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Zugsführer

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Österreichisches Bundesheer

— Zugsführer —

Anzug 75/03 Schulterstück (Pioniertruppe) Tellerkappe
Anzug 75 / 03 | Rockkragen | Tellerkappe
Dienstgradgruppe Chargen
NATO-Rangcode OR-4
Dienstgrad Heer/Luftwaffe Zugsführer
Dienstgrad Marine keiner
Abkürzung (in Listen) Zgf
Besoldungsgruppe ...
Helmut Oblinger als Heeressportler mit dem Dienstgrad Zugsführer (Wien 2009)

Zugsführer – Kurzform: Zgf oder ZF – ist ein Chargen-Dienstgrad (Verwendungsgruppe M ZCh/Chargen) beim österreichischen Bundesheer.

Dienstgrad und Aufgaben

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Dem Zugsführer kommt in der deutschen Bundeswehr etwa der Dienstgrad Oberstabsgefreiter gleich. Er kann Kommandantenaufgaben bis in Gruppenstärke übernehmen und darf daher nicht mit dem deutschen Zugführer im Militär verwechselt werden.

In Auslandseinsätzen wird er auf Englisch als Master Corporal (MCpl) bezeichnet.[1] Gemäß dem NATO Rank Class System entsprechen ihm die Bundeswehrdienstgrade Stabsgefreiter, Oberstabsgefreiter, Korporal und Stabskorporal (NATO-Code: OR-4).

Die Distinktionssterne ähneln einem stilisierten Alpen-Edelweiß, einer Alpenblume, die in Österreich traditionell in vielen Bereichen symbolische Bedeutung besitzt. Die Rangabzeichen des Bundesheeres der 2. Republik orientieren sich an den bis 1918 gebräuchlichen alt-österreichischen Kragendistinktionen, variieren diese jedoch, besonders auffällig bei den Unteroffizieren (Wachtmeister bis Vizeleutnant). Das Kragenabzeichen des Korporals an der Gesellschaftsuniform kommt allerdings dem damaligen Muster sehr nahe.[2] Dazu eine weiß-graue Schulterspange mit Schuber, wie alle Chargen.

Soldaten, die in der Ausbildung zum Unteroffizier (HUAK) oder zum Offizier (KAAusb) stehen, tragen eine eigene Version des Dienstgrades mit silberfarbenem Querbalken am Oberrand.

Siehe auch

Österreich-Ungarn (bis 1918)

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In der k.u.k. Armee zählte der Zugsführer noch zu den Unteroffizieren (und legte dementsprechend das gelb-schwarze Unteroffiziersportepee an). Die Charge entstand am 25. Jänner 1857 aus der Dienststellung des Zugs-Corporals, die den vier dienstältesten der 12 Korporale einer Kompanie oblegen hatte.

Der Zugsführer führte von Mai 1848 bis Mitte Jänner 1850 drei weißtuchene Horizontalstreifen als Kragendistinktion, dann drei weiße, sechsspitzig Kragensterne. Diese waren übereinander angeordnet und bestanden zunächst aus Tuch, seit 1901 aber aus Zelluloid.

Dem Dienstgrad Zugsführer gleichgestellt und mit den entsprechenden Dienstgradabzeichen versehen waren:

Stabführer (Militärmusik)
Kurschmied (Beschlagwesen)
Rechnungs-Unteroffizier 2. Klasse
Waffenmeister 2. Klasse

Bis zum Ersten Weltkrieg fungierte der Zugsführer, wie grundsätzlich auch der Korporal, fallweise als „Schwarmführer“.[3] Ein Schwarm umfasste vier bis sieben Rotten, also acht bis 14 Soldaten.[4]

Im Heer des deutschen Kaiserreichs entsprach dem Zugsführer der Sergeant.

Volkswehr der 1. Republik (1918–1920)

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Nach dem Ende der Habsburgermonarchie gerieten alle bisherigen Rangabzeichen in Fortfall. Erst am 2. April 1919 wurden neue Abzeichen verfügt. Diese bestanden, ähnlich wie bei der deutschen Reichswehr, aus am linken Ärmel zu tragenden blauen Streifen. Bei den Chargen und Unteroffizieren saßen die Rangabzeichen auf dem linken Oberärmel und waren meist winkelförmig, mit der Spitze nach oben. Entsprechend führte der Zugsführer zwei solche Winkel. Mit der Spitze nach unten wiesen nur die Abzeichen des Gefreiten (ein Winkel) und des Gagisten ohne Rangklasse (vier Winkel); den Offiziersstellvertreter kennzeichneten indes vier horizontale Streifen. Offiziere führten die Rangabzeichen auf dem Unterärmel, in einer Kombination aus schmalen, mittelbreiten und breiten Streifen.[5]

Bundesheer der 1. Republik (1920–1938)

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Mit dem Wehrgesetz vom 18. März 1920 schlug die Geburtsstunde des Bundesheeres der 1. Republik, in das man am 1. Oktober 1920 die Bataillone der Volkswehr überführte.[6] Am 5. Mai 1920 wurden neue Rangabzeichen („Dienstzeichen“) verordnet.[7] Diese waren nun auf beiden Unterärmeln zu tragen und bestanden aus Horizontalborten, wobei auf der obersten eine kreisrunde „Kriegerschleife“ saß, ähnlich dem Elliotsauge der k. u. k. Marine. Für Offiziere waren die Abzeichen silbern, für Chargen und Unteroffiziere dunkelgrün. Den Zugsführer kennzeichneten anfangs zwei dunkelgrüne Borten, ab Wiedereinführung der Gefreiten-Charge (19. Mai 1923) aber drei Borten, mit einem 1 cm breiten Intervall.[8][9]

Ab dem 11. September 1923 bis zum 31. Mai 1933 folgten die Rangabzeichen weitestgehend dem Vorbild der deutschen Reichswehr. Den Zugsführer identifizierten drei, mit der Spitze nach unten weisende, silberne Winkel.[10] Abweichend von der deutschen Praxis, wurde dass Abzeichen nicht nur am linken, sondern auch am rechten Oberarm getragen.[11] Das Abzeichen entsprach damals jenem des deutschen Obergefreiten (dieser besaß erst ab Oktober 1936 nur noch zwei Rangwinkel, der Gefreite dann einen statt zwei, weil zeitgleich der deutsche Oberschütze seinen bisherigen Rangwinkel mit einem Rangstern getauscht hatte).

Mit dem 1. Juni 1933 erfolgte der Wechsel zu alt-österreichischen Kragendistinktionen (bis 1938).[12] Bei den 1936 offiziell enttarnten Luftstreitkräften (amtlich: Fliegertruppe) folgten die Rangabzeichen, zumindest bei den Offizieren, indes den Ärmeldistinktionen der k. u. k Kriegsmarine bis 1918. Die Ärmelwinkel der Chargen, inklusive des Zugsführers, waren allerdings blaufarbig und wiesen mit der Spitze nach oben.[13]

Überführung in die Wehrmacht (1938)

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Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Bundesheer zum 14. März 1938 in die Wehrmacht überführt. Bei der endgültigen Festlegung der neuen Dienstgrade stufte man die Zugsführer entweder als Obergefreite oder im Dienstgrad Unteroffizier ein.[14]

Niedrigerer Dienstgrad
Korporal
Dienstgrad
   Zugsführer
Höherer Dienstgrad
Wachtmeister
Einordnung: RekrutenChargenUnteroffiziereOffiziere
Alle Dienstgrade auf einen Blick: Bundesheer-Dienstgrade
  • Erwin Steinböck: Österreichs militärisches Potential im März 1938, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1988, ISBN 978-3486548518
  • Erwin Steinböck: Die Uniformierung der Soldaten des Bundesheeres (Das Bundesheer der Ersten Republik, Teil 2), in: Militaria Austriaca, Bd. 9, hrsg. von der Gesellschaft für österreichische Heereskunde, Wien 1992, S. 34–84
  • Rolf M. Urrisk(-Obertynski): Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1918-1938, H. Weishaupt Verlag, Graz 1993, ISBN 3-900310-93-9
  • Rolf M. Urrisk(-Obertynski): Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1952-1995, H. Weishaupt Verlag, Graz 1994, ISBN 3-7059-0012-9
  1. Die Dienstgrade im internationalen Vergleich (NATO rank class system) (Internetseite des Bundesministeriums für Landesverteidigung, engl.), aufgerufen am 16. April 2026
  2. Urrisk (1994), S. 111 f.
  3. Eduard Reitz: Programmmässige Compagnie-Uebungen. In: Organ der militär-wissenschaftlichen Vereine, herausgegeben vom Ausschuss des Militär-Wissenschaftlichen Vereines in Wien, Jg. 25 (1882), S. 327–334, hier S. 330–332.
  4. Gustav Bancalari: Hand und Instrukzions-Buch für die Unteroffiziers-Schulen der Fusstruppen des K.K. Heeres und der Landwehr; die Kadeten- und Einjährig-Freiwilligen-Schulen im Vereine mit mehreren Mitarbeitern verfaßt, IV. Heft, Zweite vermehrte Auflage, Wien 1876, S. 107 ff.
  5. Urrisk (1993), S. 18
  6. Urrisk (1993), S. 24
  7. Urrisk (1993), S. 18
  8. Urrisk (1993), S. 31
  9. Erwin Steinböck: Die Volkswehr in Kärnten unter Berücksichtigung des Einsatzes der Freiwilligenverbände (Publikationen des Österreichischen Instituts für Zeitgeschichte, Band 2). Wien und Graz 1963, S. 16
  10. Urrisk (1993), S. 46
  11. Urrisk (1993), S. 44
  12. Urrisk (1993), S. 89
  13. Urrisk (1993), S. 94, S. 196
  14. Steinböck (1988), S. 108 f.