Maqsūra

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Die Maqsūra arabisch مقصورة , مقاصير, DMG maqṣūra, Pl. maqāṣīr ist ein ursprünglich für den islamischen Herrscher oder den Statthalter abgetrennter Bereich im Betsaal einer Moschee. Sie befindet sich in der Regel neben dem Minbar.

Die islamische Geschichtsschreibung berichtet einstimmig darüber, dass die Maqsūra entweder zur Zeit des dritten Kalifen Uthman ibn Affan († 656), oder vom ersten Umayyaden Muʿāwiya I. († 680) oder von Marwan I. († 685) als eine Art „Loge“ für die Herrscher eingeführt wurde, um feindliche Überfälle auf sie zu verhindern. at-Tabari berichtet in seiner annalistischen Weltgeschichte, al-Baladhuri in seinem Kitāb Futūh al-buldān „Die Eroberung der Länder“, dass Marwan ibn al-Hakam, noch in seiner Eigenschaft als Statthalter von Medina, bereits im Jahre 664, als er von einem Jemeniten angegriffen wurde, eine Maqsūra aus Stein mit einem Fenster errichten ließ. Seinem Beispiel folgte dann Muʿāwiya in Syrien im selben Jahr.[1] Ibn ʿAsākir berichtet nach älteren Quellen, dass die Maqsūra zur Zeit von Muʿāwiya auch als Versammlungsort des Kalifen mit seinen Beratern benutzt wurde.[2] Er berichtet ferner, dass nach der Amtseinführung von Sulaiman ibn Abd al-Malik im Jahre 717 eine Maqsūra für den Kalifen errichtet wurde.[3]

Wie schon unter den Umayyaden war die Maqsūra auch zur Zeit des Abbasiden-Kalifen al-Mahdī († 785) ein Ort des öffentlichen Lebens; während seines Besuches in Medina betrat der Kalif die Maqsūra in der Prophetenmoschee von Medina, um dort an die vornehmen Vertreter der Quraisch Auszeichnungen und Geschenke zu verteilen.[4] Historischen Berichten zufolge, soll al-Mahdī diese Einrichtung in Betsälen der Hauptmoscheen in den Provinzen im Jahre 778 per Erlass verboten haben. In Bagdad, am Sitz der Abbasiden, blieb die Maqsūra allerdings bestehen, wo al-Maʿmūn das Festtagsgebet am Tage von Arafat („yaum ʿArafa“), am Höhepunkt der islamischen Pilgerfahrt, verrichtete.[5] Al-Ma'mun († 833) wollte die Maqsūra aus allen Moscheen mit der Begründung entfernen lassen, es handele sich dabei um eine lediglich vom Umayyadenkalifen Muʿāwiya nicht aber vom Propheten Mohammed eingeführte Sunna, somit um eine Bidʿa.[6] Dennoch ist die Maqsūra in der Folgezeit, wie Ibn Chaldun darauf hinweist, als „eine speziell islamische Einrichtung“ verstanden worden.[7]

Die Maqsūra von Kairouan

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Minbar mit der Maqsūra im Hintergrund. Historische Postkarte um 1900

Die älteste, gegen 1040 entstandene und heute noch erhaltene Maqsūra steht in der Großen Moschee von Kairouan. Sie ist auf Anordnung von Al-Muʿizz b. Bādīs az-Zīrī († 1062) mit einer dekorativen, dem daneben stehenden Minbar angepassten Holzkonstruktion und der Gründungsinschrift in stilisiertem Kufi-Duktus[8] errichten worden. Der Inschriftenfries am oberen Rand der Maqsūra ist erstmals 1950 auf Arabisch und in französischer Übersetzung publiziert worden.[9] Gemäß einer weiteren Inschrift an der Holzkonstruktion ist die Maqsūra zwischen Dezember 1624 und Januar 1625 repariert worden.[10] Der Bau, der durch ein in die qibla-Wand geschlagenes Doppeltor, genannt Bāb al-Imām „Tür des Herrschers“, erreichbar war[11], gehört zu den schönsten Zeugnissen islamischer Innenarchitektur.[12]

Die Moscheebibliothek von Kairouan, eine Sammlung wertvoller Korancodices und literarischer Handschriften aus dem späten 9. und 10. Jahrhundert, war noch im ausgehenden 19. Jahrhundert in der Maqsūra untergebracht.[13]

Einzelnachweise

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  1. The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 6, S. 196. at-Tabari: Taʾrīch, Bd. 2, 70: „In diesem Jahr schuf Marwān die Maqsūra. Und – wie man berichtet – errichtete sie auch Muʿāwiya in Syrien.“ al-Balādhurī, S. 21 (Kairo 1959): „Der erste, der (in der Prophetenmoschee) die Maqsūra errichten ließ, war Marwān ibn al-Hakam ibn al-Ās ibn Umayya. Er ließ sie aus gemeißeltem Stein bauen.“
  2. Taʾrīch Dimaschq, Bd. 7, S. 30 und Bd. 68, S. 119
  3. Taʾrīch Dimaschq, Bd. 2, S. 271: „Man errichte die Maqsūra für Sulaimān ibn ʿAbd al-Malik als er zum Kalifen gewählt wurde (ustuḫlifa).“
  4. Taʾrīch Dimaschq, Bd. 53, S. 431
  5. Taʾrīch Dimaschq, Bd. 33, S. 276
  6. A. J. Wensinck und J. H. Kramers: Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden, 1941. S. 437
  7. A. J. Wensinck und J. H. Kramers: Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden, 1941. S. 437
  8. S. Flury: Islamische Schriftbänder. Amida-Diarbekir. XI. Jahrhundert. Anhang: Kairouan. Basel, Paris 1920; Paul Sebag: The Great Mosque of Kairouan, S. 105
  9. B. Roy, P. Poinssot: Inscriptions arabes de Kairouan. Paris 1950. Bd. 1, S. 18–23
  10. B. Roy, P. Poinssot: Inscriptions arabes de Kairouan. Paris 1950. Bd. 1, S. 23–24
  11. Paul Sebag: The Great Mosque of Kairouan, S. 105
  12. Georges Marçais: Tunis et Kairouan. Paris 1937. S. 60
  13. Siehe darüber den ersten Bericht der französischen Orientalisten Octave Houdas und R. Basset: Mission scientifique en Tunisie. In: Bulletin de Correspondance Africaine, Bd. 1, (1882)
  • A. J. Wensinck und J. H. Kramers: Handwörterbuch des Islam. Brill, Leiden, 1941. S. 437
  • Georges Marçais: Tunis et Kairouan. Paris 1937
  • The Encyclopaedia of Islam. New Edition. Brill, Leiden. Bd. 6, S. 196.
  • B. Roy, P. Poinssot: Inscriptions arabes de Kairouan. Paris 1950
  • Paul Sebag: The Great Mosque of Kairouan. Translated from the French by Richard Howard. London, New York 1965