Zweizylindermotor

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zweizylinder-V-Motor in einer Ducati
Zweizylinder-Reihenmotor (Parallel-Twin) in einer Laverda
Zweizylinder-Boxermotor in einer Douglas

Ein Zweizylindermotor, kurz Zweizylinder oder englisch Twin, ist ein Hubkolbenmotor mit zwei Zylindern, zwei Kolben und zwei Brennräumen.

Als Weiterentwicklung von Einzylindermotoren ermöglichen Zweizylindermotoren eine höhere Hubraumleistung sowie in den meisten Bauformen einen Ausgleich der Trägheitskräfte ohne zusätzliche Bauteile wie Ausgleichswellen.

Mit den ersten Zweizylindern erarbeiteten zwei Unternehmen Ende des 19. Jahrhunderts binnen weniger Jahre alle grundlegenden Konzepte von Mehrzylindermotoren, die weite Verbreitung fanden.

Den ersten Zweizylindermotor entwickelten Gottlieb Daimler und Wilhelm Maybach 1889 als V-Motor.[1] Beide Pleuel sind an einer Kröpfung der Kurbelwelle angelenkt. Mit einem Zylinderbank­winkel von 90° ist dann der Ausgleich der Trägheitskräfte am besten, weil sich die Kolben gegenseitig optimal dabei unterstützen, die Totpunkte zu überwinden.

Den ersten Reihenmotor, ebenfalls als Zweizylinder, schufen 1892 wiederum Daimler und Maybach.[2] Ein Zweizylinder-Reihenmotor, auch Parallel-Twin genannt, bringt entweder eine gleichmäßige Abfolge der Zündungen mit sich oder durch Anlenkung der Pleuel an versetzten Kröpfungen der Kurbelwellen einen, allerdings nur mäßigen, Ausgleich der Trägheitskräfte.

1897 entwickelte Carl Benz den ersten Boxermotor als Zweizylinder.[3] Die Zylinder sind in einem Winkel von 180° zueinander angeordnet und die Pleuel an um 180° versetzten Kröpfungen an der Kurbelwelle angelenkt. Entweder bewegen sich beide Kolben in entgegengesetzter Richtung auf die Kurbelwelle zu oder in entgegengesetzter Richtung von der Kurbelwelle weg. Die Trägheitskräfte gleichen sich nahezu vollständig aus und die Abfolge der Zündungen ist gleichmäßig.

Morgan Super Sport Threewheeler mit Zweizylinder V-Motor (ca. 1930)

Zweizylindermotoren waren in der Frühzeit des Automobils beliebt zum Antrieb von Voiturettes und leichten Automobilen. Größere Verbreitung fanden hierbei die Reihenzweizylinder von De Dion-Bouton[4], die sich in mehreren eigenen Baureihen finden und auch von anderen Automobilherstellern als Einbaumotoren zugekauft oder unter Lizenz nachgebaut wurden, und von Clément-Bayard[5]. Zweizylindermotoren wurden zudem bis in die 1930er Jahre überwiegend in Cyclecars[6] und Threewheelern verwendet, die oft unter Einbezug weiterer Motorrad-Komponenten konstruiert waren.

Während alle drei Zweizylinder-Bauformen seit jeher häufig in Motorrädern eingesetzt werden, sind in Automobilen zumindest Zweizylinder-V-Motoren selten. Die meistgebauten Automobile mit Zweizylinder-Reihenmotor waren der Fiat Nuova 500 und der Fiat 126. Das meistgebaute Automobil mit Zweizylinder-Boxermotor ist der Citroën 2CV.

2009 wurde der Tata Nano mit Zweizylinder-Reihen-Otto-Motor vorgestellt. Auch ein entsprechender Zweizylinder-Dieselmotor war geplant.

2010 hat Fiat einen Zweizylinder-Parallel-Twin im Fiat 500 eingeführt. Das Triebwerk wird unter dem Namen Twin-Air vermarktet, und auch bei Alfa Romeo Mito und bei Lancia Ypsilon verbaut.

Im BMW i3 REx von 2014 übernimmt ein Zweizylinder-Reihenmotor, der von einem Motor für einen Motorroller adaptiert wurde, die Rolle des Range Extenders.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zweizylindermotor – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Literatur[Bearbeiten]

  • Jacques Rousseau: Guide de l'Automobile française, Éditions Solar, Paris (1988); ISBN 2-263-01105-6 Hardcover (Französisch)

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Fahrzeugmotor „V-Motor“, 1889. Deutsches Museum. Abgerufen am 16. Januar 2010.
  2. Gottlieb Daimler. Tabellarischer Lebenslauf im LeMO (DHM und HdG)
  3. Die Erfindung des Boxer-Motors: Der Benz Contra - Motor entsteht im Jahr 1897. Daimler AG. 1. Februar 2007. Abgerufen am 16. Januar 2010.
  4. Rousseau: Guide de l'Automobile française, Tafel 101
  5. Rousseau: Guide de l'Automobile française, Tafel 17
  6. Rousseau: Guide de l'Automobile française, Tafel 18