Bellingerit

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bellingerit
Hellgrüner Bellingeritkristall (knapp 2 mm groß) aus dem Kupfertagebau Chuquicamata in der nordchilenischen Atacama-Wüste
Allgemeines und Klassifikation
IMA-Symbol

Blg[1]

Chemische Formel Cu3(IO3)6·2H2O[2]
Mineralklasse
(und ggf. Abteilung)
Oxide und Hydroxide - Iodate
System-Nummer nach
Strunz (8. Aufl.)
Lapis-Systematik
(nach Strunz und Weiß)
Strunz (9. Aufl.)
Dana

IV/L.02
IV/L.02-020

4.KC.05
21.01.03.01
Kristallographische Daten
Kristallsystem triklin
Kristallklasse; Symbol triklin-pinakoidal; 1
Raumgruppe P1 (Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2
Gitterparameter a = 7,26 Å; b = 7,95 Å; c = 7,86 Å
α = 105,1°; β = 92,9°; γ = 96,9°[2]
Formeleinheiten Z = 1[2]
Häufige Kristallflächen {010},{001},{102},{201},{201},{011},{021} und 20 weitere[3]
Zwillingsbildung nach {110}
Physikalische Eigenschaften
Mohshärte ≈ 4[3]
Dichte (g/cm3) gemessen: 4,89(1); berechnet: 4,932[3]
Spaltbarkeit keine[4]
Bruch; Tenazität schwach muschelig; spröde
Farbe hellgrün, hellbläulichgrün
Strichfarbe sehr hellgrün
Transparenz durchscheinend
Glanz Glasglanz[5]
Kristalloptik
Brechungsindizes nα = 1,890[6]
nβ = 1,900[6]
nγ = 1,990[6]
Doppelbrechung δ = 0,100[6]
Optischer Charakter zweiachsig positiv
Pleochroismus Sichtbar:
X = hellbläulichgrün
Y = hellbläulichgrün
Z = blaugrün
Weitere Eigenschaften
Chemisches Verhalten schwach löslich in heißem Wasser, leicht löslich in verdünnter Salzsäure[6]

Bellingerit ist ein sehr selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ (einschließlich V[5,6]-Vanadate, Arsenite, Antimonite, Bismutite, Sulfite, Selenite, Tellurite, Iodate) mit der chemischen Zusammensetzung Cu3(IO3)6·2H2O[2] und ist damit chemisch gesehen ein wasserhaltiges Kupfer-Iodat.

Bellingerit kristallisiert im triklinen Kristallsystem und entwickelt flächenreiche Kristalle bis etwa zwei Millimeter aus, die nach der b-Achse gestreckt sind. Die durchscheinenden Kristalle sind von hellgrüner bis hellbläulichgrüner Farbe und hinterlassen auf der Strichtafel einen sehr hellgrünen Strich.

Mit einer Mohshärte von etwa 4 gehört Bellingerit zu den mittelharten Mineralen, die sich ähnlich wie das Referenzmineral Fluorit leicht mit einem Taschenmesser ritzen lassen.

Etymologie und Geschichte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erstmals entdeckt wurde Bellingerit im Kupfertagebau Chuquicamata in der Atacama-Wüste (Antofagasta) im Norden Chiles. Wissenschaftlich beschrieben wurde das Mineral erstmals 1940 durch Harry Berman und Caleb Wroe Wolfe, die es nach dem deutschen Metallurgen und Generaldirektor der Chile Exploration Company, Herman Carl Bellinger (1867–1941), benannten. Dieser hatte die ersten Proben des Minerals entdeckt und möglicherweise auch beschrieben.[6]

Das Typmaterial des Minerals wird an der Harvard University in Cambridge (Massachusetts) in den USA unter Katalog-Nr. 95026 aufbewahrt.[3]

Bereits in der veralteten, aber teilweise noch gebräuchlichen 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Bellingerit zur Mineralklasse der „Oxide und Hydroxide“ und dort zur Abteilung der „Iodate“, wo er zusammen mit Salesit die unbenannte Gruppe IV/L.02 bildete.

Die seit 2001 gültige und von der International Mineralogical Association (IMA) verwendete 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Bellingerit ebenfalls in die Abteilung der „Iodate“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der möglichen Anwesenheit zusätzlicher Anionen und Kristallwasser, so dass das Mineral entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Iodate ohne zusätzliche Anionen; mit H2O“ zu finden ist, wo es als einziges Mitglied die unbenannte Gruppe 4.KC.05 bildet.

Die vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchliche Systematik der Minerale nach Dana ordnet den Bellingerit dagegen in die Klasse der „Carbonate, Nitrate und Borate“ und dort in die Abteilung der „Iodate - wasserfreie und wasserhaltige“ ein. Hier ist er als einziges Mitglied in der unbenannten Gruppe 21.01.03 innerhalb der Unterabteilung „Iodate - wasserfreie und wasserhaltige mit verschiedenen Formeln“ zu finden.


Kristallstruktur

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bellingerit kristallisiert triklin in der Raumgruppe P1 (Raumgruppen-Nr. 2)Vorlage:Raumgruppe/2 mit den Gitterparametern a = 7,26 Å; b = 7,95 Å; c = 7,86 Å; α = 105,1°; β = 92,9° und γ = 96,9° sowie eine Formeleinheit pro Elementarzelle.[2]

Das Mineral ist schwach löslich in heißem Wasser, aber leicht löslich in verdünnter Salzsäure[6]

Bildung und Fundorte

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
Bellingerit (dunkelblaugrün) und Leightonit (hellblaugrün) aus der Chuquicamata-Mine, Chile (Gesamtgröße: 13,8 cm × 6,9 cm
× 4,8 cm)

Bellingerit bildet sich sekundär als Aderfüllung in massivem Quarz in porphyrischen Kupfer-Lagerstätten, wo er in Paragenese mit Leightonit und Gips auftritt.

Bisher (Stand 2015) konnte Bellingerit nur an seiner Typlokalität Chuquicamata-Mine in Chile entdeckt werden.[7]

  • Harry Berman, Caleb Wroe Wolfe: Bellingerite, a new mineral from Chuquicamata, Chile. In: American Mineralogist Band 25 (1940), S. 505–512 (PDF 436,3 kB)
  • S. Ghose, C. Wan: Structural chemistry of copper and zinc minerals. II. Stereochemistry of copper(II) and iodine(V) in bellingerite, 3Cu(IO3)2·2H2O In: Acta Crystallographica Band 30 (1974), S. 965–974
Commons: Bellingerite – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]
  1. Laurence N. Warr: IMA–CNMNC approved mineral symbols. In: Mineralogical Magazine. Band 85, 2021, S. 291–320, doi:10.1180/mgm.2021.43 (englisch, cambridge.org [PDF; 320 kB; abgerufen am 5. Januar 2023]).
  2. a b c d Hugo Strunz, Ernest H. Nickel: Strunz Mineralogical Tables. Chemical-structural Mineral Classification System. 9. Auflage. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung (Nägele u. Obermiller), Stuttgart 2001, ISBN 3-510-65188-X, S. 282.
  3. a b c d Bellingerite, In: John W. Anthony, Richard A. Bideaux, Kenneth W. Bladh, Monte C. Nichols (Hrsg.): Handbook of Mineralogy, Mineralogical Society of America, 2001 (PDF 67,5 kB)
  4. Friedrich Klockmann: Klockmanns Lehrbuch der Mineralogie. Hrsg.: Paul Ramdohr, Hugo Strunz. 16. Auflage. Enke, Stuttgart 1978, ISBN 3-432-82986-8 (Erstausgabe: 1891).
  5. Webmineral - Bellingerite
  6. a b c d e f g Mindat - Bellingerite
  7. Fundortliste für Bellingerit beim Mineralienatlas und bei Mindat