Aeolipile

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Aeolipile

Die Aeolipile, auch Äolsball oder Heronsball genannt, ist eine von Heron von Alexandria erdachte Maschine, die die Expansionskraft von Wasserdampf und das Rückstoßprinzip demonstriert.

Die Aeolipile stellt im weiteren Sinne die erste Dampfmaschine dar. Die Erfindung hatte in der Antike keinen praktischen Nutzwert; sie ist die erste bekannte und dokumentierte Wärmekraftmaschine der Geschichte, auch wenn sie nicht als solche verstanden und genutzt, sondern anscheinend nur als Kuriosum angesehen wurde. Erst rund anderthalb Jahrtausende später trat in Frankreich und England die Dampfmaschine ans Licht.

Die Maschine ist ein zum Teil mit Wasser gefülltes Gefäß, in das ein unter das Wasser hinabreichendes beiderseits offenes Rohr luftdicht eingesetzt ist. Ist der Druck der Luft im Gefäß größer als der äußere, so wird das Wasser in der Röhre gehoben und springt als Wasserstrahl aus der oberen Mündung. Um den inneren Druck größer zu machen als den äußern, kann man entweder die Luft im Innern verdichten, durch Einblasen von Luft in das durch einen Hahn verschließbare Rohr mit dem Mund oder mittels der Kompressionspumpe, oder die äußere Luft verdünnen, indem man den Heronsball unter die Glocke der Luftpumpe bringt. Meistens wird eine mit Wasser gefüllte Metallkugel drehbar auf einer Achse gelagert. An der Kugel befinden sich zwei Düsen, die jeweils gegen die Drehrichtung zeigen. Entfacht man ein Feuer unterhalb der Kugel, so setzt der austretende Wasserdampf die Kugel in eine Rotationsbewegung.

Nachbau von Herons Dampfball

Ein Heronsball einfachster Form ist die Spritzflasche, durch deren luftdicht schließenden, doppelt durchbohrten Kork zwei Glasröhren gesteckt sind, deren eine fast bis auf den Boden der Flasche reichende oben umgebogen und in eine feine Spitze ausgezogen ist, während die andere dicht unter dem Kork mündet; bläst man in die letztere, so springt das Wasser in feinem Strahl aus jener Spitze.

Die so genannte Siphonflasche für moussierende Getränke ist ein Heronsball, dessen fast bis auf den Boden des Gefäßes reichendes und oben seitlich umgebogenes Rohr durch einen Hahn verschließbar ist; öffnet man den Hahn, so wird die Flüssigkeit durch den Druck der aus ihr sich entwickelnden Kohlensäure mit Gewalt aus der Röhre herausgetrieben.

Der Windkessel der Feuerspritzen aus dem 19. Jahrhundert ist nichts anderes als ein großer Heronsball, in den mittels zweier abwechselnd wirkender Druckpumpen Wasser hineingepresst und dadurch die im Inneren des Windkessels eingesperrte Luft zusammengedrückt wird; öffnet man dann den Hahn des Steigrohrs, so treibt die innere Luft vermöge ihres erhöhten Druckes das Wasser in ununterbrochenem kräftigen Strahl heraus.

Heronsbrunnen nennt man eine Abart des Heronsballs, in welchem die Luft durch den Druck einer Wassersäule zusammengepresst wird.

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Aeolipile – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien