St. Bernward (Hannover)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Straßenansicht
Turm und Säulenvorhalle
Langschiff und Querhaus
Seitenschiff mit Kreuzwegstationen

St. Bernward ist die katholische Pfarrkirche von Döhren, einem Stadtteil von Hannover in Niedersachsen. Die 1893 geweihte Kirche befindet sich in der Hildesheimer Straße 239, ihre gleichnamige Pfarrgemeinde gehört zum Dekanat Hannover im Bistum Hildesheim.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachdem als Folge der Industrialisierung im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts die Zahl der Katholiken in Döhren vor allem durch Zuzug von Eichsfelder Familien stark angestiegen war, konnte 1887 eine katholische Schule errichtet werden (heute Pfarrhaus). Gleichzeitig begannen die Planungen für einen Kirchbau auf demselben Grundstück an der Hildesheimer Straße. Christoph Hehl schuf die Entwürfe für eine neuromanische dreischiffige Basilika auf Kreuzgrundriss mit Stützenwechsel, von der zunächst jedoch nur Turm, Säulenvorhalle und das Langhaus mit Apsis realisiert wurden. Um den frühromanischen Vorbildern besonders nah zu kommen, wurde der Bau aus Bruchstein errichtet. Die Ähnlichkeit der Proportionen mit denen des Hildesheimer Doms ist beabsichtigt.

Die Kirche wurde am 8. September 1893 geweiht und erhielt den Namen des heiligen Hildesheimer Bischofs Bernward, dessen 900-jähriges Inthronisationsjubiläum im selben Jahr begangen wurde. Oscar Wichtendahl schuf die historistische Ausmalung der Kirche: Christus, Engel und Heilige in der Apsis, Schriftbänder und Ornamente an den Wänden. Von der originalen Ausmalung und Ausstattung sind nur die Heiligen- und Motivfenster und die Marienfigur erhalten. Am 1. März 1908 wurde die Pfarrei St. Bernward eingerichtet.

Seit der Entstehung brachten Bevölkerungsanstieg, Erster Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise und Naziregime tiefgreifende Umwälzungen für die Kirchengemeinde, jedoch kaum Veränderungen am Kirchengebäude. Die Luftangriffe auf Hannover überstanden Kirche und Pfarrhaus mit nur geringfügigen Beschädigungen an Dach und Fenstern.[1]

Als 1955 die Katholikenzahl auf 8000 angewachsen war – zum Großteil heimatvertriebene Schlesier –, wurde die Erweiterung der Kirche nach den alten Plänen von Christoph Hehl beschlossen. 1960 waren das Querhaus und die neue Apsis sowie die Krypta fertiggestellt. Die Innenausstattung spiegelte das Kargheitsideal dieser Zeit.

Nach der Liturgiereform wurde der Altarraum erneut umgestaltet. Der Tabernakel erinnert an St. Michael in Hildesheim, die Grabeskirche Bischof Bernwards.

Eine anspruchsvolle Neuausstattung erfolgte zum einhundertjährigen Kirchweihjubiläum 1993 durch den Künstler Hanns Joachim Klug. Dem Besucher fällt vor allem die Apsisgestaltung ins Auge. Vor einer tiefblauen Kreisfläche und einer unregelmäßigen Golddrapierung ist eine große, verfremdete Christusikone zu sehen, von der kreuzförmig angebrachte Stahlrohre ausgehen. Uralte Farb- und Zahlensymbolik und Stilmittel der Gegenwart sind zu einem vielschichtig sprechenden Kunstwerk verbunden.

Bemerkenswert ist auch der Kreuzweg, der auf alles Illustrative verzichtet und die Szenen auf wenige symbolische Grundhaltungen reduziert.

Seit 2008 unterstützt der Förderverein der Katholischen Kirchengemeinde St. Bernward in Hannover-Döhren e.V. die Kirchengemeinde.

Mit der Urkunde vom 10. August 2010 hob der Bischof von Hildesheim die katholischen Pfarrgemeinden St. Bernward (Döhren), St. Eugenius (Mittelfeld) und St. Michael (Wülfel) mit Wirkung zum 31. August 2010 auf und errichtete gleichzeitig mit Wirkung des nächsten Tages auf dem Gebiet der aufgelösten Gemeinden eine neue Pfarrgemeinde mit dem Namen „Katholische Pfarrgemeinde St. Bernward, Hannover“. Pfarrkirche dieser neuen Pfarrgemeinde ist St. Bernward in Hannover-Döhren.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1983 von der Orgelbaufirma Siegfried Sauer (Höxter) erbaut. Ältere Register und das Gehäuse von 1894 wurden übernommen. Das Instrument hat 34 Register auf zwei Manualen und Pedal. Das erste Manual ist als Koppelmanual ausgestattet. Die Trakturen sind mechanisch.[2]

II Hauptwerk C–g3
1. Bordun 16′ h
2. Prinzipal 8′
3. Rohrflöte 8′ h
4. Gambe 8′ h
5. Oktave 4′
6. Spitzflöte 4′
7. Rauschpfeife II 223
8. Waldflöte 2′
9. Mixtur V 113
10. Trompete 8′ h
Tremulant
III Schwellwerk C–g3
11. Gedackt 16′
12. Geigenprinzipal 8′ h
13. Liebl. Gedackt 8′ h
14. Salicional 8′ h
15. Vox coelestis 8′
16. Prinzipal 4′
17. Gedackt 4′ h
18. Nasat 223
19. Oktave 2′
20. Terzflöte 135
21. Sifflet 1′
22. Scharff IV 1′
23. Basson 16′
24. Oboe 8′ h
25. Clarine 4′
Tremulant
Pedal C–f1
26. Prinzipal 16′ h
27. Subbass 16′
28. Quintbass 1023 h
29. Oktave 8′
30. Gedecktbass 8′
31. Gemshorn 4′ h
32. Hintersatz V 223
33. Posaune 16′
34. Trompete 8′ h
  • Koppeln: II/I, III/I, II/P III/P
  • Anmerkung
h = Historisches Register von 1894

In der Nische hinter dem Taufstein deutet eine Silhouette den in den Jordan hinabsteigenden Christus an. In Goldflecken fällt Licht des Heiligen Geistes herab. Im Christusschatten kann zugleich jeder Getaufte den eigenen Umriss erkennen.

Weitere katholische Einrichtungen im Einzugsgebiet der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bernwardswiese (Freizeitanlage)
  • Katholische öffentliche Bücherei (KÖB)
  • Caritas-Kinder- und Jugendhilfe St. Joseph (ehemaliges Waisenhaus St. Joseph)
  • Kindertagesstätte St. Bernward

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Was ist das, St. Bernward?, Festschrift der Pfarrgemeinde, 1993
  • Wolfgang Puschmann: St. Bernwardskirche, in: Hannovers Kirchen. 140 Kirchen in Stadt und Umland. Hrsg. von Wolfgang Puschmann. Hermannsburg: Ludwig-Harms-Haus 2005, S. 12–15. ISBN 3-937301-35-6.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Hermann Seeland: Die im Zweiten Weltkrieg zerstörten Kirchen in Hannover, in: Unsere Diözese in Vergangenheit und Gegenwart, S. 107. Hannover 1952.
  2. Nähere Informationen zur Orgel

Koordinaten: 52° 20′ 27,2″ N, 9° 46′ 4″ O