Zweier ohne Steuermann

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Zweier ohne Steuermann
GB Pair at Henley 2004.JPG
Offiziell 2- Coxless Pair
Länge ca. 10 m
Mindestgewicht 27 kg
Olympische Bootsklasse
Männer 1904, 1908, seit 1924
Frauen seit 1976
Weltbestzeiten (2000m)
Männer: 6:08.50 (28. Juli 2012 in London)
Flag of New Zealand.svg Eric Murray, Hamish Bond
Frauen: 6:53.80 (21. September 2002 in Sevilla)
Flag of Romania.svg Georgeta Andrunache, Viorica Susanu

Der Zweier ohne Steuermann oder Zweier ohne Steuerfrau ist eine Bootsklasse im Rudern, bei der jeder Ruderer ein Ruder (Riemen) betätigt. Daher auch der alternative Begriff Riemen-Zweier. Der Zweier ohne ist die technisch anspruchsvollste Bootsklasse. Das liegt zum einen an der Schwierigkeit, das Gleichgewicht zu halten: Ruderboote werden vor allem durch die Ruder im Gleichgewicht gehalten. Im Zweier ohne ist jeder Ruderer allein für eine Seite verantwortlich und muss sich daher voll auf seinen Partner verlassen.

Schlagtechnik[Bearbeiten]

Eine Besonderheit bei dieser Bootsklasse ist, dass sich beim Rudern mit Riemen die optimale Schlagtechnik zwischen den beiden Plätzen unterscheidet. Wenn beide genau gleich rudern, läuft das Boot deutlich sichtbar in Schlangenlinien. Es giert im Schlagtakt. Der Grund dafür liegt darin, dass die Ruder im Laufe des Schlages ein unterschiedliches Drehmoment auf das Boot ausüben. Im ersten Teil des Schlags, wenn die Riemen nach vorne zum Bug geschwenkt sind, greift das Ruderblatt des vorderen Ruderers in einem größeren Abstand zum Schwerpunkt des Bootes ins Wasser. Dadurch wird trotz gleicher Kraft auf die Ruder das Boot in eine leichte Kurve getrieben. Im hinteren Teil des Schlages, wenn die Ruder nach hinten geschwenkt sind, kehren sich die Verhältnisse um und das Boot macht eine leichte Kurve in die entgegengesetzt Richtung. Insgesamt kommt das Boot zwar geradeaus voran, jedoch verliert es durch die ständige Kurvenfahrt Energie.

Mit einer geeigneten Schlagtechnik kann der Energieverlust durch Schlangenlinien minimiert werden. Die Ruderer müssen unterschiedlich ziehen damit sich die Drehmomente auf das Boot während des Schlags ausgleichen. Der hinten sitzende Schlagmann sollte sein Kraftmaximum etwas früher als der Bugmann erreichen.

Neben den physiologischen Besonderheiten kommen im Zweier besondere Anforderungen an die Wahrnehmung zum Tragen. Aufgrund der Verschiedenheit der gegebenen Möglichkeiten im Boot müssen beide Ruderer mit unterschiedlichen Informationen und Feedbacks auskommen. Gute Zweier-Ruderer sind in der Lage, sich auf den jeweiligen Partner einzustellen.

Erfolgreiche Ruderer im Zweier ohne Steuermann[Bearbeiten]

Als erfolgreichste Zweier-Ruderer in der Geschichte gelten Sir Matthew Pinsent (4 x olympisches Gold und 7 Weltmeistertitel) und Sir Steve Redgrave (5 x olympisches Gold und 5 Weltmeistertitel). Herausragende Erfolge erzielten aber auch die deutschen Ruderer Bernd Landvoigt und Jörg Landvoigt, die zweimal Olympiasieger und viermal Weltmeister in dieser Bootsklasse wurden.

Literatur[Bearbeiten]

  • Stephan Fahrig Bundesinstitut für Sportwissenschaft (Hrsg.): Zur Interaktionsproblematik im Riemenzweier der Sportart Rudern. Sportverlag Strauß, 2010, ISBN 978-3-86884-514-3.
  • Dirk Kurbjuweit: Zweier ohne. (Novelle)
  • Stephan Fahrig Kerstin Witte: Koordination der Interaktion im Ruderzweier ohne Steuermann. In: Leistungssport. 1/2007, Philippka-Verlag.
  • Stephan Fahrig Kerstin Witte: Untersuchungen zur Koordination der Interaktion im Ruderzweier ohne Steuermann. Forschungsbericht zum Forschungsprojekt VF07/06/10/2005 am Bundesinstitut für Sportwissenschaft.
  • Stephan Fahrig Jörg Reinking, Kerstin Witte, Volker Lippens: GPS-gestützte Analyse der Gierbewegung im Ruderzweier o. Stm. zur Untersuchung von Interaktionsfehlern. anlässlich des Sport&Technik Symposiums SPOTEC in Magdeburg, 2005.