Dezember 2008.
  5. William Annitto, MD, MPH: ZIPRASIDONE TREATMENT FOR POSTTRAUMATIC STRESS DISORDER: 128 CASES. Psychiatry 2005 - Volume 2 - Issue 9 - September 2005, S. 19.
  6. Axel Kleemann, Jürgen Engel, Bernd Kutscher und Dietmar Reichert: Pharmaceutical Substances, 4. Auflage (2000), 2 Bände erschienen im Thieme-Verlag Stuttgart, ISBN 978-1-58890-031-9; seit 2003 online mit halbjährlichen Ergänzungen und Aktualisierungen.
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