Zytokinsturm

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Ein Zytokinsturm, synonym Hyperzytokinämie, ist eine Überreaktion des Immunsystems, bei der hohe Konzentrationen an entzündlichen Zytokinen gebildet werden, die wiederum Leukozyten zur Bildung weiterer Zytokine bringen (Positive Rückkopplung).[1]

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge einer Immunreaktion werden Zytokine gebildet, um weitere Immunzellen an den Ort der Entzündung wandern zu lassen und sie zu aktivieren, worauf diese ebenfalls Zytokine bilden, um die Immunreaktion zu verstärken.[2] Bei einem Zytokinsturm werden Leukozyten so stark aktiviert, dass sich die Immunreaktion nicht automatisch beruhigt, was sonst üblicherweise geschieht, wenn das Antigen nicht mehr vorhanden ist. In Folge eines Zytokinsturms werden verschiedene Zytokine, Radikale und Gerinnungsfaktoren gebildet und Immunzellen sammeln sich am Ort der Entzündung, wodurch die Funktion eines Gewebes beeinträchtigt werden kann, bis hin zum Organversagen. Die Symptome eines Zytokinsturms umfassen Fieber, Schwellung, Rötung, Müdigkeit und Übelkeit, die in schweren Verlaufsformen lebensbedrohlich sein können. Bei einem Zytokinsturm werden hohe Konzentrationen der Zytokine IL-6 und IL-8 sowie der Chemokine CCL2, CCL5, CXCL10 und CXCL9 gebildet.[3]

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Zytokinsturm kann bei verschiedenen Erkrankungen entstehen, darunter bei der Graft-versus-Host-Reaktion (GVHD), beim Acute Respiratory Distress Syndrome (ARDS), bei der Sepsis, bei Ebolafieber, bei der Vogelgrippe H5N1, bei Pocken, beim Systemischen inflammatorischen Response-Syndrom (SIRS) und bei der Hasenpest.[4][5] Ein Zytokinsturm kann auch durch Wirkstoffe induziert werden, wie z. B. das schwerwiegende unerwünschte Ereignis in der Phase-I-Studie von TGN1412[6] oder in seltenen Fällen bei einer Infusion von Rituximab.[7]

Therapie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Verschiedene Wirkstoffe werden zur Behandlung des Zytokinsturms untersucht, darunter Corticosteroide, PPAR-Agonisten, Sphingosin-1-phosphat-Rezeptor 1-Agonisten, COX-2-Hemmer, Antioxidantien, Hemmung des Tumornekrosefaktors, Infusion von Antikörpern, Statine und Arbidiol.[8]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bezeichnung wurde erstmals 1993 in Bezug auf eine Graft-versus-Host-Reaktion verwendet.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael T. Osterholm: Preparing for the Next Pandemic. In: The New England Journal of Medicine. 352, Nr. 18, 5. Mai 2005, S. 1839–1842. doi:10.1056/NEJMp058068. PMID 15872196.
  2. Murphy, K.; Travers, P.; Walport, M.: Signaling Through Immune System Receptors.. In: Janeway's Immunobiology., 7th. Auflage, Garland, London 2007, ISBN 0-8153-4123-7.
  3. J. R. Tisoncik, M. J. Korth, C. P. Simmons, J. Farrar, T. R. Martin, M. G. Katze: Into the eye of the cytokine storm. In: Microbiology and molecular biology reviews : MMBR. Band 76, Nummer 1, März 2012, S. 16–32, doi:10.1128/MMBR.05015-11, PMID 22390970, PMC 3294426 (freier Volltext).
  4. Drazen, Jeffrey M.; Cecil, Russell L.; Goldman, Lee; Bennett, J. Claude: Cecil Textbook of Medicine, 21st. Auflage, W.B. Saunders, Philadelphia 2000, ISBN 0-7216-7996-X.
  5. R. V. D'Elia, K. Harrison, P. C. Oyston, R. A. Lukaszewski, G. C. Clark: Targeting the "cytokine storm" for therapeutic benefit. In: Clinical and vaccine immunology : CVI. Band 20, Nummer 3, März 2013, S. 319–327, doi:10.1128/CVI.00636-12, PMID 23283640, PMC 3592351 (freier Volltext).
  6. Thelancetoncology: Leading Edge: High stakes, high risks. In: The Lancet (Hrsg.): Lancet Oncology. 8, Nr. 2, February 2007, S. 85. doi:10.1016/S1470-2045(07)70004-9. PMID 17267317.
  7. M. Williams, T. Khalid, S. Hughes, D. Bonney, R. Wynn: Rituximab-induced Cytokine Storm in the Absence of Overt Lymphoproliferative Disease. In: Journal of pediatric hematology/oncology. Band 38, Nummer 1, Januar 2016, S. e29–e31, doi:10.1097/MPH.0000000000000485, PMID 26583621.
  8. Q. Liu, Y. H. Zhou, Z. Q. Yang: The cytokine storm of severe influenza and development of immunomodulatory therapy. In: Cellular & molecular immunology. Band 13, Nummer 1, Januar 2016, S. 3–10, doi:10.1038/cmi.2015.74, PMID 26189369, PMC 4711683 (freier Volltext).
  9. Ferrara JL, Abhyankar S, Gilliland DG: Cytokine storm of graft-versus-host disease: a critical effector role for interleukin-1. In: Transplant Proc.. 2, Nr. 25, February 1993, S. 1216–1217. PMID 8442093.
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