Geburtshoroskopie

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Darstellung des Tierkreises in einer byzantinischen Ausgabe des Tetrabiblos aus dem 9. Jahrhundert

Die Geburtshoroskopie oder Genethlialogie ist der Teilbereich der Astrologie, der aufgrund der Gestirnskonstellation zum Zeitpunkt der Geburt eines Menschen Aussagen über dessen Charakter und Schicksal macht. Außer in der westlichen Astrologie ist sie auch in der indischen (Jyotisha) und in der chinesischen Astrologie gebräuchlich.

Die westliche Genethlialogie hat ihren Ursprung in Babylonien, wo als ältester Beleg ein Geburtshoroskop aus dem Jahre 410 v. Chr. gefunden wurde.[1] Diese frühen Horoskope bestanden aus Angaben zur Position der Planeten (wozu in der Astrologie auch Sonne und Mond gehören) in den Tierkreiszeichen, teils ergänzt durch sehr einfache Deutungen wie etwa „seine Tage werden zahlreich sein“. Eine größere Bedeutung erlangte die Genethlialogie dann im antiken Griechenland. Im Unterschied zur babylonischen Astrologie, in deren Mittelpunkt der König stand, gewann in Griechenland, befördert vor allem durch die sokratische, platonische und stoische Philosophie, die Individualität jedes einzelnen Menschen an Bedeutung, und Geburtshoroskope konnten für beliebige Personen erstellt werden.[2] Ein umfangreiches und in Europa für lange Zeit maßgebliches Kompendium der antiken Geburtshoroskopie ist das im 2. Jahrhundert n. Chr. entstandene Tetrabiblos von Claudius Ptolemäus.

Den Planeten wurden schon seit langer Zeit in Babylonien ähnliche Bedeutungen zugeschrieben wie noch in der heutigen Astrologie.[3] So galt etwa Mars als Repräsentant des Kriegsgottes Nergal, und Saturn stand für Beständigkeit und Ordnung.[4] Wesentliche Neuerungen in der griechisch-römischen Antike betrafen die Charakterisierung der Tierkreiszeichen aufgrund der aristotelischen Vier-Elemente-Lehre und die Einführung der Aspekte, d. h. der Winkelbeziehungen der Planeten, als Deutungselemente.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50905-3, S. 68–70.
  2. Joëlle-Frédérique Bara: Astrology II: Antiquity. In: Wouter J. Hanegraaff (Hrsg.): Dictionary of Gnosis and Western Esotericism. Brill, Leiden u. a. 2006, ISBN 90-04-15231-8, S. 110–119, hier S. 111 f.
  3. Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50905-3, S. 61.
  4. Kocku von Stuckrad: Geschichte der Astrologie. Von den Anfängen bis zur Gegenwart. Beck, München 2003, ISBN 3-406-50905-3, S. 45.