Zumsteinhaus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zumsteinhaus, Frontfassade

Das Zumsteinhaus ist ein unter Denkmalschutz stehendes Haus mit der Anschrift Residenzplatz 31 in Kempten (Allgäu). Es wurde 1802 für die aus Savoyen stammende Kaufmannsfamilie Zumstein de la Pierre erbaut und 1959 restauriert.[1] Das seit 1951 im Besitz der Stadt befindliche Gebäude beherbergte bis 2015 ein Römisches Museum (ab 1961) und ein Naturkundemuseum (ab 1975). Von 2003 bis 2015 wurde das Bauwerk während der Adventszeit als Adventskalender verwendet.[2] Seit 2015 ist das Gebäude wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Im Dezember 2018 soll das künftige Stadtmuseum im Zumsteinhaus eröffnet werden.[3]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zumsteinhaus im Jahr 1900
Rückfassade
Gartentor mit perspektivischen Gitter aus dem Jahr 1830

Gebäude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das freistehende, dreigeschossige Haus besitzt fünf zu sechs Achsen und ein Mansarddach. Die Hauptfassade zeigt in Richtung Norden zum Residenzplatz. Die vergitterten Erdgeschossfenster schmückt ein gequaderter Verputz aus Rautenfeldern mit Andreaskreuz und einem Scheitelstein. Das mittig liegende Hauptportal besitzt ein rechteckiges, vergittertes und mit Vasen verziertes Kämpferfenster, das als Korbbogen geformt ist. Die geschnitzte Tür ist mit löwenkopfförmigen Türklopfern besetzt. Zwei Halbsäulen neben dem Hauptportal sind über dem Gebälk durch ein Balkongitter miteinander verbunden. Der Balkon entspricht dem des zweiten Obergeschosses, der auf Volutenkonsolen steht. Löwen auf dem unteren Balkongitter halten ein Monogramm mit den Buchstaben VSZ. Auf dem oberen befindet sich eine Vase. Pilaster unter den Rechteckfenstern der beiden Obergeschosse tragen plastische Volutenkapitelle und Zopfgehänge. Über den Fenstern befinden sich Rosettenfelder mit verschmolzenen Ovalen. In einem flachen Dreiecksgiebel, dem Kranzgesims, halten Putten mit Zopfgehängen das Wappen der Zumsteins. Daneben befinden sich jeweils zwei Dachgauben mit geschwungener Verdachung. Ein perspektivisches Gitter zwischen den Pfeilern mit Gebälkschluss trägt die Jahreszahl 1830 und das Monogramm N.Z in einer von Löwen gehaltenen Archivolte. Die Seitenfassade mit zweiachsigem Mittelrisalit besitzt eine einfache Putzgliederung mit Lisenen, die Rückfront ein Korbbogenportal ohne Lisenen und eine Dachgaube.

Das Erdgeschoss ist durch einen kreuzgratgewölbten Gang geteilt. Etwa in der Mitte dieses Ganges befindet sich das Treppenhaus, das in einer Doppelarkade über einer Hängekonsole geöffnet ist. Die Treppenbrüstung ist geschnitzt und besitzt ovale Öffnungen. Die Räume sind sparsam klassizistisch stuckiert. Die kreuzgratgerippten Räume des Erdgeschosses haben Faszienrippen und Rosetten, die Räume der oberen Geschosse einfache Rahmenstuckfelder mit Hohlkehlen.

Außenanlage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben dem Haus befindet sich ein künstlerisches, ebenfalls denkmalgeschütztes Gartentor, welches mit dem perspektivischen Gitter aus dem Jahr 1830 in den Kemptener Stadtpark führt und während der Allgäuer Festwoche als Haupteingang dient.[4] Verziert wird das geschmiedete Tor durch zwei oberhalb befindliche, goldene Löwen. Hinter diesem Gartentor befindet sich noch ein kleiner Garten mit einem großen Wasserbecken, welches mit einem römischen Bild aus Mosaik geschmückt ist. Daneben befinden sich in einer Reihe kleinere Springbrunnen.

Museale Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Römisches Museum und Naturkundemuseum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fluoreszierende Minerale in einer UV-Kabine

Ab 1961 befand sich im Erdgeschoss das Römische Museum, das über die Besiedelung des Gebiets in der Römerzeit aufklärte. Zusätzlich wurden Exponate von Ausgrabungen aus der Zeit der Kelten und Alemannen, darunter Grabbeigaben aus örtlichen Gräberfeldern des Frühmittelalters ausgestellt. Der sogenannte Wiggensbacher Schatzfund, ein Depot aus Münzen und Schmuck, war ein wichtiger Teil der Sammlung. Er wurde vermutlich beim Alamanneneinfall 233 n. Chr. vergraben.

Das Naturkundemuseum, welches 1975 im Obergeschoss eröffnet wurde, basierte auf der geschenkten Sammlung des Geologen Karl August Reiser. Die Reiser-Sammlung zeigte Fossilien, Gesteinsproben und Minerale. Diese Exponate wurden kontinuierlich ergänzt.

Das Haus war aufgrund von Sparmaßnahmen der Stadt bereits seit 2003 weitgehend geschlossen und vom Heimatverein Kempten in den Frühlings-, Sommer- und Herbstmonaten für einige Stunden in der Woche zugänglich gehalten. Anfang Mai 2015 wurde das Haus für Umbauarbeiten nun komplett geschlossen und beide Museen aufgelöst.

Kempten-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Dezember 2018 soll das künftige Stadtmuseum im Zumsteinhaus eröffnet werden, in das ein großer Teil der Exponate aus dem Allgäu-Museum wandern soll.[5]

Ziel der Neukonzeption ist „[d]as umfangreiche kulturelle Erbe der Stadt Kempten (Allgäu) auf lebendige Weise zu vermitteln und eine offene, kommunikative und barrierefreie kulturelle Drehscheibe zu schaffen. [...] Das denkmalgeschützte Zumsteinhaus am belebten Residenzplatz wird die Stadtgeschichte von der ersten römischen Besiedlung bis in die Gegenwart hinein widerspiegeln und aktiv erlebbar machen.“[6]

Die Entstehung des Museums wird dabei von der partizipativen Projektreihe "Stadtexpedition Kempten" unterstützt, welche die Kemptener Bevölkerung in die Museumsgestaltung mit einbezieht.[7]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zumsteinhaus bei neukamm.de
  2. Stadtexpedition: Ideenspieltisch und erste Gesprächsrunde zum neuen Kempten-Museum im Zumsteinhaus. Kempten.de, 24. November 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.
  3. Christine Tröger: Kornhaus soll ab 2019 als Museum ausgedient haben. Kreisbote, 16. Oktober 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.
  4. Zumsteinhaus
  5. Christine Tröger: Kornhaus soll ab 2019 als Museum ausgedient haben. Kreisbote, 16. Oktober 2016, abgerufen am 7. Februar 2017.
  6. Stadtexpedition: Ideenspieltisch und erste Gesprächsrunde zum neuen Kempten-Museum im Zumsteinhaus. Kempten.de, 24. November 2017, abgerufen am 7. Februar 2017.
  7. Stadtexpedition Kempten. Stadtexpedition Kempten.de, abgerufen am 7. Februar 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Petzet: Stadt und Landkreis Kempten. Deutscher Kunstverlag, München 1959, DNB 453751636, S. 43–44.
  • Herbert Scholz: Führer durch die Geologische Sammlung im Zumsteinhaus. Dannheimer, Kempten 1983, ISBN 3-88881-004-3.
  • Herbert Scholz, Ulrich Harsch: Der Mineralienraum im Zumsteinhaus Kempten. Kulturamt, Kempten 1988.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zumsteinhaus – Sammlung von Bildern

Koordinaten: 47° 43′ 39″ N, 10° 18′ 43″ O