Happy-Go-Lucky
| Filmdaten | |
|---|---|
| Deutscher Titel | Happy-Go-Lucky |
| Originaltitel | Happy-Go-Lucky |
| Produktionsland | Vereinigtes Königreich |
| Originalsprache | Englisch |
| Erscheinungsjahr | 2008 |
| Länge | 118 Minuten |
| Altersfreigabe | FSK 6 |
| Stab | |
| Regie | Mike Leigh |
| Drehbuch | Mike Leigh |
| Produktion | Simon Channing Williams |
| Musik | Gary Yershon |
| Kamera | Dick Pope |
| Schnitt | Jim Clark |
| Besetzung | |
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Happy-Go-Lucky (zu deutsch: unbeschwert, sorglos, leichtlebig) ist eine Komödie von Mike Leigh aus dem Jahr 2008. Die Uraufführung war am 12. Februar 2008 während der Berlinale. Ab dem 3. Juli 2008 war der Film in den deutschen Kinos zu sehen.
Inhaltsverzeichnis |
Handlung [Bearbeiten]
Die 30-jährige Grundschullehrerin Pauline, genannt Poppy, ist immer gut gelaunt und zu allen Menschen freundlich. Sie lebt mit ihrer Mitbewohnerin Zoe in London. Selbst als man ihr Fahrrad klaut, nimmt sie dies unbekümmert hin. An ihrer Arbeit hat sie große Freude und mit ihrer Schwester Suzy und ihrer Mitbewohnerin und Kollegin Zoe versteht sie sich gut. Die drei ziehen durch Londoner Clubs und beschließen am nächsten Morgen die schwangere Helen, die dritte Schwester, zu besuchen.
Anstatt sich ein neues Fahrrad zu kaufen, will Poppy den Führerschein machen. Sie nimmt ihre erste Fahrstunde bei dem griesgrämigen Fahrlehrer Scott. Dieser ist das genaue Gegenteil ihres Charakters. Auf Scotts Anweisungen reagiert sie mit Gelassenheit und Unverständnis, so soll sie zum Beispiel die Türen verriegeln, als Scott zwei Fahrradfahrer mit dunkler Hautfarbe auf der Straße sieht, oder ihre hohen Stiefel wechseln.
Poppy trifft sich mit der Schuldirektorin Heather und nimmt mit ihr an einer emotional aufwühlenden Flamencostunde teil. Danach gehen die beiden in ein Pub. Heather möchte von Poppy wissen, wie es bei ihr denn in der Liebe aussähe, worauf Poppy antwortet, dass es bei ihr noch nicht so richtig gefunkt hat. Mit Begeisterung erzählt Poppy aber von ihrer Weltreise mit Zoe, von Asien und Australien.
In der Schule beobachtet sie, wie ein Mitschüler einen anderen schlägt. Bei der dritten Fahrstunde verliert Scott die Geduld und denkt, dass Poppy ihn absichtlich ärgern würde. Scott erweist sich in dieser Fahrstunde auch als Psychopath, der wirr über Multikulturalismus und Verschwörungen faselt. Poppy reagiert darauf nicht. In der Schule kommt es erneut zu einer Schlägerei, diesmal greift Poppy ein. Als es in der Schule wieder mit dem gleichen Jungen Ärger gibt und sie nicht an ihn herankommt, schlägt Heather vor, einen Spezialisten zu holen. Auf dem Weg nach Hause, mitten in der Nacht, lässt sich Poppy auf ein Gespräch mit einem Obdachlosen ein, auf den sie durch dessen unverständlichen Gesang aufmerksam geworden ist.
In einem Gespräch findet der Sozialarbeiter Tim heraus, dass der prügelnde Schüler von dem Freund der Mutter misshandelt wird. Zwischen Poppy und Tim entwickelt sich derweil ein Flirt, und sie tauschen ihre Telefonnummern aus. Bei der nächsten Fahrstunde wird es sehr persönlich; es kommt zu lauter Missverständnissen. Scott denkt, dass Poppy lesbisch ist, und er versteht einen Witz über einen Schwerlastzug nicht. Dabei baut sich in ihm eine solche Wut auf, dass Poppy auf dem Beifahrersitz landet.
Am nächsten Tag fahren Poppy, Suzy und Zoe zum Barbecue zu Helen. Verheiratet, schwanger und mit Eigenheim ist sie das Gegenteil ihrer Schwester und fordert diese dazu auf, erwachsen zu werden. Während eines Spazierganges entlang der Küste ruft Poppy Tim an und verabredet sich mit ihm. Bei ihrer Rückkehr erwischt sie Scott dabei, wie er ihre Wohnung beobachtet, aber sofort das Weite sucht, als er die drei bemerkt. Poppy trifft sich mit Tim zu einem Date und beide verbringen die Nacht zusammen.
Morgens bringt Tim Poppy nach Hause und macht Bekanntschaft mit Zoe und dem Fahrlehrer Scott. Bei der anschließenden Verabschiedung kommt es zum Kuss. Scott betrachtet diesen Kuss als Provokation. Als sie ihn kurz darauf anspricht, was er bei ihr am Vortag zu suchen hatte, bestreitet er alles. Durch Poppys direkte Art, Dinge zu hinterfragen, wird Scott immer wütender, was sich auch auf seinem Fahrstil auswirkt. Am Ziel angekommen, an dem üblicherweise die Fahrstunde beginnt, verweigert Poppy die Stunde. Sie möchte Scott nach Hause fahren, da sie der Meinung ist, dass er in dieser Situation nicht fahren könne. Es kommt zu einer körperlichen Auseinandersetzung; Poppy befreit sich aus dem Wagen, und Scott rennt ihr hinterher. Voller Wut wirft er ihr vor, ihn benutzt zu haben, da sie erst mit ihm flirtet um ihn dann hängen zu lassen.
Als sie ihn etwas beruhigen kann, gibt sie ihm auf die Frage nach der nächsten Fahrstunde kopfschüttelnd die Autoschlüssel zurück. Mit traurigem Blick läuft Poppy nach Hause. Sie und ihre Mitbewohnerin, die mit dem Rauchen aufhören will, rudern zusammen auf einem See. Suzy schlägt vor, dass Poppy damit aufhören solle zu allen Menschen so freundlich zu sein. Sie solle lieber Scott anzeigen. Poppy jedoch widerspricht, da sie nicht erwartet, dass Scott dadurch geholfen wird. Zusammen merken sie, wie glücklich sie doch eigentlich sind. Am Ende ruft Tim an und sagt ihr, wie lieb er sie hat. In der letzten Szene rudern sie weiter.
Hintergrund [Bearbeiten]
- Während des eher pessimistischen Wettbewerbs auf der 58. Berlinale fiel Mike Leigh durch seinen optimistischen Film auf. Vor allem aber, da es sich um Mike Leighs erste Komödie seit Life is Sweet (1991) handelt, „sorgte die Weltpremiere des Films anlässlich der diesjährigen 58. Berlinale auch für einiges Aufsehen und rief allgemeines Erstaunen bei Kritik und Publikum hervor“.[1]
- Gedreht wurde u. a. am Camden Market und für die Bootsszene im Regent’s Park.[2]
- Mike Leigh sagt selbst, dass er die Filme während des Drehs entdeckt. Durch seine jahrelangen Erfahrungen am Theater werden seine Filme Schauspielerfilme. Circa sechs Monate vor Drehbeginn lässt er seine Schauspieler improvisieren und die Charaktere gemeinsam erfinden. In den Proben entstand das Skript für Happy-Go-Lucky, doch sobald es zum Dreh kam, hörten die Improvisationen auf.[3]
- Der Film war ab dem 3. Juli 2008 in den deutschen Kinos zu sehen, in den österreichischen ab dem 4. Juli 2008.
Auszeichnungen [Bearbeiten]
Der Film war 2008 im Wettbewerb der Filmfestspiele von Berlin vertreten, wo er sich im Rennen um den Goldenen Bären für den besten Film des Festivals José Padilhas Drama Tropa de Elite geschlagen geben musste, jedoch gewann Sally Hawkins die Auszeichnung des Silbernen Bären als beste Darstellerin. Hawkins wurde auch für den Europäischen Filmpreis 2008 nominiert und gewann im Januar 2009 den Golden Globe Award als beste Komödiendarstellerin. Bei der Oscarverleihung 2009 wurde Leighs Drehbuch nominiert.
Tabellarische Übersicht der Auszeichnungen:
| Preisverleihung | Kategorie der Preise | Nominierte(r) | Resultat |
|---|---|---|---|
| Academy Awards | Bestes Drehbuch | Mike Leigh | Nominiert |
| Berlin International Film Festival[4] | Goldener Bär | - | Nominiert |
| Silberner Bär (Beste Darstellerin) | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Boston Society of Film Critics[5] | Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen |
| British Independent Film Awards[6] | Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert |
| British Independent Film Award Bester Nebendarsteller | Eddie Marsan | Gewonnen | |
| British Independent Film Award – Beste Nebendarstellerin | Alexis Zegerman | Gewonnen | |
| Chicago Film Critics Association Awards[7] | Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert |
| Chlotrudis Awards | Bester Film | - | Nominiert |
| Beste Regie | Mike Leigh | Gewonnen | |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert | |
| Bester Nebendarsteller | Eddie Marsan | Gewonnen | |
| Bestes Drehbuch | Mike Leigh | Nominiert | |
| Detroit Film Critics Society Awards [8] | Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert |
| Bester Nebendarsteller | Eddie Marsan | Nominiert | |
| European Film Awards[4] | Bester Film | - | Nominiert |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert | |
| Golden Globes Awards[9][10] | Bester Film (Komödie oder Musical) | - | Nominiert |
| Beste Darstellerin in einem Spielfilm (Komödie oder Musical) | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Hollywood Film Festival[4] | Hollywood Breakthrough Award | Sally Hawkins | Gewonnen |
| London Film Critics` Awards[11] | Britischer Film des Jahres | - | Nominiert |
| Britischer Regisseur des Jahres | Mike Leigh | Nominiert | |
| Beste britische Darstellerin | Sally Hawkins | Nominiert | |
| Bester britischer Nebendarsteller | Eddie Marsan | Gewonnen | |
| Beste Nebendarstellerin | Alexis Zegerman | Nominiert | |
| Los Angeles Film Critics Association Awards[4] | Bestes Drehbuch | Mike Leigh | Gewonnen |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| New York Film Critics Circle Awards[4] | Beste Regie | Mike Leigh | Gewonnen |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Bester Nebendarsteller | Eddie Marsan | Nominiert | |
| New York Film Critics Online Awards 2008 | Gewählt in die Top Ten der besten Filme des Jahres | - | - |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Norwegian International Film Festival[4] | Bester Film | Mike Leigh | Gewonnen |
| Pula Film Festival[4] | Bester ausländischer Regisseur | Mike Leigh | Gewonnen |
| San Francisco Film Critics Circle Awards[12] | Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen |
| Satellite Awards[13] | Bester Film (Komödie oder Musical) | - | Gewonnen |
| Beste Darstellerin in einem Spielfilm (Komödie oder Musical) | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Women Film Journalists Awards[14] | Bester Film | - | Nominiert |
| Beste Darstellerin | Sally Hawkins | Gewonnen | |
| Bester Nebendarsteller | Eddie Marsan | Nominiert | |
| Bestes Ensemble | Ensemble | Nominiert | |
| Bestes Drehbuch | Mike Leigh | Nominiert |
Kritiken [Bearbeiten]
- ARTE (von Nana A. T. Rebhan), 19. Februar 2008:
Sally Hawkins spielt Poppy, nein, sie ist Poppy. Sie scheint in dieser Rolle aufzugehen, jede kleinste Bewegung wirkt stimmig. Das liegt unter anderem an der einzigartigen Arbeitsmethode, mit der Regisseur Mike Leigh seine Schauspieler auf ihre Rollen vorbereitet. […] Mike Leigh beweist, dass er auch Komödien inszenieren kann, und er zeigt auch, dass ein Film nicht zwingend einer Handlung bedarf.[15]
- Der Tagesspiegel (Jan Schulz-Ojala über die Berlinale), 13. Februar 2008:
Für einen Augenblick ist es genau wie letztes Jahr. Tagelang war der Wettbewerb dahingedümpelt, und dann fegte ein Lachsturm, ein Wärmesturm, ein unbedingt festzuhaltendes Gutelaunegefühl durch den Berlinale-Palast, nur weil Marianne Faithfull als liebe Londoner Oma in Geldnöten Männern in einem Sexschuppen per Hand Erleichterung verschaffte. Sam Garbarskis „Irina Palm“ brachte Witz und Wonne, die guten alten Exportartikel des britischen Kinos, über die Festivalgemeinde, und vor lauter Erleichterung über soviel Seelensonne kürten viele den Film damals gleich zum Bären-Favoriten. Es kam anders, „Tuyas Hochzeit“ entzückte die Jury, und auch sonst ist manches diesmal knapp, aber entscheidend verschieden. Mit einem englischen Film, in dem geradezu unverschämt unermüdlich die wahre Sonne scheint, erobert mit Mike Leigh einer der Großveterane des New British Cinema sein Publikum im Gelächtersturm und – endlich! – mit Szenenapplaus. Die demonstrierte gute Laune in „Happy-Go-Lucky“ aber muss sich gegen existenzielle Tragik behaupten; folglich ist auch das Ende nicht konfekthaltig happy, sondern schöner, weiter und offener. Ja, wenn er so viel Glück hat wie seine Heldin, dann macht Mike Leigh den goldenen Hattrick perfekt – und holt nach der Palme für „Lügen und Geheimnisse“ (1996) und dem Löwen für „Vera Drake“ (2004) in Berlin seinen Goldenen Bären.[16]
- die tageszeitung (von Christian Ihle & Horst Motor), 12. Februar 2008:
Die versammelte Presse war begeistert, die Lacher kommen im Minutentakt und sind doch nie auf Kosten der Figuren. Mike Leigh ist ein wunderbares Stück Kino gelungen, bei dem man nicht ausschließen möchte, dass er nach dem Gewinn von Venedig mit seinem letzten Film „Vera Drake“ auch in Berlin mit „Happy-Go-Lucky“ einen Preis abholt. Poppy-Darstellerin Sally Hawkins darf sich jetzt schon mal für die Hauptdarsteller-Preisverleihung hübsch machen. [17]
Weblinks [Bearbeiten]
- Happy-Go-Lucky in der Internet Movie Database (englisch)
- Offizielle deutsche Website
- Deutschsprachige Pressekritiken zu Happy-Go-Lucky bei film-zeit.de
- Unverwüstlich optimistisch − Kritik bei ZDF Aspekte u. A. mit ausführlichen Video-Interviews mit Regisseur Mike Leigh und den beiden Hauptdarstellern Sally Hawkins und Eddie Marsan von der Berlinale
Einzelnachweise [Bearbeiten]
- ↑ Presseheft der Tobis, Produktionsnotizen S. 15
- ↑ Mike Leighs Drehorte in London auf timeout.com
- ↑ Berlinale 2008 auf arte.tv
- ↑ a b c d e f g IMDb: Several Nominations and Wins for Happy-Go-Lucky. 13. Dezember 2008. Abgerufen am 16. Dezember 2008.
- ↑ Boston Society of Film Critics: BSFC 2008 Winners. 15. Dezember 2008. Abgerufen am 13. Dezember 2008.
- ↑ BIFA: BIFA 2008 Nominations. 13. Dezember 2008. Abgerufen am 13. Dezember 2008.
- ↑ Chicago Film Critics Association Awards: CFCAA 2008 Nominations. 15. Dezember 2008. Abgerufen am 13. Dezember 2008.
- ↑ Detroit Film Critics Awards: DFCA 2008. 15. Dezember 2008. Abgerufen am 15. Dezember 2008.
- ↑ Silverman, Stephen: Angelina Jolie, Brad Pitt Score Golden Globe Nods. People. 11. Dezember 2008. Abgerufen am 11. Dezember 2008.
- ↑ Nominations & Winners. Golden Globes. Abgerufen am 12. Dezember 2008.
- ↑ LFCA: London Film Critics’ Circle Awards 2008 Nominations. 21. Dezember 2008. Abgerufen am 13. Dezember 2008.
- ↑ 2008 San Francisco Film Critics Circle Award winners: December 15, 2008 San Francisco Film Critics Circle Awards. Retrieved December 16, 2008.
- ↑ 2008 13th Annual SATELLITE Awards Nominees. 13. Dezember 2008. Abgerufen am 13. Dezember 2008.
- ↑ 2008 Alliance of Women Film Journalists Award winners: Dec. 15, 2008 Women Film Journalists Award. Retrieved December 16, 2008.
- ↑ Berlinale 2008 auf arte.tv
- ↑ Tagesspiegel vom 13. Februar 2008
- ↑ blogs.taz vom 12. Februar 2008
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