Zuckersteuer

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Die Zuckersteuer war eine Verbrauchsteuer, die in Deutschland im Hinblick auf den EG-Binnenmarkt zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen zum 1. Januar 1993 abgeschafft wurde.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zucker war ein kostbares Genussmittel, das in Mitteleuropa bis in die Neuzeit nur für reiche und adelige Leute zur Verfügung stand. Dieser Rohrzucker wurde daher auch „Weißes Gold“ genannt. Erst mit der industriellen Zuckerherstellung aus der Zuckerrübe, die im Jahr 1801 entwickelt wurde, konnte Zucker dort zu einem beliebten Lebensmittel für die breiten Massen und damit zu einem ergiebigen und auch geeigneten Gegenstand der Besteuerung werden. Demnach handelt es sich nicht um eine Luxussteuer.

1840 wurde der Würfelzucker von Jacob Christoph Rad erfunden und 1841 das erste Zuckersteuergesetz in Preußen erlassen. Mit der Rohstoffsteuer wurden sowohl der Import von Rohzucker aus Übersee, als auch der heimische mit Zuckerrüben hergestellte Zucker besteuert. Später wurde die Steuer in eine reine Verbrauchsteuer umgewandelt.

In anderen Ländern (zum Beispiel England) wurde die Steuer nur auf den Import von Zucker erhoben. In diesen Fällen war die Steuererhebung einfach, weil sie lediglich auf dem Weg der Verzollung eingeführten Zuckers erfolgte. Als 1874 in England die Zuckersteuer abgeschafft wurde, stieg der Pro-Kopf-Zuckerverbrauch von 23 kg (1873) auf 31 kg (1880).

In den meisten anderen Ländern, die selbst Zucker produzierten, variierte der Gegenstand der Besteuerung. In Frankreich und Russland wurde die Steuer auf das fertige Endprodukt erhoben, in Belgien auf das halbfertige Produkt, also die Menge des produzierten Rübensaftes. In Deutschland schließlich wurde die Menge der gelieferten Zuckerrüben besteuert, die genaue Bezeichnung der Steuer war also Rübenzuckersteuer.

Aktuelles[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Weltgesundheitsorganisation rät Regierungen, zuckerhaltige Getränke mit einer Sondersteuer von mindestens 20 Prozent zu belegen. Die Abgabe könne zu einem spürbaren Rückgang des Zuckerkonsums führen. Im Ergebnis würden weniger Menschen an Übergewicht, Fettleibigkeit, Zuckerkrankheit oder Karies leiden.[2][3] Entsprechende Steuern wurden bereits von Frankreich, Ungarn, Finnland und Mexiko eingeführt.[4]

Mit Aussagen wie „Zucker macht krank“[5] und „es gibt keinen Bedarf, Zucker ... als Lebensmittel aufzunehmen“[6] werben Krankenkassen-Fachleute und die Nicht-Regierungs-Organisation Foodwatch für die Wiedereinführung der Zuckersteuer in Deutschland und werden dabei von Mitgliedern des Bundestags-Gesundheitsausschusses unterstützt.[7][8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wiktionary: Zuckersteuer – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Abgeschaffte und ausgelaufene Steuern, Manager Magazin, 5. Dezember 2002
  2. WHO fordert: Limo und Cola müssen teurer werden, Süddeutsche Zeitung, 11. Oktober 2016
  3. WHO urges global action to curtail consumption and health impacts of sugary drinks, World Health Organization (WHO), 11. Oktober 2016
  4. Fragen, Antworten von Berit Uhlmann: Was würde eine Zuckersteuer bewirken? In: sueddeutsche.de. 2016, ISSN 0174-4917 (sueddeutsche.de [abgerufen am 3. November 2017]).
  5. Zu viel Zucker macht die Deutschen krank, Der Tagesspiegel, 23. März 2015
  6. foodwatch kritisiert Informationspolitik der Bundesregierung zum Thema Zucker, Foodwatch, 1. November 2016
  7. Krankenkassenchef für Zuckersteuer, Handelsblatt, 29. Dezember 2016
  8. Wegen Diabetes und Übergewicht: CDU- und SPD-Politiker fordern Zuckersteuer, Huffington Post, 24. August 2016