Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent

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Filmdaten
Deutscher Titel Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent
Originaltitel Les Deux Anglaises et le Continent
Produktionsland Frankreich
Originalsprache Französisch, Englisch
Erscheinungsjahr 1971
Altersfreigabe FSK 12
Stab
Regie François Truffaut
Drehbuch François Truffaut
Jean Gruault
Musik Georges Delerue
Kamera Néstor Almendros
Schnitt Martine Barraqué
Yann Dedet
Besetzung

Zwei Mädchen aus Wales und die Liebe zum Kontinent (Originaltitel: Les Deux Anglaises et le Continent) ist ein Film von François Truffaut aus dem Jahr 1971. Truffaut drehte den Film, ebenso wie Jules und Jim, nach einem Roman von Henri-Pierre Roché. Hauptdarsteller Jean-Pierre Léaud ist auch der Antoine Doinel aus der gleichnamigen Filmreihe Truffauts.

Handlung[Bearbeiten]

Um 1900 macht der junge Franzose Claude Roc, ein Dandy und Kunst- und Frauensammler, die Bekanntschaft einer Engländerin namens Ann Brown (Tochter einer Freundin seiner Mutter), die ihn einlädt, seine Ferien bei ihrer Familie in Wales zu verbringen. Dort stellt sie ihm ihre jüngere Schwester Muriel vor und erreicht, dass Claude sich in Muriel verliebt. Die beiden puritanischen Schwestern sind fasziniert von dem ungezwungenen jungen Mann, den sie „Kontinent“ nennen. Doch die erhoffte Heirat von Muriel und Claude findet nicht statt: Ihre beiden Mütter halten sie für zu jung für eine Ehe und verlangen ein Jahr Trennung. Todunglücklich kehrt Claude nach Paris zurück und will durchhalten, aber sein freizügiges Leben gewinnt die Oberhand.

In der Zwischenzeit emanzipiert sich Ann und reist nach Paris, um Bildhauerin zu werden. Sie besucht Claude und wird seine Geliebte, ist sich aber zugleich bewusst, das Vertrauen Muriels, die Claude liebt, zu missbrauchen. Ann wird mit der Zeit Claudes Pendant in der Pariser Kunstszene. Sie nimmt sich sogar einen anderen Liebhaber, Diurka, was Claude trotz seiner liberalen Ansichten nur schlecht akzeptieren kann.

Das Drama erreicht seinen Höhepunkt, als Muriel vom Verhältnis Anns und Claudes erfährt. Sie wird schwerkrank und fällt in eine Depression, von der sie sich erst nach Jahren und mithilfe ihrer Religiosität erholt. Ihre Vorstellung von Reinheit trennt sie vom freien Leben ihrer Schwester.

Nun ist es Ann, die krank wird: Sie kehrt mit Tuberkulose nach Wales zurück und stirbt dort mit den Worten: „Ich habe den Mund voll von Erde."

Diese Worte werden Claude von Diurka überbracht, der sich zu Ann begeben hatte, um ihr einen Heiratsantrag zu machen.

Claude, am Boden zerstört, schreibt daraufhin einen Roman, in dem er eine Frau zwei Männer lieben lässt – ein Schlüsselroman über seine Erlebnisse mit den beiden Schwestern Brown mit dem Titel „Jérôme et Julien“. Diurka, der Verleger, kümmert sich um die Veröffentlichung. Claude sagt zu ihm: „Im Augenblick habe ich das Gefühl, dass es die Personen dieses Buches sind, die an meiner Stelle gelitten haben.“

Für Muriel, die von da an weiß, dass die Zeit drängt, zählt nur eines: Claude zu finden und zu lieben. Das tut sie, nur eine Nacht lang, und lässt ihn am Morgen verzweifelt zurück. Muriel verlässt ihn und beharrt darauf, dass sie niemals zusammen glücklich sein könnten. Eine letzte Hoffnung lässt Claude an ein Zusammenleben mit Muriel glauben: als sie meint, schwanger zu sein, doch diese Hoffnung erlischt, als Muriel ihm brieflich mitteilt, dass sie sich geirrt hat.

Viele Jahre gehen vorbei. Muriel hat geheiratet und eine Tochter bekommen. Mitte der zwanziger Jahre geht Claude, der niemals geheiratet hat, im Park des Rodin-Museums spazieren; er denkt an die Skulpturen Anns und an seine Liebe zu diesen beiden englischen Schwestern, als eine Gruppe junger Schülerinnen seine Aufmerksamkeit auf sich zieht. Er betrachtet sie und sucht das Gesicht von Muriel unter ihnen. Beim Weggehen sieht er in einem Autofenster sein gealtertes Antlitz – er trägt eine Brille und einen Bart – und meint erschrocken: „Ich sehe heute alt aus!“

Hintergrund[Bearbeiten]

Truffaut sagte über seinen Film: „Es gibt manchmal in der Liebe eine echte Gewalt der Gefühle, die wollte ich filmen. Ich meine damit nicht nur die Umarmungen, die ich versucht habe, objektiv und roh zu filmen, ohne Musik, sondern auch die Geständnisse, die Beichten, die Trennungen, die zur Folge haben, dass Personen sich erbrechen müssen oder in Ohnmacht fallen. Um es in einen Satz zu bringen: Ich habe nicht versucht, einen Film über körperliche Liebe sondern einen körperlichen Film über die Liebe zu machen.“[1]

Kritiken[Bearbeiten]

Der film-dienst urteilte: „Ästhetisch sorgfältig komponierter und psychologisch vielschichtiger Film, der die Vielfalt der Gefühle schildert und Ursachen spürbar werden läßt, die diese Menschen zu einer dauerhaften Beziehung unfähig macht. Ein Diskurs über die Unmöglichkeit absoluter Liebe, die eine ebenso verlockende und zerstörerische Utopie darstellt.“

Die Zeit ließ am 9. Februar 1973 verlauten: „Ganz kühl und konzentriert demonstriert der Regisseur in seinem nach eigener Einschätzung ‚wahrscheinlich ernstesten Film‘ die Distanz zwischen den beiden Geschichten, den Unterschied von romantischer Fiktion und bitterer Biographie. Es ist ein sehr schöner, sehr trauriger Film über die Fragilität von Emotionen, über den langsamen Tod einer Liebe.“[2]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Zitat laut Arte, abgerufen am 17. Januar 2008.
  2. Filmtips. In: Die Zeit, Nr. 7/1973.