Zu Bethlehem geboren

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen

Zu Bethlehem geboren ist ein deutsches Weihnachtslied.

Herkunft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Text des Liedes wird Friedrich Spee (1591–1635) zugeschrieben. Erstmals veröffentlicht wurde er ohne Melodie im Geistlichen Psälterlein, das im Jahr 1637 von Johannes Heringsdorf in Köln herausgegeben wurde.[1] Auch wenn der Verfasser des Textes bis ins 20. Jahrhundert hinein unbekannt war, so gilt nach Meinung der einschlägigen Forschung[2] die Urheberschaft als gesichert, hauptsächlich wegen der stilistischen und inhaltlichen Qualität des Liedes.

Die Melodie entstammt einer in der damaligen Zeit sehr populären französischen Chanson Une petite feste mit frivolem Text. Sie findet sich sowohl in den zeitgenössischen Pariser Liedersammlungen von Pierre Cerveau (Airs mis en musique à quatre parties aus dem Jahr 1599) als auch bei Pierre Bonnet (Airs et vilanelles mises en musique à 4 et 5 parties, 1600). Friedrich Spee kontrafizierte mehrfach Liedtexte den Melodien bekannter weltlicher Lieder, um diesen ihr „pestilenzisch Gift“ zu entreißen. Zusammen mit der Melodie wurde Spees Text erstmals 1638 unter dem Titel Hertzopffer im Kölner Geistlichen Psalter gedruckt.[3] Vermutlich schon etwas früher erscheint die Melodie mit einem Text zum Kindelwiegen Nun wiegen wir das Kindlein in einer handschriftlichen Orgeltabulatur, die ab 1622 von Henricus Beginiker niedergeschrieben wurde. Anton Wilhelm von Zuccalmaglio übernahm die Melodie für das von ihm geschaffene Wiegenlied Die Blümelein sie schlafen (Erstdruck 1840), wobei er die Weise in einigen Passagen geringfügig änderte. Diese wiederum unterlegte Johannes Brahms mit einem ausgearbeiteten Klaviersatz und nahm das Werk unter dem Titel Sandmännchen in seine 15 Volks-Kinderlieder, WoO 31 (McCorkle), als Nummer 4 auf (Erstdruck: Winterthur, J. Rieter-Biedermann, 1858).

Das Lied wird sowohl von evangelischen als auch von katholischen Christen in der Weihnachtszeit gesungen. Es ist im Gotteslob (GL 239, GLalt 140) und im Evangelischen Gesangbuch (EG 32) zu finden.

Text und Melodie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

\relative f' { \key f \major \partial 4 c f4. g8 a4 g f2 e4 f g f8( g) a4 g f2 r4 \bar "" \break
c' c a bes c d2 bes4 bes a bes c bes8( a) g2. r4 \break
c2 g a g4 a8( bes) c4 f,8( g) a4 g f2. \bar "|." }
\addlyrics { Zu Beth -- le -- hem ge -- bo -- ren
ist uns ein Kin -- de -- lein.
Das hab ich aus -- er -- ko -- ren,
sein ei -- gen will ich sein.
Ei -- a, ei -- a, sein ei -- gen will ich sein. }

Zu Bethlehem geboren
ist uns ein Kindelein.
Das hab ich auserkoren,
sein eigen will ich sein.
Eia, eia, sein eigen will ich sein.

In seine Lieb versenken
will ich mich ganz hinab;
mein Herz will ich ihm schenken
und alles, was ich hab.
Eia, eia, und alles, was ich hab.

O Kindelein, von Herzen
dich will ich lieben sehr
in Freuden und in Schmerzen,
je länger mehr und mehr.
Eia, eia, je länger mehr und mehr.

Dich wahren Gott ich finde
in meinem Fleisch und Blut;
darum ich fest mich binde
an dich, mein höchstes Gut.
Eia, eia, an dich, mein höchstes Gut.

Dazu dein Gnad mir gebe,
bitt ich aus Herzensgrund,
dass dir allein ich lebe
jetzt und zu aller Stund.
Eia, eia, jetzt und zu aller Stund.

Lass mich von dir nicht scheiden,
knüpf zu, knüpf zu das Band
der Liebe zwischen beiden,
nimm hin mein Herz zum Pfand.
Eia, eia, nimm hin mein Herz zum Pfand.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Geistliches Psälterlein der Societas Jesu. Peter Grevenbruch, Cöllen 1637.
  2. Joseph Gotzen: Zu Bethlehem geboren. In: Musica sacra 69 (1949), ISSN 0179-356X, S. 258–262.
  3. Geistlicher / Psalter / in welchem / Die ausserlesenste / alt: und newe Kirch- / en und Haussgesang / neben den lieblich- / sten Psalmen Davids / verfasset seindt. Peter Grevenbruch, Köln 1638, S. 80 f.