Karel Schwarzenberg

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Karel Schwarzenberg (2007)

Karel Schwarzenberg (deutsch Karl Schwarzenberg, * 10. Dezember 1937 in Prag) war 2007–2009 und 2010–2013 Außenminister der Tschechischen Republik. Während seiner ersten Amtszeit war er aufgrund der tschechischen EU-Ratspräsidentschaft in der ersten Jahreshälfte 2009 außerdem Präsident des Rats der Europäischen Union. Schwarzenberg ist Vorsitzender der 2009 neu gegründeten Partei TOP 09. In der Präsidentschaftswahl in Tschechien 2013 war er der zweitplatzierte Kandidat. Er ist das Oberhaupt des historischen Fürstenhauses Schwarzenberg.

Name und Staatsangehörigkeit[Bearbeiten]

Nach schwarzenbergscher Familientradition ist der Name Schwarzenbergs Karl Johannes Nepomuk Josef Norbert Friedrich Antonius Wratislaw Mena Fürst zu Schwarzenberg, Herzog von Krummau, gefürsteter Graf zu Sulz und Landgraf im Kleggau (heutiger geographischer Begriff Klettgau). In Tschechien wird Schwarzenberg medial in einer Mischung aus Distanz und Anerkennung oft als kníže ze Schwarzenbergu (= Fürst zu Schwarzenberg) bezeichnet, obwohl in der Tschechoslowakei, deren Staatsangehöriger Schwarzenberg bei seiner Geburt wurde, der Adel am 10. Dezember 1918 abgeschafft und das Führen entsprechender Titel offiziell untersagt wurde. Schwarzenberg ist als seinerzeit tschechoslowakischer und heute tschechischer Staatsbürger demzufolge nicht berechtigt, in seinem derzeitigen Wohnland den Titel Fürst oder Prinz zu tragen.

Die Mitglieder der Familie Schwarzenberg besitzen seit dem 16. Jahrhundert das Zürcher Bürgerrecht und seit 1848 gemäß dem Schweizer Bürgerrecht die eidgenössische Staatsangehörigkeit. Karl Schwarzenberg ist daher seit seiner Geburt auch Schweizer. Nach schweizerischem Recht ist die Führung von Adelstiteln und -prädikaten – mit Ausnahme der Partikel von – nicht gestattet. Österreichischer Staatsbürger war Schwarzenberg, obwohl er lange Zeit in Österreich lebte, zu keiner Zeit, sodass das österreichische Recht, welches die Inkludierung der früheren Adelstitel und -prädikate in den Namen vollständig verbietet, auf Schwarzenberg nicht angewandt werden kann und konnte.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Schwarzenberg kam 1937 als zweites von vier Kindern in der katholischen Familie des Karl (bis 1918: VI. Fürst von) Schwarzenberg (1911–1986) und der Antonie Leontine Schwarzenberg, geb. Prinzessin zu Fürstenberg (1905–1988), als tschechoslowakischer und Schweizer Staatsbürger zur Welt. Die Tschechoslowakische Republik hatte Adelstitel bereits am 10. Dezember 1918 aufgehoben.[1]

Seine Geschwister sind Marie Eleonore von Bredow (* 1936, verheiratet mit Leopold-Bill von Bredow, einem Urenkel Otto von Bismarcks), Friedrich Schwarzenberg (* 1940) und Anna Maria Freifrau von Haxthausen (* 1946). Schwarzenberg stammt von der sog. Schwarzenberger Sekundogenitur ab, d.h. der jüngeren Linie Schwarzenberg-Orlik, wurde jedoch von einem Angehörigen der älteren Linie Schwarzenberg-Frauenberg (der sog. Primogenitur) gemäß österreichischem Recht adoptiert und gilt privat seit 1979 als Oberhaupt der gesamten Familie Schwarzenberg, die 1670 von Kaiser Leopold I. den erblichen Reichsfürstentitel verliehen erhielt.[2] Diesen Titel haben tschechoslowakische (und österreichische) Staatsbürger 1918 / 1919 verloren.

Schwarzenberg war von 1967 bis 1988 und ist erneut seit 2008 mit Therese Hardegg (* 1940) verheiratet. Während der Ehe wurden drei Kinder geboren: Johannes Nepomucenus (* 1967), Anna Carolina verh. Morgan (* 1968) und Karl Philipp (* 1979). Letzterer wurde 1987 von seinem leiblichen Vater Thomas Prinzhorn adoptiert und führt nunmehr den Namen Karl Philipp Prinzhorn.

Schwarzenbergs Mutter sprach fließend Deutsch und Englisch und war auch des Tschechischen mächtig, sein Vater war nationaltschechisch orientiert. Schwarzenberg hat als Kind tschechischsprachige Schulen besucht, im Elternhaus wurde auch Tschechisch und Deutsch gesprochen, das Schwarzenberg in einer für moderne tschechische Ohren etwas altertümlich anmutenden Form spricht.[3]

Wohnsitze[Bearbeiten]

Schwarzenberg ist Forstwirt und Hotelier und hat Wohnsitze in Prag sowie auf dem Schloss Dřevíč und in der Burg Orlík an der Moldau in Böhmen, in der Schweiz, im Stammschloss Schwarzenberg in Scheinfeld in Mittelfranken, im Schloss Obermurau in der Steiermark und im Palais Schwarzenberg am Schwarzenbergplatz in Wien.

Schloss Obermurau befindet sich im Besitz der Fürstlich Schwarzenberg'schen Familienstiftung mit Sitz in Vaduz und ist Verwaltungssitz der Schwarzenberg'schen Betriebe in Österreich, Museum und Wohnsitz der Familie Karl Schwarzenbergs. (Die Familie bevorzugt statt der durch die NS-Zeit belasteten Bezeichnung ›Obermurau‹ den Namen ›Schloss Murau‹.)[4]

Mitteleuropäer[Bearbeiten]

Schwarzenberg bezeichnet sich selbst als Mitteleuropäer. Seine politische Karriere in Tschechien und die Eigentumsrückstellung nach 1989 waren möglich, weil sich seine Eltern zur ersten Tschechoslowakischen Republik bekannten und nicht als Deutsche optierten, als das Deutsche Reich 1938 und 1939 den Großteil des Landes (ohne Slowakei und Karpatenukraine) okkupierte und sich das von ihm völkerrechtswidrig errichtete Protektorat Böhmen und Mähren einverleibte. Das Bekenntnis beider Schwarzenberger Familienzweige (auch der sog. Primogenitur, der Frauenberger Linie) zum Tschechentum bewirkte, dass ihre Besitztümer während der NS-Herrschaft beschlagnahmt wurden, dass die Familienmitglieder aber die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft 1945 und danach unzweifelhaft besaßen; die meisten anderen deutschsprachigen Bürger hatten 1938 / 1939 für das Deutsche Reich optiert und wurden daher 1945 als Ausländer betrachtet, enteignet und vertrieben.

Jugend in Österreich[Bearbeiten]

Im Dezember 1948, etwa neun Monate nach dem von der Sowjetunion geförderten kommunistischen Umsturz vom 25. Februar des Jahres, verließen die Eltern Schwarzenbergs mit ihrer Familie die Tschechoslowakei, wo sie nach der Eigentumsrückstellung des Jahres 1945 bis Anfang 1948 einige Schlösser und mehrere Tausend Hektar Land besaßen. Die Emigration der Familie wurde durch ihre zweite, eidgenössische Staatsangehörigkeit erleichtert. 1960 wurde Karl von seinem entfernten Verwandten Heinrich Schwarzenberg, dem jüngeren Bruder des damaligen Familienoberhauptes der Schwarzenberger Primogenitur, Joseph (III.), adoptiert. Diese familieninterne Entscheidung brachte erbrechtliche Vorteile für Schwarzenberg.

Schwarzenberg absolvierte in Wien das Gymnasium und schloss dieses 1957 mit Matura ab. Er ist seit 1953 Mitglied der Schülerverbindung K.Ö.M.L. Tegetthoff zu Wien im MKV. Nach der Matura begann er nacheinander Studien der Rechts- und Forstwissenschaften in Wien, Graz und München, schloss diese aber nicht ab.

1979 trat er das Erbe seines Onkels Joseph an, wurde internes Oberhaupt der Familie Schwarzenberg und vereinigte in seiner Person die beiden Linien (Primogenitur und Sekundogenitur) der Familie.

Eigentumsrückstellung nach 1989[Bearbeiten]

Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde in der damaligen Tschechoslowakei ein Restitutionsgesetz verabschiedet. Schwarzenberg bekam daraufhin erhebliche Teile des früheren Waldbesitzes und der landwirtschaftlichen Flächen seines Vaters, das Schloss Orlík an der Moldau und weitere Liegenschaften zurück. Er verzichtete aber darauf, die Rückgabe des Stammsitzes der Fürsten zu Schwarzenberg zu fordern. Das Schloss Frauenberg (Hluboká) war zuvor mehr als drei Jahrhunderte im Besitz der Familie Schwarzenberg gewesen.[5]

Laut dem Wirtschaftsmagazin „Bilanz“ verfügt Schwarzenberg in mehreren Ländern über ein Vermögen von etwa 200–300 Mio. Schweizer Franken.

Politik[Bearbeiten]

Aktivitäten in Wien[Bearbeiten]

In den 1960er Jahren war Schwarzenberg in Österreich politisch tätig. So war er Paul Lendvai zufolge gemeinsam mit Hermann Withalm und Josef Klaus hinter den Kulissen an der Reform der ÖVP in den Jahren vor der Nationalratswahl 1966 beteiligt, bei der die ÖVP die absolute Mehrheit erzielte.[6] Lendvai berichtete auch von letztlich nicht erfolgreichen Bestrebungen in der ÖVP, Schwarzenberg Mitte der 1960er Jahre das österreichische Außenministerium oder ein Staatssekretariat zu übertragen.

Schwarzenberg selbst erinnerte sich 2010 an diese Zeit mit den Worten: Ich habe damals zu einer Gruppe junger Leute gehört, die bewusst das Gespräch mit der anderen Seite gesucht hat […], ob's der Heinzi Fischer war, ob's der Rupert Gmoser war […], es war selbstverständlich, dass wir nicht an irgendwelchen Dogmen geklebt sind.[7]

1969 / 1970 war Schwarzenberg als Kreditgeber an Oscar Bronners Gründung des österreichischen Wirtschaftsmagazins „trend“ beteiligt, das im Jänner 1970 zum ersten Mal erschien und dem Bronner wenige Monate später das Nachrichtenmagazin „profil“ folgen ließ. (Beide Magazine bestehen bis heute.)

Helsinki-Föderation[Bearbeiten]

Schwarzenberg unterstützte frühzeitig den Widerstand gegen die kommunistische Regierung in der Tschechoslowakei. Nach der Niederschlagung des Prager Frühlings von 1968 setzte er sich für die Oppositionellen ein und engagierte sich auf internationaler Ebene für die Menschenrechte. Unter anderem war er von 1984 bis 1991 auf Vorschlag Bruno Kreiskys[8] Präsident der Internationalen Helsinki-Föderation für Menschenrechte. 1986 gründete er im Schloss Schwarzenberg in Scheinfeld das „Dokumentationszentrum zur Förderung der unabhängigen tschechoslowakischen Literatur“.

1989 erhielt er gleichzeitig mit Lech Wałęsa den Menschenrechtspreis des Europarates.

Politiker in der Tschechoslowakei bzw. in Tschechien[Bearbeiten]

Nach der Samtenen Revolution in der Tschechoslowakei und der Wahl Václav Havels zum Staatspräsidenten fungierte Schwarzenberg vom 10. Juli 1990 bis 1992 als dessen Büroleiter mit dem Titel Kanzler und Amtssitz auf der Prager Burg. (Neben dieser steht das Renaissance-Palais Schwarzenberg, das sich seit 1948 nicht mehr im Familienbesitz befindet.)

1996 erwarb er die seit 1990 in Prag erscheinende liberale Wochenzeitschrift „Respekt“. Im November 2004 wurde er im Stadtbezirk Prag 6 für sechs Jahre in den tschechischen Senat gewählt, nominiert von US-DEU. Er war bis zu deren Auflösung im Jahre 2007 Mitglied der ODA.

Am 9. Januar 2007 wurde Schwarzenberg von Staatspräsident Klaus (der zuvor aufgrund der Verbundenheit Schwarzenbergs mit Österreich Bedenken gegen diese Ernennung geäußert hatte) zum Außenminister (nominiert von den tschechischen Grünen) in der Regierung Mirek Topolánek II vereidigt. Er ist seitdem einer der populärsten tschechischen Politiker.

Mit der Amtseinführung der Übergangsregierung unter Jan Fischer am 8. Mai 2009 wurde er als Außenminister von Jan Kohout abgelöst. Schwarzenberg schloss sich daraufhin der vom Finanzminister der Regierung Topolánek, Miroslav Kalousek, initiierten neuen Partei TOP 09 an und wurde am 11. Juni 2009 zum Vorsitzenden dieser Partei gewählt. Bei den Parlamentswahlen im Mai 2010 wurde er ins Abgeordnetenhaus gewählt, daraufhin gab er seinen Sitz im Senat vorzeitig auf.

Am 13. Juli 2010 zog Schwarzenberg in der Mitte-Rechts-Regierung des Premierministers Petr Nečas neuerlich als Außenminister Tschechiens in das Palais Czernin ein. Nečas trat am 17. Juni 2013 zurück; sein Nachfolger wurde Jiří Rusnok (bis zu vorgezogenen Neuwahlen am 25./26. Oktober 2013; die TOP 09 erhielt 12,0 % der Stimmen und 26 der 200 Sitze).

Er trat zur Präsidentschaftswahl in Tschechien 2013 an und erhielt im ersten Wahlgang am 11. und 12. Januar 2013 den zweithöchsten Stimmenanteil (23,4 %), wobei die Differenz zum Stimmenanteil des Erstplatzierten, des SPOZ-Ehrenvorsitzenden und ehemaligen Ministerpräsidenten Miloš Zeman, weniger als einen Prozentpunkt betrug. Da keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erzielte, fand zwei Wochen nach der ersten Wahlrunde eine Stichwahl zwischen Zeman und Schwarzenberg statt, [9][10] die Schwarzenberg gegen Zeman verlor.[11]

Kritik[Bearbeiten]

Im Zusammenhang mit der Privatisierung des Likörherstellers Becherovka wurden aus den Reihen der politischen Opposition in Tschechien Vorwürfe laut, dass sich Schwarzenberg durch seine Tätigkeit in der tschechischen Politik Vorteile bei der Privatisierung des Werkes verschafft habe. 1997 erwarb das von Pernod Ricard, zu dessen Aktionären Schwarzenberg gehörte, getragene Salb-Konsortium 30 % der Aktien zuzüglich eines Stimmrechts für weitere 21 % vom tschechischen Staat. 59 % der Anteile verblieben zunächst beim Staat. Im Jahre 2001 erfolgte der Verkauf von 89 % des Staatsanteils an die Value Bill GmbH, deren Gesellschafter neben der Bankgesellschaft Patria Finance und Pernod Ricard mit jeweils 40 % auch Schwarzenberg ist, der die restlichen 20 % der Gesellschafteranteile besitzt.

Ehrungen, Auszeichnungen und Mitgliedschaften[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Karel Schwarzenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Till Janzer: Zeit des Niedergangs. Der böhmische Adel im 20. Jahrhundert Webseite von Radio Praha, 27. Dezember 2008.
  2. Constant Wurzbach von Tannenberg: Schwarzenberg, das Fürstenhaus, Genealogie
  3. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatIan Willoughby: Karel Schwarzenberg – a prince with his eye on the Castle. Radio Praha, 13. Dezember 2013, abgerufen am 13. Januar 2013 (englisch).
  4. http://zweiundmehr.safedeck.at/bbsteiermark/Angebot/2///16/1233.html
  5. tagesspiegel.de 29. März 2009: Schlossherr ohne Schloss. Wie Tschechiens Außenminister Schwarzenberg seine Kollegen mit der eigenen Familiengeschichte in Berührung brachte.
  6. Paul Lendvai: Mein Österreich – 50 Jahre hinter den Kulissen der Macht, 4. Auflage, Ecowin Verlag, Wien 2007, ISBN 3-902404-46-9, S. 89
  7. Im Gespräch mit Karl Schwarzenberg, in: Helene Maimann (Hrsg.): Über Kreisky. Gespräche aus Distanz und Nähe, Falter Verlag, Wien 2011, ISBN 978-3-85439-455-6, S. 98
  8. Schwarzenberg in: Maimann, a. a. O., S. 101
  9. volby.cz: Výsledek volby
  10. Karl-Peter Schwarz: Der Fürst und der Machiavelli, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14. Januar 2013, S. 5.
  11. Süddeutsche Zeitung: Milos Zeman zum Präsidenten Tschechiens gewählt
  12. Karl Johannes Fürst zu Schwarzenberg, eingesehen am 2. Januar 2009
  13. Eintrag von Karel Schwarzenberg (Webseite CZ), eingesehen am 2. Januar 2009
  14. „Senator Karl Schwarzenberg erhält das Große Silberne Ehrenzeichen am Bande für Verdienste um die Republik Österreich“, eingesehen am 2. Januar 2009
  15. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  16. „Tschechischer Außenminister Schwarzenberg erhält das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“, Auswärtiges Amt 12. Dezember 2008
  17. Sachsen zeichnet tschechischen Außenminister mit Verdienstorden aus