Zirkelbezug

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Ein Zirkelbezug liegt vor, wenn in einer Reihe von Verweisen, Referenzierungen oder Bezugnahmen ein weiter hinten liegendes Objekt wieder auf ein vorheriges verweist, so dass eine geschlossene Schleife entsteht.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zirkelbezüge sind nicht immer problematisch, in vielen Fällen führen sie jedoch zu Widersprüchen oder zu unlösbaren Problemen (siehe beispielsweise Antinomie oder Halteproblem).

Es ist zum Beispiel unproblematisch, zwischen zwei Nachbarn X und Y einen gegenseitigen Bezug im Sinne von „X ist rechter Nachbar von Y“ und „Y ist linker Nachbar von X“ herzustellen, sofern entweder X oder Y auch unabhängig von dieser Referenzierung gegeben werden kann.

Problematisch sind Fälle, in denen der Verweis als letztes Ziel ausschließlich einen Verweis hat, der auf ihn selbst zurückzeigt. Problematisch ist auch die wechselseitige Zuweisung von Werten zu den Objekten. Die Selbstreferenz kann in mancher Hinsicht als Sonderfall der zirkulären Referenz angesehen werden.

Formale Logik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Fall der wechselseitigen Festlegung des Wertes eines Objekts durch das jeweils andere ist etwa im Karten-Paradoxon gegeben, oder in der Varianten der Russellsche Antinomie (Nested Sets). Zirkelbezüge können hier durch strenge Hierarchien vermieden werden, die Rückverweise verbieten oder sogar unterbinden. Ein Zirkelbezug ist aber nicht dasselbe wie ein Zirkelschluss, da hier die Zuweisung von Wahrheitswerten zu Objekten nicht über die Bezugnahme, sondern durch Schlussregeln erfolgt.

Informatik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Technisch relevant sind Zirkelbezüge auch in der Informatik, so auch beim Diamond-Problem, oder wenn sich in einer relationalen Datenbank die Datenbankobjekte gegenseitig aufeinander beziehen, so dass der Zustand der abhängigen Daten von der Reihenfolge ihrer Erfassung abhängig wird, mithin sind die Daten anschließend nicht eindeutig definiert. Beziehen sich zwei Programmierschnittstellen gegenseitig aufeinander, kann der Compiler nicht ohne Zusatzaufwand zuverlässig prüfen, ob logische Widersprüche vorhanden sind. So führen Zirkelbezüge häufig zu einem Mehraufwand bei der Verwaltung der Daten und Programmteile oder sogar zu Programmierfehlern.[1]

Organisationstheorie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Organtisationstheoretische Beispiele betreffen etwa die Verweisung von Entscheidungskompetenzen zwischen Gremien. Es wäre zum Beispiel unsinnig, dass zwei Körperschaften sich wechselseitig den Status gesetzgebender Organe in ein und demselben Rechtsgebiet zusprechen, wenn nicht mindestens eine der beiden diesen Status bereits vorher besitzt.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wenn eine Meldung nicht per Recherche aus der ursprünglichen Quelle überprüft wird, sondern übernommen wird, so kann sie unter Verweis auf vorangegangene Instanzen der Berichterstattung immer wieder zur Meldung werden, selbst wenn es sich um eine Ente handelt. Dieses Muster kann einem Hoax zugrundeliegen.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Scott Owens: Compile-time Information in Software Components, insbesondere Kapitel 2.3.1 Diamond Imports und Kapitel 4.1.3 Compilation Management, dissertation, University of Utah (May 2007), abgerufen am 17. März 2016