BL 6 inch Mk VII naval gun

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BL 6 inch Mk VII naval gun


Allgemeine Angaben
Militärische Bezeichnung BL 6 inch Mk VII naval gun
Herstellerbezeichnung BL 6 inch Mk VII naval gun
Entwickler/Hersteller Vickers
Entwicklungsjahr 1899
Produktionszeit 1899 bis 1916
Stückzahl 898
Modellvarianten MK VII, MK VIII, MK XXIV
Waffenkategorie Schiffsgeschütz, Feldkanone, Küstenartilleriegeschütz
Technische Daten
Rohrlänge 6,81 m (22 ft 4 in)
Kaliber 152,4 mm (6 in)
Kaliberlänge 45
Gewicht in
Feuerstellung
Geschütz inkl. Verschluss: 7,654 kg

Mit Scott Lafette: 20.000 kg

Kadenz 8 Schuss/min
Höhenrichtbereich 22 Winkelgrad
Ausstattung
Verschlusstyp Schraubenverschluss System Welin
Ladeprinzip Hinterlader
Munitionszufuhr Einzellader
Reichweite 12.500 m bis 14.400 m (abhängig von der verwendeten Munition)

Die BL 6 inch Mk VII naval gun (genauso wie die baugleichen Mark VIII) war eine 1899 ursprünglich als Schiffsgeschütz entwickelte Kanone, die im Ersten Weltkrieg auch als schweres Feldgeschütz der Royal Garrison Artillery verwendet wurde. Diese Kanone wurde noch bis in den Zweiten Weltkrieg hinein als Schiffsgeschütz eingesetzt und bei der Küstenartillerie bis in die 1950er Jahre verwendet.

Entwicklungsgeschichte

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Die BL 6 inch Mk VII naval gun wurde entwickelt, um die QF-6-inch-/40-Schiffskanone aus dem Jahr 1890 zu ersetzen. Während die ältere QF-6-inch-/40-Kanone patronierte Munition mit Messinghülsen verwendete, kehrte man bei dem Nachfolgemodell wieder zur Granate mit separater Seidenbeutel-Treibladung zurück, da man bei Vickers festgestellt hatte, dass mit dem neuen Schraubenverschluss des Systems Welin eine ebenso schnelle Feuergeschwindigkeit erreicht werden konnte wie mit patronierter Munition. Vickers versprach sich des Weiteren eine signifikante Einsparung von Stauraum an Bord von Kriegsschiffen. Von diesem Geschütz wurden zwei Varianten gebaut:

  • die Mark-VII-Geschütze, deren Verschluss nach rechts geöffnet wurde und
  • die Geschütze Mark VIII, deren Verschluss nach links geöffnet wurde,

Damit wurde bei Doppellafetten eine optimale Bedienung der Geschütze erreicht. Geschütze in Einzellafette hingegen waren immer von der Ausführung Mark VII.

Einsatzgeschichte

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Schiffsgeschütz

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Vordere Steuerbord-Kasematten der Kent mit Beschädigung durch Granaten nach dem Seegefecht bei den Falklandinseln
Geschützausbildung auf Laconia März 1942

Die Waffe wurde erstmals bei den Schlachtschiffen der Formidable-Klasse verwendet und danach in zahlreichen anderen Schiffen der Royal Navy eingebaut. Der Einsatz erfolgte unter anderem in Schiffen der:

Im Zweiten Weltkrieg wurde das Geschütz noch auf Hilfskreuzern wie zum Beispiel Rawalpindi und Jervis Bay oder Passagierschiffen wie beispielsweise Laconia verwendet.

Originale Scott-Lafette

Die ersten dieser Geschütze trafen an der Westfront im Laufe des Jahres 1915 ein. Um sie als Feldkanone verwenden zu können, wurden sie mit einer improvisierten sogenannten Scott-Lafette, benannt nach deren Erfinder Admiral Sir Percy Scott, ausgestattet.

Feuerndes Geschütz in der Nähe von Beaumetz-lès-Loges während der Schlacht von Arras, 21. April 1917
Geschütz am Vimy-Rücken

Bevorzugt wurden diese Geschütze zum Niederkämpfen feindlicher Artilleriestellungen sowie zur Bekämpfung von Zielen in der Tiefe des Raumes eingesetzt. Die Geschütze wurden wie im Ersten Weltkrieg auf britischer Seite üblich durch Soldaten der Royal Garrison Artillery bedient. Eine Batterie bestand aus vier Geschützen. Beginnend mit dem Oktober 1916 wurde das Geschütz aufgrund seiner unzulänglichen Lafette durch die leichteren und moderneren BL 6 inch Gun Mk XIX ersetzt; die noch vorhandenen Geschütze wurden bis zum Kriegsende weiterverwendet und nach dem Waffenstillstand von der British Army umgehend ausgemustert.

Küstenartillerie

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Siehe hierzu auch: Liste der Küstengeschütze

Die BL 6 inch Mk VII naval gun stellte zusammen mit der BL 9.2-inch-gun Mk IX–X die Hauptbewaffnung der Küstenartillerie des Vereinigten Königreiches und des Commonwealth. Viele der Geschütze aus ausgemusterten alten Kriegsschiffen der Royal Navy wurden nach dem Ende des Ersten Weltkrieges überholt und ebenfalls den Küstenartillerieverbänden zugeführt, in dieser Rolle blieben diese Geschütze bis zur Auflösung der Küstenartillerie in den 1950er-Jahren. Insgesamt wurden von der Küstenartillerie noch 103 Stück verwendet. Einige wenige Geschütze wurden in der Zwischenkriegszeit mit verstärkten Geschützrohren versehen, was die Verwendung stärkerer Korditladungen möglich machte, diese Geschütze wurden dann in BL 6 inch Mk XXIV naval gun umbenannt.

Mk-III-Kordit-Treibladung Mk-IV-Artilleriegranate Mk-VIIA-Artilleriegranate MK-XIIA-QNT-Artilleriegranate mit Leuchtspur Mk-IX-Schrapnell-Granate Mk XVI, Technisches Datenblatt einer Mark-XVI-Sprenggranate

Noch vorhandene Exemplare

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Commons: BL 6 inch Mk VII field gun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Commons: BL 6 inch Mk VII coast defence gun – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Dale Clarke: British Artillery 1914-1919. Heavy Artillery. Osprey Publishing, Oxford UK 2005, ISBN 978-1-84176-788-8.
  • Tony DiGiulian: British 6"/45 (15.2 cm) BL Mark VII 6"/45 (15.2 cm) BL Mark VIII 6"/45 (15.2 cm) BL Mark XXIV.
  • General Sir Martin Farndale: History of the Royal Regiment of Artillery. Western Front 1914–18. Royal Artillery Institution, London 1986, ISBN 978-1-870114-00-4.
  • General Sir Martin Farndale: History of the Royal Regiment of Artillery. The Forgotten Fronts and the Home Base, 1914–18. Royal Artillery Institution, London 1988, ISBN 978-1-870114-05-9.
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  • Siegfried Breyer: Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer 1905–1970. J. F. Lehmanns, München 1970, ISBN 3-88199-474-2.
  • Michael J.H. Taylor: Jane’s Fighting Ships of World War I. Studio, 1990, ISBN 1-85170-378-0.
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  • Richard Ellis, Ben Warlow: The Royal Navy at Malta. Volume One – The Victorian Era 1865–1906. Maritime Books, Liskeard 1989, ISBN 0-907771-43-2.
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