Zuchtlinie

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Als Zuchtlinie (auch: Linie) werden Teilpopulationen einer Pflanzenrasse oder einer Tierrasse bezeichnet, die genetisch einheitlicher sind als die Rasse, der sie angehören und die nur mit Angehörigen ihrer eigenen Zuchtlinie verpaart werden.

Pflanzenzucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im engeren Sinne bezeichnet eine Linie in der Pflanzenzüchtung die „Einzelnachkommenschaft eines Selbstbefruchters, die durch die nach Mutterpflanzen getrennte Aussaat der Samen gewonnen wird.“[1] Solche Einzelnachkommenschaften werden in der Botanik auch als „Stämme“ bezeichnet. Da sich viele Pflanzen sowohl vegetativ als auch generativ vermehren lassen, ist die Möglichkeit einer Reinzucht gegeben („reine Linie“). Vor allem bei der vegetativen Vermehrung ist der Erhalt der genetischen Merkmale gegeben und wird nur durch mögliche Mutation bedroht.

Bei der Hybridzüchtung von Pflanzen werden verschiedene Inzuchtlinien miteinander gekreuzt.

Tierzucht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Tierzucht sind Zuchtlinien häufig durch gezielte oder geduldete, mäßige Inzucht entstanden („Linienzüchtung“), in der Erwartung, dass bestimmte erwünschte Merkmale mit besonders großer Wahrscheinlichkeit auch in der nächsten Generation wieder in Erscheinung treten und durch Auslese erhalten bleiben. Während die Zugehörigkeit einer Tieres zu einer Art und heute häufig auch bereits zu einer Rasse durch genetische Analysen eindeutig nachweisbar ist, kann die Zugehörigkeit zu einer Zuchtlinie meist nur durch Abstammungsnachweise erbracht werden. In der englischen Fachliteratur steht die Zuchtlinie unterhalb der Rasse (auch: Subspezies) in der Hierarchie.[2][3]

Auch in der Geflügel-, Hunde- und Katzenzucht wird häufig von Zuchtlinien gesprochen, wobei hier in der Regel die Herkunft der Tiere von bestimmten Züchtern gemeint ist. Eine gewisse Relevanz bekam die Unterscheidung von „Rasse“ und „Zuchtlinie“ im Zusammenhang mit der Diskussion um sogenannte Kampfhunde. Hier dreht sich die Auseinandersetzung zwischen Tierzüchtern, Haltern und Polizeibehörden oft um die Frage, ob die gesamte Rasse als gefährlich einzustufen ist oder ob dies nur für bestimmte Zuchtlinien gilt.[4]

Diverse Zuchtlinien der Hausmaus und der Wanderratte werden in Forschungseinrichtungen als Testtiere verwendet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lexikon der Biologie in acht Bänden. Herder, Freiburg, Basel und Wien 1985
  2. T. Gotoh et al.:: Host race formation in Tetranychus urticae: genetic differentiation, host plant preference, and mate choice in a tomato and a cucumber strain. In: Entomologia Experimentalis et Applicata. 68, Nr. 2, 1993, S. 171-178. doi:10.1111/j.1570-7458.1993.tb01700.x.
  3. I. Buddenhagen: Understanding Strain Diversity in Fusarium oxysporum f. sp. cubense and History of Introduction of 'Tropical Race 4' To Better Manage Banana Production. In: ISHS Acta Horticulturae. 828, 2009, S. 193-204.
  4. H. Eichelberg: Kampfhunde – Gefährliche Hunde, Deutsche tierärztliche Wochenschrift, Nr. 3/200, Verlag M.&H. Schaper, Alfeld (Leine) 2000, Ss. 91-93