Vita Heinrici IV. imperatoris

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Vita Heinrici IV. imperatoris. Regensburg, Kloster St. Emmeram. München Bayerische Staatsbibliothek, Clm 14095, 45 fol. 17v

Die Vita Heinrici IV. imperatoris ist eine Lebensbeschreibung Heinrichs IV. in der Gestalt einer Totenklage.

Der Verfasser ist anonym geblieben und verfasste seine Vita unter dem Eindruck des Todes Heinrichs IV. um 1105/1106. Als treuer Anhänger Heinrichs IV. wollte er unter allen Umständen seine Identität wahren, um nicht persönliche Nachteile aus dem Lager des jungen Königs Heinrichs V. zu befürchten. Der Verfasser ist an klassischen Autoren, besonders in Sallust, sehr gebildet.

Die Vita zeichnet das Herrscherleben unter dem Eindruck der launischen Fortuna nach. Die Einleitung erörtert die Tugenden des Herrschers (c. 1). Das Leben des Herrschers wird in drei großen Abschnitten geschildert: Die Königsjahre und Kaiserkrönung (c. 2–6), die Höhepunkte der Herrschaft und die Friedensbemühungen 1103 (c. 9–13) sowie die Katastrophe. Der Verfasser verschweigt den eigentlichen Anlass für den Konflikt zwischen Heinrich IV. und Gregor VII. Entgegen den tatsächlichen Begebenheiten lässt der Verfasser Heinrich IV. freiwillig abdanken um die Legitimität seines Sohnes Heinrichs V. in der Herrschaftsnachfolge nicht in Frage zu stellen. Auch die Empörung Heinrichs V. gegen seinen Vater wird nicht als Verrat des Sohnes am Vater, sondern dem negativen Einfluss der Fürsten zu geschrieben.

In der Vita wird über Würzburger Vorgänge breit berichtet. Erstmals hat Wilhelm Giesebrecht im Bischof Erlung von Würzburg den Verfasser der Vita ausgemacht. Gesichert ist diese Annahme aber bis heute nicht.[1] Mehrmals sind auf Gemeinsamkeiten der Vita und des Carmen de bello saxonico hingewiesen worden. Als sehr wahrscheinlich gilt, dass der Verfasser der Vita mit dem Dichter des Carmen identisch ist.

Die Vita Heinrici IV. ist einzig in einer St. Emmeramer Handschrift zu Beginn des 12. Jahrhunderts überliefert.[2]

Werkausgaben

  • Franz-Josef Schmale/ Irene Schmale-Ott: Quellen zur Geschichte Kaiser Heinrichs IV. Lateinisch und deutsch. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2006 (Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters Freiherr vom Stein-Gedächtnisausgabe; 12). 5. Aufl., unveränd. Nachdr. der 4. Aufl., Darmstadt 2006 ISBN 3-534-19876-X. Enthält die Vita Heinrici IV. imperatoris (S. 408–467).
  • Vita Heinrici IV. imperatoris (= MGH SS rer. Germ. 58), ed. Wilhelm Eberhard, Hannover/ Leipzig 1899.

Literatur

  • Manfred Schluck: Die Vita Heinrici IV. Imperatoris. Ihre zeitgenössischen Quellen und ihr besonderes Verhältnis zum Carmen de bello Saxonico. Sigmaringen 1979, ISBN 3-7995-6686-4.

Anmerkungen

  1. Steffen Patzold: Königtum in bedrohter Ordnung: Heinrich IV. und Heinrich V. 1105/06. In: Gerhard Lubich (Hrsg.): Heinrich V. in seiner Zeit. Herrschen in einem europäischen Reich des Hochmittelalters. Wien u.a. 2013. S. 43–68, hier: S. 48.
  2. Helmut Beumann: Zur Handschrift der Vita Heinrici IV. (Clm 14095). In: Clemens Bauer u.a. (Hrsg.): Speculum historiale. Geschichte im Spiegel von Geschichtsschreibung und Geschichtsdeutung. Freiburg u.a. 1965, S. 204-223.