Westgotische Weihekronen

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Krone Rekkeswinths mit Pendilien
Detail der Krone Rekkeswinths

Mit dem Begriff westgotische Weihekronen werden mehrere leuchterartig an der Decke aufgehängte Kronen bezeichnet, die wahrscheinlich nie als – auf dem Kopf zu tragende – Herrschaftsinsignien Verwendung fanden, sondern in einem Heiligtum (Kirche) oder Weiheraum aufbewahrt wurden. In ihrer künstlerischen Machart stehen sie in byzantinischer Tradition. Auf zwei Kronen sind Stifterinschriften der westgotischen Könige Suinthila (621–631) und Rekkeswinth (649/653–672) angebracht.

Fundgeschichte[Bearbeiten]

Im Jahre 1858 fanden Bauern aus Guadamur in der Provinz Toledo in der Feldmark Guarrazar mehrere goldene Weihekronen und Hängekreuze sowie weiteres Gerät. Erst im Frühjahr 1859 führte José Amador de los Ríos reguläre Grabungen im Auftrag der Real Academia de la Historia durch. Dabei konnte geklärt werden, dass der Schatz in zwei Verstecken am Rand eines Gräberfeldes und einer cella memoria verborgen worden war.

Der Schatzfund wurde noch im 19. Jahrhundert aufgeteilt: Sechs Kronen, fünf Kreuze, ein Anhänger etc. gelangten ins Museo Arqueológico Nacional de España; eine Krone, ein Kreuz und eine Gemme mit einer Verkündigungsdarstellung befinden sich immer noch im Königlichen Palast (Palacio Real) in Madrid, aus welchem jedoch im Jahre 1921 die Krone Suinthilas entwendet wurde; weitere Stücke (drei Kronen, zwei Kreuze und mehrere Anhänger) werden im Musée national du Moyen Âge (ehemals Musée de Cluny) in Paris aufbewahrt.

Neue Untersuchungen fanden zwischen 2002 und 2005 durch das Deutsche Archäologische Institut Madrid unter Leitung von Christoph Eger statt. Mit geophysikalischen Methoden konnten dabei die Ausdehnung des Fundplatzes und noch im Boden ruhende Baustrukturen erkannt werden. Sondagen zeigten, dass Guarrazar auch noch in nachwestgotischer Zeit besiedelt war.

Krone Rekkeswinths[Bearbeiten]

Das bedeutendste Stück des Schatzes, die Krone Rekkeswinths, ist an vier Ketten aufgehängt; an einer fünften hängt – unterhalb der Ringkrone – ein etwa 10 cm hohes und mit blauen Halbedelsteinen und weißen Perlen geschmücktes Kreuz. Die diademartige, d. h. nach oben offene, Krone selbst ist mit einem umlaufenden Rautenmuster dekoriert, in dessen Ecken wiederum Halbedelsteine und Perlen eingelassen sind. Weder die Krone noch ihre Gehänge zeigen figürliche oder vegetabilische Motive. Das untere Gehänge besteht aus mehreren kurzen Ketten (Pendilien), an denen – in lateinischen Großbuchstaben – die Inschrift [R]ECCESVINTUS REX OFFERET erscheint; das fehlende 'R' befindet sich in Paris.

Andere Weihekronen[Bearbeiten]

Die unten gezeigten Weihekronen entstammen ebenfalls dem Schatzfund von Guarrazar; sie befinden sich allesamt im Museo Arqueológico Nacional de España (MNAH) in Madrid. Materialien und Machart sind denen der Krone Rekkeswinths vergleichbar. Die beiden mittleren Kronen sind seitlich offen; die vierte Krone besteht aus vier – durch Scharniere verbundenen – getriebenen und mit Halbedelsteinen besetzten Goldplatten.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Alicia Perea (Hrsg.): El tesoro visigodo de Guarrazar. Ministerio de Ciencia y Tecnología u. a., Madrid 2001, ISBN 84-00-07732-6.
  • Alicia Perea: Visigothic filigree in the Guarrazar (Toledo) and Torredonjimeno (Jaén) treasures. Historic Metallurgy 40.1 (2006).
  • Christoph Eger: Guarrazar (Provinz Toledo). Bericht zu den Untersuchungen 2002 bis 2005. In: Madrider Mitteilungen. 48, 2007, ISSN 0418-9744, S. 267–305.
  • Maria Filomena Guerra, Thomas Galligaro, Alicia Perea: The treasure of Guarrazar. Tracing the gold supplies in the Visigothic Iberian peninsula. Archeometry 49.1 (2007) S. 53-74.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Westgotische Weihekronen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

39.814444444444-4.1455555555556Koordinaten: 39° 48′ 52″ N, 4° 8′ 44″ W