Zwickau (Sachs) Hauptbahnhof

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Zwickau (Sachs) Hbf
Empfangsgebäude mit Bahnhofsvorplatz
Empfangsgebäude mit Bahnhofsvorplatz
Daten
Betriebsstellenart Bahnhof
Lage im Netz Trennungsbahnhof
Bauform Keilbahnhof
Bahnsteiggleise 8
Abkürzung DZW
IBNR 8010397
Kategorie 3
Eröffnung 18. September 1845
Architektonische Daten
Architekt Otto Falck (1933)
Lage
Stadt/Gemeinde Zwickau
Land Sachsen
Staat Deutschland
Koordinaten 50° 42′ 54″ N, 12° 28′ 37″ OKoordinaten: 50° 42′ 54″ N, 12° 28′ 37″ O
Eisenbahnstrecken
Bahnhöfe und Haltepunkte in Sachsen
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Zwickau (Sachs) Hauptbahnhof ist der Hauptbahnhof der südwestsächsischen Stadt Zwickau. Er ist in die Bahnhofskategorie 3 der DB Station&Service eingestuft und liegt an den Bahnstrecken Dresden–Werdau, Schwarzenberg–Zwickau und Zwickau–Falkenstein. Früher hatte dort auch die heute teilweise stillgelegte Bahnstrecke Zwickau–Crossen–Mosel ihren Ausgangspunkt.

Eröffnet wurde der Bahnhof 1845, danach entwickelte sich die Station recht bald zu einem wichtigen regionalen Bahnknotenpunkt. Neben dem Personenverkehr hatte der Bahnhof auch für den Güterverkehr Bedeutung und war wegen des Bergbaus im Zwickauer Steinkohlenrevier lange Zeit der größte Güterbahnhof Sachsens. Mit der Einstellung des Bergbaus sowie dem wirtschaftlichen Niedergang nach der Wende hat der Bahnhof viel von seiner früheren Bedeutung eingebüßt. Bis vor einigen Jahren bestand noch Personenfernverkehr, heute halten dort nur noch Nahverkehrszüge und die Züge der S-Bahn Mitteldeutschland.

Bahnhofsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Bahnhof trug während seiner Betriebszeit schon fünf unterschiedliche Namen, im Einzelnen waren dies:

  • bis 31. März 1895: Zwickau
  • bis 30. Juni 1911: Zwickau Bahnhof
  • bis 21. Dezember 1933: Zwickau (Sa)
  • bis 14. Mai 1938: Zwickau (Sachs)
  • seit 15. Mai 1938: Zwickau (Sachs) Hbf

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwickau wurde am 18. September 1845 über eine Zweigstrecke zusammen mit dem Abschnitt Crimmitschau–Werdau der Bahnstrecke Leipzig–Hof an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Das erste Bergwerk des Zwickauer Steinkohlenreviers erhielt 1847 über die Bürgerschachtbahn einen Gleisanschluss, die südlich gelegenen Bergwerke wurden 1854 über die Kohlenbahn Zwickau–Bockwa angebunden, 1858 erfolgte die Verlängerung dieser Strecke bis Schwarzenberg. Im selben Jahr wurde der Streckenabschnitt Chemnitz−Zwickau der Bahnstrecke Dresden–Werdau eröffnet. 1875 eröffnete die recht bald verstaatliche Zwickau-Lengenfeld-Falkensteiner Eisenbahn-Gesellschaft die Bahnstrecke Zwickau–Falkenstein.[1] Die letzte Erweiterung des Streckennetzes erfolgte 1892, als die Industriebahn Zwickau–Crossen–Mosel in Betrieb ging.

Das erste Bahnhofsgebäude wurde 1845 in Holzbauweise errichtet. Weil es schon bald nicht mehr den wachsenden Anforderungen entsprach, wurde es 1858 durch einen Neubau ersetzt.[1]

Vor allem durch den Kohleversand des Bergbaus entwickelte sich die Zwickauer Station im Güterverkehr zum größten Bahnhof Sachsens. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg musste sich infolge des zunehmenden Verkehrs die Eisenbahnverwaltung dazu entschließen, eine Erweiterung des Werkstätten- und Güterbahnhofes vorzunehmen. In der Zeit um 1914 frequentierten jährlich 2,3 Millionen Reisende den Zwickauer Hauptbahnhof. Der tägliche Zugverkehr betrug 130 Personen- und 280 Güterzüge. Jährlich wurden 3,5 Millionen Tonnen Güter umgeschlagen. Allein die Bergwerke benötigten täglich 800 Eisenbahnwagen für den Kohleversand. Nach dem Ersten Weltkrieg kam die Eisenbahnverwaltung nicht umhin, Planungen zur Erweiterung des Zwickauer Hauptbahnhofes für den Güter- und Personenverkehr in Auftrag zu geben,[2] 1919 begann man mit dem Umbau. Damit einher ging eine gründliche Umgestaltung der restlichen Zwickauer Eisenbahnanlagen.[3] Durch die in den 1930er Jahren stark wachsende Zwickauer Autoindustrie wuchs der Güterverkehr in die umliegenden Regionen weiter an. Das von Mai 1933 bis 1936 für den Personenverkehr neu erbaute Bahnhofsgebäude wurde nach den Plänen von Reichsbahn-Oberbaurat Otto Falck errichtet. Es ist ein mit Hartbrand–Glasurziegeln verklinkerter Kuppelbau in den klaren Linien des Bauhausstils der zu Ende gehenden 1920er Jahre. Er wurde am 17. Dezember 1936 eröffnet,[4] das alte Empfangsgebäude wurde daraufhin 1937 abgerissen. Bedingt durch den Zweiten Weltkrieg wurden die Umbauarbeiten 1941 abgebrochen. Am Kriegsende wurde der Bahnhof mehrfach das Ziel von alliierten Bombenangriffen, dabei entstand erheblicher Schaden, das Empfangsgebäude wurde aber nicht in Mitleidenschaft gezogen.

Die positive Entwicklung setzte sich in den 1950er Jahren fort. Am 25. Mai 1963 wurde der durchgehend elektrische Eisenbahnbetrieb auf der zum sächsischen Dreieck gehörenden Teilstrecke zwischen Altenburg und Zwickau aufgenommen. 1970 wurde auf dem unmittelbar neben dem Hauptbahnhof liegenden Güterbahnhof ein großes Container-Terminal errichtet, das am 11. Januar 1972 in Betrieb ging. Im November 1976 wurde Zwickau an das Städteexpress-Netz angeschlossen, als der Städteexpress Sachsenring erstmals verkehrte. Der Städteexpress wurde 1991 wieder eingestellt.

Im Jahr 2011 wurden im Rahmen des Konjunkturpakets I der Bundesrepublik Deutschland fünf Aufzüge installiert.[5]

Seit Dezember 2013 ist der Bahnhof in das Netz der S-Bahn Mitteldeutschland eingebunden.

Ausblick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die DB Fernverkehr AG plant, Zwickau wieder an das Fernverkehrsnetz anzuschließen. Eine IC-Linie soll nach Elektrifizierung der Bahnstrecke Hof–Regensburg, frühestens 2022, von München über Regensburg, Hof, Zwickau, Chemnitz nach Dresden bzw. weiter nach Berlin gehen.[6]

Bahnstrecken und -betrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schalterhalle (2014)
Bahnsteigansicht

Der Zwickauer Hauptbahnhof ist als Keilbahnhof konzipiert. Die Bahnsteige eins bis vier sind für die in Ost-Westrichtung verlaufende Hauptbahnstrecke von Dresden nach Nürnberg angelegt, wohingegen die Bahnsteige fünf bis acht für die in Nord-Südrichtung von Leipzig ins Westerzgebirge sowie von Zwickau ins Vogtland nach Falkenstein, Klingenthal und Auerbach verlaufenden Strecken vorgesehen wurden. In unmittelbarer Nähe zu diesen Bahnsteigen wurde gleichzeitig das Zwickauer Bahnpostamt errichtet.

Eine Besonderheit ist die als Zwickauer Modell bekannte Bahnstrecke Zwickau–Zwickau-Zentrum. RegioSprinter der Länderbahn, die neben der regulären Ausstattung für den Eisenbahnbetrieb nach EBO zusätzlich für den Betrieb nach BOStrab ausgerüstet sind, fahren über ein Anschlussgleis und daran anschließende Straßenbahngleise bis zur Haltestelle Zwickau Zentrum. In Höhe des Stellwerks W5 an der Bahnstrecke Schwarzenberg–Zwickau zweigt ein Gleis in Richtung Stadthalle ab. Ab der Haltestelle Stadthalle fahren die Züge auf einem Dreischienengleis gemeinsam mit der Zwickauer Straßenbahn bis zur Haltestelle Zentrum.

Verkehrsanbindung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regionalverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Fahrplanjahr 2019 halten in Zwickau folgende Linien:

Linie Linienverlauf Takt (min) EVU
RE 3 Hof – Plauen – Zwickau – Glauchau – Chemnitz – Freiberg – Dresden 060 Mitteldeutsche Regiobahn
RB 30 Zwickau – Glauchau – Chemnitz – Freiberg – Dresden 060 (HVZ 30 Chemnitz–Zwickau) Mitteldeutsche Regiobahn
RB 95 Zwickau – Aue – Schwarzenberg – Johanngeorgenstadt 060 DB RegioNetz
Erzgebirgsbahn[7]
RB 1 Zwickau Zentrum – Zwickau – Falkenstein – Zwotental – Klingenthal – Kraslice (– Karlovy Vary) 060 (Zwickau–Falkenstein)
120 (Falkenstein–Kraslice)
Vogtlandbahn
RB 2 Zwickau Zentrum – Zwickau – Reichenbach – Plauen – Adorf – Bad Brambach (– Cheb) 060 (Zwickau–Plauen)
120 (Plauen–Bad Brambach)
Vogtlandbahn
S 5 Zwickau – Werdau – Gößnitz – Altenburg – Markkleeberg – Leipzig – Flughafen Leipzig/HalleHalle 120 DB Regio Südost
S 5X Zwickau – Werdau – Gößnitz – Altenburg – Markkleeberg – Leipzig – Flughafen Leipzig/Halle – Halle 060 DB Regio Südost

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenbahn unterwegs vom Hauptbahnhof in Richtung City

Der etwas abseits liegende Hauptbahnhof ist durch die Straßenbahnlinien 5 und 7 sowie die Buslinie 10 der Städtischen Verkehrsbetriebe Zwickau an die Innenstadt angebunden. Der Straßenbahnbetrieb endet an Werktagen bereits gegen 17 Uhr, an Wochenenden wird der Hauptbahnhof von der Straßenbahn überhaupt nicht angefahren.

Am Hauptbahnhof beginnen zahlreiche Regionalbuslinien, diese werden überwiegend vom Regionalverkehr Westsachsen betrieben.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Zwickau (Sachs) Hauptbahnhof – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Klaus Reichenbach: Straßenbahn in Zwickau, Verlag Kenning, Nordhorn 1997, S. 6.
  2. Stadtbaurat Ebersbach – „Zwickau“, in Deutschlands Städtebau, Deutscher Architektur- und Industrie-Verlag (DARI), Berlin Halensee 1921
  3. Norbert Peschke: Verkehrsknoten Zwickau – Band 1: Bahnhöfe in und um Zwickau, S. 59
  4. Klaus Reichenbach: Straßenbahn in Zwickau, Verlag Kenning, Nordhorn 1997, S. 50.
  5. Bahnsteige im Zwickauer Hauptbahnhof stufenfrei erreichbar. Deutsche Bahn AG, 28. April 2011, abgerufen am 2. April 2012.
  6. Mehr Bahn für Metropolen und Regionen. Die größte Kundenoffensive in der Geschichte des DB Fernverkehrs. Deutsche Bahn AG, 18. März 2015, archiviert vom Original am 4. April 2015; abgerufen am 25. April 2015.
  7. Impressum. In: erzgebirgsbahn.de. Abgerufen am 20. Februar 2019.