Zusammenrückung

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Die Zusammenrückung ist ein Begriff der Grammatik und bezeichnet eine Art der Wortbildung. Die Bildung eines neuen Wortes erfolgt hierbei so, dass eine ganze Wortgruppe (Syntagma) zunächst nach den Regeln der Syntax gebildet wurde, dann aber als ein einziges neues Wort aufgefasst wird. Als Folge davon können Zusammenrückungen in ihrem Inneren auch (Spuren von) Flexionsformen der beteiligten Wörter enthalten, wogegen sonst Flexion im Inneren von Wortbildung als ausgeschlossen gilt.

Die Zusammenrückung wird oft als Spezialfall der Komposition (Wortzusammensetzung) angesehen. Die Dudengrammatik wiederum beschreibt eine Zusammenrückung als Zusammensetzung (Komposition), an der ein Syntagma zu erkennen ist. Es handelt sich also um eine Wortgruppe.[1]

Beispiele: trotzdem, dabei, Hohepriesterin, Auto fahren.

Andere Autoren bezeichnen als Zusammenrückung einen Spezialfall der Wortbildung, in dem ein zur Bildung herangezogenes Wort eine Wortgruppe darstellt oder davon abgeleitet ist.

Beispiele: Saure-Gurken-Zeit (Wortgruppe) und Um-den-heißen-Brei-Schleicherei (Ableitung). Wenn man Zusammenrückung als Komposition von Zusammenbildung als Form der Ableitung (Derivation) unterscheidet, gehört „Um-den-heißen-Brei-Schleicherei“ als Ableitung in eine andere Kategorie.

Fälle wie „Hohepriesterin“, „Langeweile“ und „Saure-Gurken-Zeit“ haben als besonderes Merkmal, dass sie innerhalb des Wortes flektieren können.[2]

Als Zusammenrückungen werden auch sog. Satzwörter wie „Tunichtgut“ und Substantivierungen anderer Syntagmen wie „Nichtsnutz“ verstanden.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eva-Maria Heinle: Die Zusammenrückung. In: Hans Wellmann, Synchrone und diachrone Aspekte der Wortbildung im Deutschen. Winter, Heidelberg 1993, ISBN 3-8253-0014-5, S. 65–78.
  • Duden. Grammatik der deutschen Gegenwartssprache. Dudenverlag, Mannheim u. a. 1998: Nr. 778, 1011 ISBN 3-411-04046-7.
  • Helmut Glück (Hrsg.): Metzler-Lexikon Sprache. 2. Auflage. Metzler, Stuttgart/Weimar 2000.
  • Eva Neuland: Neuhochdeutsch. Fink, München 1986, ISBN 3-7705-2287-7, S. 152–153.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wiktionary: Zusammenrückung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Siehe auch Heinle 1993.
  2. Belege für flektierte Formen von Langeweile und Sauregurkenzeit in Hermann Paul, Deutsches Wörterbuch. Bedeutungsgeschichte und Aufbau unseres Wortschatzes. 10., überarbeitete und erweiterte Auflage von Helmut Henne, Heidrun Kämper und Georg Objartel. Niemeyer, Tübingen 2002, ISBN 3-484-73057-9, S. 587, 824 f.