Zoni

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Zoni ist eine abwertende Bezeichnung für Menschen, die in der DDR geboren oder aufgewachsen sind. Es ist ein vom Wort Sowjetische Besatzungszone abgeleiteter Diminutiv.

Geschichte des Ausdrucks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ausdruck leitet sich von der Sowjetischen Besatzungszone in Deutschland ab, die vor allem unter Bürgern der Bundesrepublik Deutschland abwertend als Ostzone oder nur als Zone bezeichnet wurde, da die 1949 aus dieser Zone heraus gegründete DDR im Westen lange Zeit nicht als souveräner Staat anerkannt wurde. Die Innerdeutsche Grenze wurde abwertend als „Zonengrenze“ bezeichnet.

Die deutsche Band Norbert & die Feiglinge hat nach der Melodie von Hello Dolly! aus dem gleichnamigen Musical ein Lied mit dem Titel Hallo Zoni aufgenommen. Nach der Maueröffnung 1989 trat neben Zoni auch Ossi als Gegensatz zu Wessi, wie zuvor nur die West-Berliner zur Unterscheidung die Bundesbürger nannten, die ihrerseits in der DDR stattdessen Bundis hießen.

Ob der Ausdruck als Ethnophaulismus gelten kann, hängt von der Frage ab, ob es eine ostdeutsche Ethnie gibt. Diese umstrittene Frage wurde von verschiedenen deutschen Arbeitsgerichten bei Prozessen zur Diskriminierung Ostdeutscher negativ, von einzelnen sozialwissenschaftlichen Studien positiv beantwortet.[1]

Verwendung in der Satire[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ikonische Darstellung des „Zonis“ gilt die Figur der „Zonen-Gaby“, die auf dem Titelbild der Satirezeitschrift Titanic im November 1989 abgebildet war. Darauf ist eine Frau mit stereotypischer Frisur und Kleidung, einer geschälten Salatgurke in der Hand und der Schlagzeile „Meine erste Banane“ zu sehen. Das Titelbild spielte auf die Klischees der Knappheit von Bananen und der starken Verbreitung von Gurken in der DDR an. Abgebildet war eine Frau aus Rheinland-Pfalz.[2]

Der Berliner Verleger Klaus Bittermann veröffentlichte zwei Bände mit satirischen Polemiken gegen Ostdeutsche, die den Begriff „Zoni“ im Titel verwenden. Der in Dresden geborene Kritiker und Schriftsteller Peter Richter kritisierte den 2009 erschienenen Band in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Er biete „den ganz besonders Verklemmten“ die Möglichkeit „ihren niederen chauvinistischen Instinkten“ Raum zu geben, „einen durch Stahlgitter der Ironie bewehrten Raum, versteht sich, denn wir reden wie gesagt von Extremformen der Verdruckstheit, obwohl die Ossibeschimpfung ja nun wirklich das unriskanteste Gelände ist, auf dem man sich überhaupt bewegen kann, dann ist das, wenn man es recht bedenkt, noch einmal eine ganze Stufe erbärmlicher, als Negerwitze zu erzählen und dabei zur Distanzierung von Negerwitzenerzählern mit den Augen zu zwinkern“.[3]

Der in Hamburg geborene Humorist Heinz Strunk verwendet den Begriff „Zoni“ in verschiedenen Titanic-Kolumnen, die im Buch Nach Notat zu Bett (2019) gesammelt vorliegen.[4][5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus Bittermann (Hrsg.): It's a Zoni. Zehn Jahre Wiedervereinigung. Die Ossis als Belastung und Belästigung. Berlin 1999, ISBN 3-89320-026-6.
  • Klaus Bittermann (Hrsg.): Unter Zonis: Zwanzig Jahre reichen jetzt so langsam mal wieder. Ein Rückblick. Berlin 2009, ISBN 978-3-89320-137-2.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Marc Howard: An East German Ethnicity? Understanding the New Division of Unified Germany. German Politics and Society 13.4 (1995), S. 49–70.
  2. Martin Zips: Zonen-Gaby packt aus. Abgerufen am 21. Juli 2020.
  3. Peter Richter: Blättern in Beitrittsgebieten. Zwanzig Jahre Mauerfall - wer soll das bitte alles lesen? Ein Eilmarsch durch das Buchgebirge, in: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 11. Oktober 2009, Nr. 41, S. 27.
  4. Heinz Strunk: Intimschatulle 68 – »Mein Liebesdöner wird ganz saftig« | TITANIC – Das endgültige Satiremagazin. Abgerufen am 31. Mai 2021.
  5. Heinz Strunk: Intimschatulle 69 – »Quatscha in meiner Datscha« | TITANIC – Das endgültige Satiremagazin. Abgerufen am 31. Mai 2021.