Zonenzeit

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Weltkarte mit ideellen Zeitzonen zwischen je zwei schwarz gezeichneten Längengraden (in der verwendeten Kartenprojektion werden aus Kugelzweiecken gleich breite Streifen); die hell gezeichneten vertikalen Linien sind die Bezugslängengrade der Zonenzeiten (ausgedrückt in Relation zur Weltzeit UTC) in der jeweiligen Zonenmitte

Gemäß der Definition der Stunde dreht sich die Erde, bezogen auf die Sonne, im Mittel um 15° pro Stunde. Unterteilt man die Erde in 24 sich zwischen den Polen erstreckende „ideale“ Zeitzonen in der Form von Kugelzweiecken mit den mittleren geographischen Längengraden 0°, 15°, 30°, … östlich bzw. westlich von Greenwich, dann ist für jede dieser 15 Längengrade breiten 24 Zonen eine Zonenzeit (englisch zone time, standard time) als die mittlere Sonnenzeit am Mittelmeridian der Zone definiert. Die 24 Zonenzeiten entsprechen einer täglichen Erdumdrehung in 24 Stunden (Drehwinkel 15°=360°/24 pro Stunde). Sie unterscheiden sich von der Weltzeit UTC um eine ganze Anzahl (−12 bis +12)[1] von Stunden.

Politisch definierte Zeitzonen vs. ideale Zonenzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die politisch definierten Zeitzonen weichen zum Teil stark von den ideellen Zeitzonen (in dieser Kartenprojektion gerade gleich breite Streifen, siehe obige Abbildung) ab.

Die idealen Zonenzeiten dienen als Bezugsgröße für die politisch festgelegte gesetzliche Zeit vieler Staaten. Die dadurch entstandenen Zeitzonen haben jedoch nicht Längengrade, sondern ausgefranste Staatsgrenzen und innerstaatliche Grenzen als westliche und östliche Ränder. Sie können stark von dem „idealen“ Kugelzweieck abweichen und auch unterbrochen sein. So ist z.B. die Zeitzone der Mitteleuropäischen Zeit (MEZ) durch deren Wahl als gesetzliche Zeit in Spanien und Frankreich nach Westen ausgebeult. Einige Zeitzonen sind unterbrochen, z.B. in Asien, da in ganz China anstatt fünf Zonenzeiten nur die Peking betreffende Zonenzeit gesetzliche Zeit ist.

Einige wenige Länder haben nicht eine der 24, sich von der UTC±0 um eine ganze Anzahl von Stunden, sondern um eine zusätzliche halbe oder viertel Stunde unterscheidende gesetzliche Zeit. Beispiele hierfür sind Iran, Indien und Nepal.

Viele Staaten haben außerdem mit der Sommerzeit eine zeitweilig abweichende gesetzliche Zeit.

Umrechnung zwischen Zonenzeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zeitverschiebung zwischen zwei Zonenzeiten ist zum Beispiel die Differenz der in ihren Bezeichnungen zur UTC (Koordinierte Weltzeit) angegebenen Verschiebungen.

Bsp.: Zwischen UTC+9 (Japan) und UTC+2 (Finnland) ist die Zeitverschiebung +7 Stunden: (+9) − (+2) = (+7).

Bei sehr flächengroßen Ländern wie den USA, Kanada oder Russland bestehen auch innerhalb des Landes Zeitverschiebungen.

Bsp.: −9 Stunden zwischen Moskau (UTC+3) und Kamtschatka (UTC+12).

Bemerkung: In manchen Gebieten der Erde gibt es Zonenzeiten, die sich nicht in vollen Stunden von der UTC unterscheiden.

Bsp.: UTC+9:30 im mittleren Australien.

Umrechnung zwischen Zonenzeit MEZ und Sonnenzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zonenzeit ist die mittlere Sonnenzeit (oder mittlere Ortszeit MOZ) desjenigen Längengrads, auf den sie bezogen ist. Bei der Mitteleuropäischen Zonenzeit (MEZ) ist das die mittlere Sonnenzeit auf dem 15. (östlichen) Längengrad, zum Beispiel in Görlitz. Die wahre Sonnenzeit (oder wahre Ortszeit WOZ) ist keine gleichmäßig ablaufende Zeit und damit in modernen Kulturen nicht benutzbar. Man weicht auf die aus der wahren Sonnenzeit gemittelte gleichmäßige mittlere Sonnenzeit aus.

Gegen die mittlere Sonne „geht die wahre Sonne regelmäßig vor oder nach“, was mit der sogenannten Zeitgleichung in Abhängigkeit vom Jahresdatum angegeben wird: maximales Vorgehen etwa 16 Minuten Anfang November, maximales Nachgehen etwa 14 Minuten Mitte Februar.

Zeitverschiebung zwischen MEZ und mittlerer Sonnenzeit auf Längengrad λ:   = (15° − λ) · 4 min/°,
λ=10° (Hamburg): (15° − λ) · 4 min/° = +20 min (die MEZ ist der mittleren Sonnenzeit 20 Minuten voraus),
Zeitverschiebung zwischen wahrer Sonnenzeit und mittlerer Sonnenzeit:   = Zeitgleichung,
λ=10° (Hamburg), 15. November: Zeitgleichung = +15 min (die wahre ist der mittleren Sonnenzeit 15 Minuten voraus)
Zeitverschiebung zwischen MEZ und wahrer Sonnenzeit:   = (15° − λ) · 4 min/° − Zeitgleichung,
λ=10° (Hamburg), 15. November: (15° − λ) · 4 min/° − Zeitgleichung = +5 min (die MEZ ist der wahren Sonnenzeit 5 Minuten voraus).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hermann Mucke: Astronomische Grundlagen der Sonnenuhren. In: Hermann Mucke (Hrsg.): Sonnenuhren. 19. Sternfreunde-Seminar, 1991. Planetarium der Stadt Wien und Österreichischer Astronomischer Verein, Wien 1991, 1.3.4. Uhrzeit und Beobachtungsort; Zonenzeiten, S. 8 (29–48).
  • Robert Weber (Institut für Theoretische Geodäsie der TU Wien) Herausgeber=Hermann Mucke: Zeitsysteme. In: Moderne astronomische Phänomenologie. 20. Sternfreunde-Seminar, 1992/93, und 21. Seminar 1994. Planetarium der Stadt Wien und Österreichischer Astronomischer Verein, Wien 1992, S. 33–54.
  • P.K. Seidelmann, B. Guinot, L.E. Dogget: Time. Chapter 2. In: P.K. Seidelmann, U. S. Naval Observatory (Hrsg.): Explanatory Supplement to the Astronomical Almanac. University Science Books, Mill Valley, CA 1992, S. 39 (englisch).

Anmerkung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Die Zeitzonen UTC+12 und UTC-12 haben mit dem Längengrad ±180° (ideelle Datumsgrenze) den gleichen Bezugsmeridian und damit die gleiche von UTC (bzw.UTC±0) um 12 Stunden abweichende Uhrzeit. In beiden Hälften der Zeitzone UTC±12 ist lediglich das Kalenderdatum verschieden. In der westlichen Hälfte ist es um einen Tag jünger (im Kalender voraus) als in der östlichen

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]