Zweifall

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Zweifall
Koordinaten: 50° 43′ 5″ N, 6° 15′ 25″ O
Höhe: 253 m
Fläche: 20,37 km²
Einwohner: 1646 (2008)
Bevölkerungsdichte: 81 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1972
Eingemeindet nach: Stolberg
Postleitzahl: 52224
Vorwahl: 02402
Zweifall (Nordrhein-Westfalen)
Zweifall

Lage von Zweifall in Nordrhein-Westfalen

Luftaufnahme von Zweifall
Luftaufnahme von Zweifall
Katholische Pfarrkirche St. Rochus
Sägewerk in Zweifall

Zweifall ist seit 1972 der südlichste Stadtteil der nordrhein-westfälischen Stadt Stolberg (Rhld.) in der Städteregion Aachen im Regierungsbezirk Köln.

Strittig ist die Herkunft des Ortsnamens Zweifall. Eine populäre Theorie besagt, dass er aus dem Zusammentreffen der Bäche Vicht und Hassel herrührt. Diese Deutung ist aber etymologisch nicht zu halten. Wahrscheinlicher ist, dass das Wort „Zweifel“ namensgebend war. Das Eisenwerk, das dort aufgrund des Holzreichtums und der Bachläufe errichtet wurde, lag an der Grenze zwischen dem Jülicher- und dem Münsterländchen (noch heute heißt die aus dem Ort herausführende Straße „Münsterau“), sodass man „im Zweifel“ war, wozu dieser neu in Entstehung begriffene Ort zu zählen war. Doch auch diese Deutung der Namensgebung ist nicht eindeutig bewiesen.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zweifall liegt in einem Talkessel am Zusammenfluss des Vicht- und des Hasselbachs. Naturräumlich im Hohen Venn (Nördliche Vennabdachung, Ordnungsnummer 283.1) [1] und ist Teil des Naturparks Nordeifel. Nachbarorte sind Breinig im Westen, Vicht im Norden und Roetgen-Mulartshütte im Südwesten. Zwischen Zweifall und Vicht liegen viele Holzhandlungen und Reitwerke wie Junkershammer, Platenhammer und Neuenhammer.

Ortsteile[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Finsterau ist ein südlicher Ortsteil Zweifalls in der Nähe der Stadtgrenze zu Roetgen mit westlich vorbeifließendem Vichtbach.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Urkundlich wird Zweifall zum ersten Male im 13. Jahrhundert erwähnt. Ein Hüttenmeister soll dort, wo die Vicht und die Hassel zusammenfallen, sein Eisenwerk erbaut haben. Aus dem Fall der zwei Bäche könnte man den Namen Zweifall ableiten. Eine andere Meinung geht dahin, dass besagter Hüttenmeister nicht gewusst habe, zu wessen Hoheitsgebiet dieser Landstrich gehörte und dass er seinen Besitz deshalb Zwiefall genannt habe.

1548 gab es den ersten lutherischen Gottesdienst in Zweifall, 1675 entstand daraus die evangelische Gemeinde. Deren nach dem Westfälischen Frieden errichtete Kirche von 1683/84 ist eine der ältesten originär evangelischen Kirchen der Region.[2]

Zweifall gehörte bis zum Ende des 18. Jahrhunderts mit dem Teil, der östlich des Hasselbaches und der Vicht war, zum Amt Wehrmeisterei und dem anderen Teil zum Amt Monschau (Montjoie) im Herzogtum Jülich. Unter der preußischen Verwaltung gehörte der Ort ab 1816 zur Bürgermeisterei Roetgen im Kreis Monschau.

Bis 1969 gehörte Zweifall als eigenständige Gemeinde zum ebenfalls aufgelösten Kreis Monschau und dieser zum ebenfalls aufgelösten Regierungsbezirk Aachen. Am 1. Juli 1969 wurde der Ort in die Gemeinde Roetgen eingegliedert[3], aber bereits am 1. Januar 1972 in die Stadt Stolberg (Rhld.) umgegliedert.[4]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Karmelitinnenkloster „Maria Königin“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum der evangelischen Kirche.

Sehenswert ist das Karmelitinnenkloster Maria Königin aus dem Jahre 1954/55, dessen Hostienbäckerei Teile des Bistums Aachen mit Hostien versorgt. Am 10. Januar 2006 hob die vatikanische Ordenskongregation das Kloster auf.[5] Seitdem hält die verbliebene Nonne das Klostergebäude besetzt und erklärte ihre Absicht, einer drohenden Zwangsräumung keine Folge zu leisten.[6] Ein Verkauf steht in Aussicht. [7]

Evangelische Kirche Zweifall[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die evangelische Kirche stammt aus dem Jahre 1683. Sehenswert ist der Kanzelaltar aus weißem Marmor und dunkelblau gestrichenem Holz sowie der Posaunenengels auf dem Turm.

Waldlehrpfade und Naturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Wanderer lohnen sich der Waldlehrpfad im Solchbachtal, der Naturlehrpfad Roggenläger und der Aussichtspunkt „Zur Fernsicht“, der einen Blick über das gesamte Tal bietet. Erwähnenswert ist im Ort das große Kreuz und der Gedenkstein für die Kriegsopfer.

Naturdenkmäler in und um Zweifall sind eine Esche auf dem evangelischen Friedhof und eine Gruppe Lagerfichten am Ufer des Hasselbachs (Im Jagen 113).

Museumssägewerk[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Ortsrand befindet sich seit März 2009 ein Museumssägewerk. Es zeigt historische Werkzeuge aus der Waldarbeit und demonstriert der Öffentlichkeit historische Sägewerkstechnik.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die AVV-Buslinien

  • Linie 8: Zweifall - Vicht - Stolberg Mühlener Bf - Velau - Pumpe - Eschweiler Bushof und
  • Linie 42: Gressenich / (Zweifall) - Vicht - Breinig - Dorff - Büsbach - Münsterbusch - Mühlener Bf - H.-Böckler-Str. / (Stolberg Hbf)

verbinden Zweifall mit Stolberg und darüber hinaus.

Die nächste Autobahnanschlussstelle ist Aachen-Brand auf der A 44.

Vereine[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

St. Sebastianus Schützenbruderschaft 1824 Zweifall e.V.[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußball[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste Mannschaft des VfL Zweifall spielte bis 2008 in der Kreisliga B. Anfang 2008 wurde die Fusion des Vereins mit dem benachbarten VfB Vicht zum VfL 08 Vichttal 1927/1937 e.V. beschlossen. Ab der Saison 2008/2009 spielten die ehemals selbständigen Vereine VfL Zweifall und VfB Vicht als VfL Vichttal in der Kreisliga A.

Seit dem Sommer 2011 verfügte der VfL 08 Vichttal auf seinem Vereinsgelände, dem Sportpark Dörenberg, über den ersten Kunstrasenplatz und ein Kunstrasenkleinspielfeld auf Stolberger Stadtgebiet. Durch nachhaltigen Zulauf im Jugendbereich ist der VfL 08 Vichttal, der größte Fußballverein in Stolberg geworden – er verfügt in der Saison 2012/13 über 19 Jugendmannschaften und 5 Seniorenmannschaften sowie eine Vertretung der "Alten Herren".

Tennis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1977 wurde der Tennisverein „TC Zweifall e.V.“ gegründet, der seit 1981 im Ortsteil Finsterau seine sportliche Heimat hat. Die im Wald gelegene Platzanlage verfügt über 4 Aschenplätze.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ewald Gläßer: Die naturräumlichen Einheiten auf Blatt 122/123 Köln Aachen. In: Bundesforschungsanstalt für Landeskunde und Raumordnung (Hrsg.): Geographische Landesaufnahme 1:200000 Naturräumliche Gliederung Deutschland. Selbstverlag, Bad Godesberg 1978 (online, PDF [abgerufen am 16. Februar 2016] hohes Venn, deutscher Anteil, Karte Geographische Landesaufnahme, naturräumliche Gliederung, siehe hier Teil 283.0 und 283.1).
  2. Zur Geschichte der Protestanten im Raum Aachen. Kirchenkreis Aachen
  3. Martin Bünermann: Die Gemeinden des ersten Neugliederungsprogramms in Nordrhein-Westfalen. Deutscher Gemeindeverlag, Köln 1970, S. 78.
  4. Statistisches Bundesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis für die Bundesrepublik Deutschland. Namens-, Grenz- und Schlüsselnummernänderungen bei Gemeinden, Kreisen und Regierungsbezirken vom 27.5.1970 bis 31.12.1982. Kohlhammer, Stuttgart 1983, ISBN 3-17-003263-1, S. 305.
  5. Raus aus dem Kloster!, Die Zeit, 44. Woche 2006
  6. Klosterbesetzung bei Aachen / Zwei Nonnen, ein Hund und sehr viel Widerstand, Focus, 31. August 2011
  7. http://www.aachener-zeitung.de/lokales/stolberg/zweifaller-kloster-steht-der-verkauf-kurz-bevor-1.1422528

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Mätschke, Dieter: Stolberger Wanderungen. Bd. 2: Im Naturpark Nordeifel, Meyer & Meyer Verlag, Aachen 1991. ISBN 3-89124-105-4
  • Zweifall – Wald- und Grenzdorf im Vichttal. Zweite erweiterte Auflage des Zweifaller Heimatbuchs von Johannes Bendel im Auftrage der Gemeinde Zweifall neu bearbeitet von Dr. Heinrich Koch unter Mitarbeit von Dr. Ella Bieroth, Günther Hörnig, Werner Kleingarn, Werner Nerlich und Max Premer. Monschau 1968.
  • Ewald Berninghaus: Rede bei der Weihe der von Sr. Majestät dem deutschen Kaiser Wilhelm I. der evang. Gemeinde zu Zweifall zum Andenken an ihr dreihundertjähriges Jubiläum geschenkten Glocke am 29. October 1876 in der ev. Kirche zu Zweifall gehalten. Bertelsmann, Gütersloh 1877 (Digitalisierte Ausgabe der Universitäts- und Landesbibliothek Düsseldorf)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zweifall – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien