Zwerchhaus

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Rathaus Altdorf bei Nürnberg mit Zwerchhaus
Zwerchhäuser in der Art der Weserrenaissance auf Schloss Hämelschenburg, 1588
Das Alte Rathaus von Leipzig mit seinen charakteristischen sechs Zwerchgiebeln (Historische Aufnahme, um 1890)

Das Zwerchhaus (bzw. die Lukarne) ist ein ein- oder mehrgeschossiger Aufbau eines geneigten Daches. Es hat einen Giebel und ein eigenes Dach.

Beschreibung[Bearbeiten]

Der Zwerchgiebel steht in der Flucht der Gebäudeaußenwand.[1] Dadurch unterscheidet sich das Zwerchhaus von der Gaube, die unabhängig von den Außenwänden auf dem Dach positioniert ist. Das Dach des Zwerchhauses ist häufig als Satteldach ausgebildet. Dessen First verläuft quer (zwerch)[2] zum Dachfirst des Hauptdachs. Entsprechend stehen die Traufen von Zwerchdach und Hauptdach rechtwinklig zueinander. Das Zwerchhaus wird von einem Zwerchdach bedeckt, das als Flach-, Zelt-, Pult-, Sattel- oder Walmdach ausgebildet sein kann.

Zwerchhäuser wurden bereits in den Städten des späten Mittelalters gebaut (ab 14. Jahrhundert), sobald innerhalb der Stadtmauer mehr Speicher-, seltener Wohnfläche benötigt wurde. Bei hohen Dachstühlen ermöglichten tragende Binder das Einfügen der Quergiebel und damit eine bessere Belichtung des Dachraums[3]. Zwerchhäuser entwickelten sich zu einem charakteristischen Architekturelement der deutschen Renaissance. Sie wurden auf Dächern von repräsentativen Gebäuden errichtet und gliederten große Dachflächen. In dieser Zeit wurden sie häufig mit Säulenstellungen, Lisenen, Gesimsen, Voluten und Fenstern unterschiedlicher Formen verziert. Seit dem 17. Jahrhundert wurden immer mehr Dachböden durch Zwerchhäuser genutzt.

Auch heute werden Dachaufbauten oft mit Zwerchhäusern ausgeführt. Sie verändern eine Dachlandschaft wesentlich stärker als einfache Gauben oder Dachflächenfenster. Ein nachträglicher Dachaufbau kann daher bei Baubewilligungsbehörden oder der Denkmalpflege auf Einwände stoßen.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Eyvind Unnerbäck: Welsche Giebel. Ein italienisches Renaissancemotiv und seine Verbreitung in Mittel- und Nordeuropa (= Antikvariskt Arkiv 42, ZDB-ID 0083-6737). Almqvist & Wiksell, Stockholm 1971.

Weblinks[Bearbeiten]

 Wiktionary: Zwerchhaus – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

Einzelnachweise und Fußnoten[Bearbeiten]

  1. dtv-Lexikon. Band 20. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1992, ISBN 3-423-05998-2, S. 321.
  2. Wortherkunft: Gerhard Wahrig: Deutsches Wörterbuch. Bertelsmann Lexikon-Verlag, Gütersloh 1971, ISBN 3-570-06588-X, S. 4179.
  3. dtv-Atlas zur Baukunst. Band 2. Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1981, ISBN 3-423-03021-6, S. 367.