Zukertort – Blackburne, London 1883

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Zukertort – Blackburne, London 1883 gilt als eine der faszinierendsten und schönsten Partien in der Geschichte des Schachs. Sie lenkte durch die tiefe Spielanlage ihres Gewinners, Johannes Hermann Zukertort, die Aufmerksamkeit von Generationen von Schachspielern auf sich. Auch der Unterlegene, der Brite Joseph Henry Blackburne, nahm sie in die Anthologie seiner besten Partien auf.

Sie wurde anlässlich des großen internationalen Turniers in London 1883 gespielt. Zukertort gewann das Turnier mit drei Punkten Vorsprung auf den als weltbesten Schachspieler geltenden Wilhelm Steinitz. Es war der größte Erfolg seiner Karriere und führte dazu, dass er 1886 von Steinitz zu einem Zweikampf herausgefordert wurde, woraus die erste Schachweltmeisterschaft resultierte.

Verlauf mit Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1. c2–c4

Zukertort wählt gegen den Briten Blackburne die Englische Eröffnung.

1. … e7–e6 2. e2–e3 Sg8–f6 3. Sg1–f3 b7–b6 4. Lf1–e2

Zukertort strebt das Zukertort-System des Damenbauernspiel an, das er stets in der Weise betrieb, dass er den weißfeldrigen Läufer auf das Feld e2 stellte. Heutzutage stellt man den Läufer gewöhnlich nach d3. Es gibt hierzu eine Reihe Referenzpartien vom weltgrößten Experten des Zukertort-Systems, dem Großmeister Artur Jussupow, der die vorliegende Partie auch gründlichst analysierte (s. u. bei den Quellenangaben).

4. … Lc8–b7 5. 0–0 d7–d5 6. d2–d4

Nunmehr ist das Damenbauernspiel erreicht.

6. … Lf8–d6 7. Sb1–c3 0–0 8. b2–b3 Sb8–d7 9. Lc1–b2

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Stellung nach dem 9. Zug von Weiß

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9. … Dd8–e7

Ein normaler Zug wäre an dieser Stelle 9. … c5 gewesen. Blackburne zog die Dame nach e7 in der Absicht, den Läufer für den Springer zu tauschen und dadurch die c-Linie in Beschlag zu nehmen. Großmeister Zenón Franco Ocampos ist mit Blackburnes Wahl gar nicht einverstanden. Er empfiehlt hier 9. … Se4 oder 9. … a6. Zukertort selbst erwartete hier 9. … c5.

10. Sc3–b5 Sf6–e4 11. Sb5xd6 c7xd6 12. Sf3–d2 Sd7–f6
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Stellung nach dem 12. Zug von Schwarz

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Zukertort hält dies für den entscheidenden Zeitverlust, der den weißen Angriff erst ermöglichte.

13. f2–f3

Jussupow empfiehlt hier den für Zukertort und seine Zeitgenossen bestimmt absurd erscheinenden Zug 13. Sd2–b1!, um anschließend den schwarzen Springer auf e4 mittels f2–f3 zu vertreiben, wonach der Sb1 wieder mit vorzüglichen Aussichten ins Spiel gelangt. Franco ist von dem vorgeschlagenen Zug ebenfalls begeistert und empfiehlt ihn wärmstens in seinen Analysen.

13. … Se4xd2 14. Dd1xd2 d5xc4?!

Franco empfiehlt hier 14. … Lb7–a6!?

15. Le2xc4 d6–d5 16. Lc4–d3 Tf8–c8

Als ich diesen Zug ausführte, war es meine Absicht meinem Springer auf d7 das Feld f8 zur Verfügung zu stellen; ich war mir nicht dessen bewusst, dass es durchaus einen Unterschied macht, welchen Turm man zunächst nach c8 stellt um die c-Linie unter Kontrolle zu bekommen.“ (Blackburne)

17. Ta1–e1

Steinitz lobte diesen Zug besonders in seinen Analysen.

17. … Tc8–c7?!

Franco hält diesen Zug für verfehlt und möchte stattdessen 17. … a5! spielen.

18. e3–e4 Ta8–c8 19. e4–e5 Sf6–e8

Blackburne gibt an, dass seine ursprüngliche Idee, 19. … Sf6–d7 zu spielen, ihm nachträglich für das richtige Spiel erscheint.

20. f3–f4 g7–g6

Zukertort hält diesen Zug für zu verpflichtend und empfiehlt stattdessen 20. f5! Blackburne und Franco schließen sich dem an.

21. Te1–e3!

Zukertort hatte bereits an dieser Stelle die Kombination im Auge, die auch im 28. Zuge möglich wurde. Mit seinem Turmzug ermöglicht er erst die später früchtetragenden Wendungen.

21. … f7–f5

21. … Se8–g7, worauf 22. g2–g4 gefolgt wäre, wäre leicht besser.

22. e5xf6! e.p.

Der Beginn einer wunderschönen Kombination.“ (Jussupow)

22. … Se8xf6

Zukertort empfiehlt das Zurückschlagen mit der Dame: 22. … De7xf6 23. Dd2–e1 Se8–g7 24. g2–g4, wonach Weiß allerdings alle Zeit der Welt hätte, einen unwiderstehlichen Angriff zu beginnen.

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Stellung nach dem 22. Zug von Schwarz

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23. f4–f5!

Steinitz bezeichnete diesen Zug als „den Beginn einer bemerkenswerten Konzeption grandiosen Ausmaßes“ und war außerordentlich begeistert von ihm.

23. … Sf6–e4 24. Ld3xe4 d5xe4
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Stellung nach dem 24. Zug von Schwarz

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25. f5xg6! Tc7–c2

Die anwesenden Zuschauer mussten glauben, Zukertort hätte eine Figur eingestellt, doch der polnische Meister dachte weit im Voraus. Blackburnes Zug verliert in Wirklichkeit. Notwendig war an dieser Stelle 25. … Ld5 und Schwarz kann noch etwas mitkämpfen. (Blackburne)

26. g6xh7+ Kg8–h8

Wenn 26. … De7xh7, dann, selbstredend 27. Te3–g3+ Kg8–h8 28. d4–d5+; oder falls 26. … Kg8xh7, dann 27. Te3–h3+ Kh7–g8 28. Dd2–h6.

27. d4–d5+ e6–e5
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Stellung nach dem 27. Zug von Schwarz

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28. Dd2–b4!

Ein begeisterter Zuschauer, gemäß Blackburne war er aber gar nicht anwesend, beschrieb anschließend die Situation unter den versammelten Zuschauern als wie elektrisch aufgeladen, als dieser Zug ausgeführt worden ist. Großmeister Franco Ocampos, der gar nicht anwesend gewesen sein kann (er ist Jahrgang 1956), gibt in seiner Aufgeladenheit sogar 2 Ausrufezeichen.

28. … Tc8–c5

„Ich glaubte, dies sei ausreichend, übersah aber das folgende Turmopfer. Zu diesem Zeitpunkt lief ich im Turniersaal herum und schaute auf die anderen Partien. Plötzlich sprach mich einer der Spieler an: 'Du hast den kleinen Mann gefangen!' 'Ich bin nicht sicher,' antwortete ich ihm, 'es ist unerhört schwer.' Als ich zurückkehrte, hatte Zukertort seinen Zug noch nicht ausgeführt, aber es dämmerte mir, dass das Turmopfer fatal wäre und die einzige Frage die übrigblieb war die, ob er es findet oder nicht. Aber dieser Zweifel blieb nicht lange erhalten: als ich mir nochmals die anderen Bretter anschaute, hörte ich plötzlich ein Geräusch, als ob ein Mensch mit aller Kraft, die ihm die Muskelkraft seines Leibes zur Verfügung stellt, eine Figur auf das Brett schlägt. Kurz darauf spürte ich ein Tippen auf meiner Schulter: 'Ihre Uhr ist in Bewegung gekommen, ich tat meinen Zug.' sagte er, und aus seinem Gesichtsausdruck, und der Art und Weise wie er sein gesamtes Gewicht in Pose setzte, spürte ich, dass ich mich nun zu fühlen hatte wie der Dramatiker, dessen Stück gerade beim Publikum durchgefallen ist.“ (Blackburne) 28. … De7xb4 führte zu Matt: 29. Lb2xe5+ Kh8xh7 30. Te3–h3+ Kh7–g6 31. Th3–g3+ Kg6–h6 (falls 31. … Kg6–h7 oder 31. … Kg6–h5, folgt Matt in drei Zügen.) 32. Tf1–f6+ Kh6–h5 (32. … Kh6–h7 33. Tf6–f7+ Kh7–h6 34. Le5–f4+ Kh6–h5 35. Tf7–h7#) 33. Tf6–f5+ Kh5–h6 34. Le5–f4+ Kh6–h7 35. Tf5–h5 Matt; Schwarz hat keinen Zug mehr: falls 28. … Tc2–c5, dann 29. Db4xe4 Tc5xd5 (am besten) 30. Lb2xe5+ Td5xe5 31. De4xe5+ De7xe5 32. Te3xe5 etc.; Falls 28. … Tc8–e8, dann 29. d5–d6 De7–e6 30. d6–d7 etc. (von Zukertort angegeben)

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Stellung nach dem 28. Zug von Schwarz

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29. Tf1–f8+

Dieser Zug brachte Steinitz in Verzückung. In seiner Zeitung Turf, Field and Farm schrieb er darüber: „Die vorhergehenden Züge und der eben gemachte Zug von Weiß bilden eine der größten Kombinationen, vielleicht sogar die schönste von allen, die jemals auf dem Schachbrett geschaffen wurden. Es fehlen einem die Worte, um unsere Begeisterung über die hohe Meisterschaft von Zukertort auszudrücken, mit der er die Partie spielte.“ Jussupow bemerkt hierzu: „Steinitz liebte Schach so inniglich und konnte sich derart an schönen Ideen begeistern, dass er dem Gegner [er stand mit Zukertort jahrelang in Konkurrenz um den Champion of the World] Gerechtigkeit widerfahren ließ.“

29. … Kh8xh7

Falls 29. … De7xf8, dann antwortet Weiß mit 30. Lb2xe5+ Kh8xh7 31. Db4xe4+ und Matt in vier Zügen.

30. Db4xe4+ Kh7–g7 31. Lb2xe5+

31. Tf8–g8+! ist Francos Wahl, 31. … Kg7xg8 32. De4–g6+ De7–g7 33. Dg6–e8+ Dg7–f8 (33. … Kg8–h7 34. Te3–h3+ Dg7–h6 35. De8–f7+ Kh7–h8 36. Lb2xe5#) 34. Te3–g3+ Kg8–h7 35. De8–g6+ Kh7–h8 36. Tg3–h3+ Df8–h6 37. Lb2xe5 Matt.

31. … Kg7xf8

31. … Kg7–h6 (Franco) 32. Te3–h3+ führt gleichfalls zu Matt.

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Stellung nach dem 31. Zug von Schwarz

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32. Le5–g7+!

„Ein sympathischer Zug“ kommentiert Jussupow.

32. … Kf8–g8 33. De4xe7

Schwarz gab auf.

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Stellung zum Ende des Spiels

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Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. H. Blackburne: Blackburne’s Chess Games. London 1899 (hier: Nachdruck New York 1979), S. 136–137.
  • C. W. Domański und T. Lissowski: Der Großmeister aus Lublin. Berlin 2005, S. 119–120.
  • Z. Franco: ABC Asuncion. [Paraguay] 2003.
  • A. Jussupow und M. Dworezki: Der selbständige Weg zum Schachprofi. Hollfeld 1991, S. 67–74.
  • G. Kasparow: Moi welikie predschestwenniki. [Meine großen Vorgänger], Band 1, Moskau 2003, S. 69–71.
  • W. Steinitz: Turf, Field and Farm, 1883.
  • J. H. Zukertort: The Games Played in the London International Chess Tournament 1883, S. 10–13.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]