Zuordnungsforschung

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Die Wissenschaft der probabilistischen Ereigniszuordnung, kurz Zuordnungsforschung (auch Attributionsforschung) beinhaltet innerhalb der Klimawissenschaft die Bewertung des Beitrags des menschengemachten Klimawandels auf extreme Wetterereignisse.[1] Sie kann u. a. wissenschaftliche Belege für den Beitrag des anthropogenen Treibhauseffekts auf die Veränderung des Risikos extremer Wetterereignisse liefern.[2] Die Zuordnungsforschung erlaubt somit für ein konkretes Extremwetterereignis die Feststellung, inwiefern dieses Ereignis „natürlichen Ursprungs“ ist oder aber mit einer festzustellenden Wahrscheinlichkeit der vom Menschen verursachte Klimawandel hierfür zu verantworten ist.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Zuordnungsforschung handelt es sich um eine noch recht junge Disziplin. Innerhalb des letzten Jahrzehnts hat sich die Zuordnung extremer Wetter- und Klimaereignisse so von einer theoretischen Möglichkeit zu einem eigenständigen Teilgebiet der Klimawissenschaft entwickelt, das regelmäßig und unter Verwendung einer Reihe von Ansätzen wissenschaftliche Belege für die Rolle des anthropogenen Klimawandels bei einzelnen extremen Wetterereignissen liefert.[4] Einen federführenden Beitrag zur Entwicklung der Disziplin leistete die Klimaforscherin Friederike Otto.[5][6]

Methoden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unterschiedliche Ansätze und damit unterschiedliche Ausformungen der Frage der Zuordnung führen zu sehr unterschiedlichen Abschätzungen der Rolle des vom Menschen verursachten Klimawandels.[4] Zum Verständnis der Veränderung der Gesamtrisiken von Extremereignissen in einer sich überhitzenden Welt ist sowohl eine thermodynamische Perspektive als auch ein Verständnis für Veränderungen der atmosphärischen Zirkulation erforderlich.[7]

Zukünftige Forschung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Obwohl es keinen „richtigen“ oder „falschen“ Ansatz gibt, diskutiert die Wissenschaftsgemeinschaft derzeit über die geeigneten Methoden, um den unterschiedlichen Bedürfnissen der Anspruchsberechtigten und Schranken der Wissenschaft gerecht zu werden. Die Bewältigung dieser Schranken mithilfe einer gründlicheren Modellbewertung und aussagekräftigen Fehlerkorrekturen sowie die Überwindung der meteorologischen Gefahren und die Zuordnung der vollständigen Auswirkungen extremer Wetterbedingungen sind die Hauptherausforderungen für die anstehende Forschung der kommenden Jahre.[4]

Referenzen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Attribution / Attributionsforschung. Deutscher Wetterdienst, abgerufen am 1. Oktober 2019.
  2. Otto, F. E., Boyd, E., Jones, R. G., Cornforth, R. J., James, R., Parker, H. R., & Allen, M. R. (2015). Attribution of extreme weather events in Africa: a preliminary exploration of the science and policy implications. Climatic Change, 132(4), 531–543. https://doi.org/10.1007/s10584-015-1432-0
  3. Otto, F.E., Massey, N., van Oldenborgh, G.J., Jones, R.G., & Allen, M.R. (2012). Reconciling two approaches to attribution of the 2010 Russian heat wave. Geophysical Research Letters, 39(4). https://doi.org/10.1029/2011GL050422
  4. a b c Otto, F.E. (2017). Attribution of weather and climate events. Annual Review of Environment and Resources, 42, 627–646. https://doi.org/10.1146/annurev-environ-102016-060847
  5. Christopher Schrader: Doping für Extremwetter. In: RiffReporter, 15. Oktober 2019. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  6. Die deutsche Forscherin Friederike Otto will eines der größten Klima-Rätsel lösen. In: Tagesspiegel, 17. April 2019. Abgerufen am 16. Oktober 2019.
  7. Otto, F.E., van Oldenborgh, G.J., Eden, J., Stott, P.A., Karoly, D.J., & Allen, M.R. (2016). The attribution question. Nature Climate Change, 6(9), 813. https://doi.org/10.1038/nclimate3089