Frank McCourt

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Frank McCourt bei einer Lesung in Köln im September 2006
Frank McCourt, 2007

Francis „Frank“ McCourt (* 19. August 1930 in New York City; † 19. Juli 2009 ebenda) war ein US-amerikanischer Schriftsteller irischer Abstammung.

Frank McCourt wurde als ältester Sohn einer irischen Einwandererfamilie im Stadtteil Brooklyn von New York City geboren. Als er fünf Jahre alt war, kehrte seine Familie nach Irland zurück, da seine Eltern aufgrund der Großen Depression in New York keine Arbeit fanden. McCourt verbrachte den Rest seiner Kindheit und Jugend in ärmlichen Verhältnissen im katholisch geprägten Limerick. Sein Vater Malachy war arbeitslos und vertrank häufig das Stempelgeld. Als Frank McCourt zehn Jahre alt war, ging der Vater nach England, um dort in einer Fabrik zu arbeiten. 1944 fing der Junge an, als Telegrammbote zu arbeiten, da der Vater kein Geld schickte. So musste Frank McCourt zusammen mit seiner Mutter Angela für die jüngeren Geschwister Malachy, Michael und Alphey sorgen.

Im Jahr 1949 hatte er sich den Traum seiner Jugend zusammengespart: Die Fahrkarte zurück nach New York. Dort arbeitete er zunächst im luxuriösen Biltmore Hotel und wurde dann während des Koreakrieges in die United States Army eingezogen.[1] Als Korporal war er von 1951 bis 1953[2] in Bayern stationiert, vorwiegend bei der Hundestaffel in der Lenggrieser Prinz-Heinrich-Kaserne.[3] Nach seiner Heimkehr studierte er in New York und arbeitete nebenbei in Lagerhäusern und auf den Docks, um seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Nach dem Ende seines Studiums unterrichtete er ab 1958 an verschiedenen Schulen als Englischlehrer. Zuletzt war er von 1972 bis 1987 an der Stuyvesant High School in New York tätig. Dort unterrichtete er vor allem kreatives Schreiben.[4] Frank McCourt war dreimal verheiratet, seine Tochter Margaret stammt aus erster Ehe.

Im Ruhestand verarbeitete Frank McCourt seine schwierige Kindheit und Jugend in dem autobiografischen Roman Die Asche meiner Mutter (1996). Das Buch wurde mit über 6 Millionen Exemplaren zum internationalen Bestseller und brachte seinem Autor 1996 den National Book Critics Circle Award und 1997 den Pulitzer-Preis.[5] Der Roman wurde 1999 von Alan Parker verfilmt. Der deutsche Übersetzer des Buches, Harry Rowohlt, erläuterte die Ursache des Erfolgs: „Die Wahrheit und die Komik. Mir hat eine Leserin geschrieben, sie hätte das auf einen Satz in der Eisenbahn von München nach Berlin durchgelesen und stieg Bahnhof Zoo aus, und vorher sagte der Herr, der ihr gegenübersaß: Kann ich bitte Autor und Titel erfahren, das Buch muss ich mir auch ansehen. Ich hab die ganze Zeit nur Sie beobachtet und Sie haben immer abwechselnd geweint und gelacht. Das will ich jetzt auch alles haben.“[6]

In Ein rundherum tolles Land erzählt Frank McCourt seine Erlebnisse seit der Rückkehr nach New York. Im dritten Teil seiner Memoiren, Tag und Nacht und auch im Sommer, schildert er sein Berufsleben als Lehrer mit teils sehr problematischen Klassen.

Am 19. Juli 2009 verstarb Frank McCourt im Alter von 78 Jahren in einem Hospiz in Manhattan. Er litt an einer Meningitis und einem metastasierten Melanom.[7]

In Limerick gibt es seit Juli 2011 in der Leamy’s School, die McCourt einst als Schüler besuchte, ein Frank-McCourt-Museum, das von seinem Bruder Malachy McCourt eingeweiht wurde.[8]

2017 wurde der Zeichentrick-Kurzfilm Angelas Weihnachten veröffentlicht, der auf dem Kinderbuch Angela and the Baby Jesus von McCourt basiert. Seine Witwe Ellen McCourt war als Executive Producer an der Verfilmung beteiligt. Ellen McCourt geb. Frey (geb. 1953 oder 1954) stammt aus Kalifornien.[9]

Einzelnachweise

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  1. Frank McCourt: Kultur: Der irische Autor Frank McCourt über die Folgen des plötzlichen Ruhms. In: tagesspiegel.de. 11. Oktober 1999, abgerufen am 11. März 2024.
  2. Frank McCourt im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar)
  3. Frank McCourts erotische Abenteuer in Lenggries. In: merkur.de. 21. Juli 2009, abgerufen am 11. März 2024.
  4. Eric Konigsberg: Frank McCourt: A Storyteller Even as a Teacher. In: nytimes.com. 19. Juli 2009, abgerufen am 11. März 2024 (englisch).
  5. Lev Grossman: Frank McCourt, 'Angela's Ashes' Author, Dies In: TIME, 19. Juli 2009. Abgerufen am 16. März 2023 (amerikanisches Englisch). „For most of his life, until he was well into his 60s, Frank McCourt wasn't a writer; he was a teacher. But it is as a writer, the author of the wildly successful memoir Angela's Ashes, that he will be remembered. He died on July 19 in New York of meningitis. He was 78 years old.“ 
  6. Joachim Scholl: Seelenverwandtschaft zwischen Autor und Übersetzer. In: deutschlandfunkkultur.de. 20. Juli 2009, abgerufen am 10. Mai 2023.
  7. Best-selling author McCourt dies. In: news.bbc.co.uk. 19. Juli 2009, abgerufen am 11. März 2024 (englisch).
  8. Frank-McCourt-Museum in Limerick
  9. Jim Dwyer: A Marriage That Made A Masterpiece Appear. In: nytimes.com. 25. Juli 2009, abgerufen am 11. März 2024 (englisch).