Atargatis (Gottheit)

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Münze mit dem Kopf von Demetrius III. Eucaerus. Auf der Rückseite Atargatis mit Fischleib und mit Gerstehalmen an beiden Seiten

Atargatis (griechisch), Atar'ata (aramäisch), als griechisch-römische Form Dea Syria; war eine weibliche semitische Gottheit besonders im Norden von Syrien, zu deren Kult unter anderem die rituelle Kastration gehörte.

Strabo (XVI,4,27) um die Zeitenwende und Athenaios zu Anfang des 3. Jahrhunderts setzten die Aphrodite Urania von Askalon mit Atargatis gleich. Auch die Göttin Derketo von Askalon und die edessenische Taratha werden mit Atargatis gleichgesetzt. Ihr wichtigster Tempel befand sich in Hierapolis Bambyke (heute: Manbidsch). Ihr Symbol war der Granatapfel, teilweise stand sie mit einem Fisch in Verbindung.

Nach Lukian von Samosata waren ihre Anhänger tätowiert, einige auf dem Handgelenk, andere am Hals. Diese Angabe wird durch einen Papyrus aus ptolemäischer Zeit bestätigt, der einen entlaufenen Sklaven aus Hierapolis beschreibt, der auf seinem rechten Handgelenk „barbarische Buchstaben“ eintätowiert hatte. Ulrich Wilcken vermutet, dass es sich dabei um die Initialen von Atargatis und dem aramäischen Hoch- und Wettergott Hadad handelte. Aramäer verehrten Atargatis unter dem Namen ’Attar-’atteh.

Die beiden sind auch auf einem Relief von Dura Europos dargestellt, das bei der Ausgrabung ihres Tempels gefunden wurde: Zwei Figuren sitzen nebeneinander, Atargatis ist flankiert von ihren Löwen. Sie ist größer dargestellt, als der neben ihr sitzende Hadad, dessen Attribut, der Ochse, klein an den linken Bildrand gedrängt ist. Die Vorherrschaft des Hauptgottes tritt gegenüber der volkstümlichen Verehrung seiner Gefährtin in den Hintergrund. Zwischen den beiden Figuren befindet sich ein als Kultstandarte interpretierter Pfosten mit drei Scheiben und einer Mondsichel darüber.[1]

Eine 132 n. Chr. datierte Inschrift von Palmyra bezeichnet den dortigen Tempel der Atargatis mit ’tr ’th. Eine römische Tessera zeigt die Göttin mit dem Kopf eines Ochsen neben sich und einem Stern. Im Bel-Tempel von Palmyra ist auf einer massiven Kalksteinplatte seitlich Bel abgebildet, wie er in seinem Kampfwagen einem Unhold nachjagt. Eine Gruppe von sechs Gottheiten beobachtet die Szene, eine davon ist Atargatis, die an ihrem Fischleib erkennbar ist.[2]

  • Benjamin Hederich: Atargatis. In: Gründliches mythologisches Lexikon. Gleditsch, Leipzig 1770, Sp. 457–458 (zeno.org).
  • Atargatis. In: Encyclopædia Britannica. 11. Auflage. Band 2: Andros – Austria. London 1910, S. 823 (englisch, Volltext [Wikisource]).
  • Ulrich Wilcken: Zu den ‘Syrischen Göttern’. In: Festgabe für Adolf Deissmann zum 60. Geburtstag. Mohr, Tübingen 1927.
  • Franz Joseph Dölger: Religiöse Tätowierung im Atargatiskult von Hierapolis in Syrien. In: Antike und Christentum. Kultur- und religionsgeschichtliche Studien. Band 2, Aschendorff, Münster 1930, S. 297–300.
  • Wilhelm Vollmer: Atargatis oder Atergatis. In: Wörterbuch der Mythologie aller Völker. Neu bearbeitet von W. Binder. Mit einer Einleitung in die mythologische Wissenschaft von Johannes Minckwitz. Zentralantiquariat der DDR, Leipzig 1978, OCLC 616624415, S. 78 (Digitaltexte auf vollmer-mythologie.de und zeno.org; Digitalisat in der Google-Buchsuche).
  • Susanna Elm: “Pierced by Bronze Needles”: Anti-Montanist charges of ritual stigmatization in their Fourth-Century context. In: Journal of Early Christian Studies 4/4, 1996, S. 409–439.
  • Johanna Stuckey: Atargatis, the “Syrian Goddess”. In: MatriFocus Cross-Quarterly. Band 8-3, 2009 (matrifocus.com).

Einzelnachweise

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  1. Skizze des Reliefs (Memento vom 27. Februar 2015 im Internet Archive), matrifocus.com.
  2. Javier Teixidor: The Pantheon of Palmyra. Études préliminaires aux religions orientales dans l’Émpire romain 79. Leiden 1979, S. 71–76.