Äquidistante
Eine Äquidistante ist in der Geometrie eine Linie, die in einem konstanten Abstand um eine Bezugslinie herumläuft.
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[Bearbeiten] Parabel mit Evolvente als Beispiel
Die gestrichelte rote Linie ist eine (innenliegende) Äquidistante zu der Parabel (rote Volllinie), die auch als Evolvente bezeichnet wird. Schwarz ist die gemeinsame Evolute (Ortskurve aller Krümmungsradienmittelpunkte) eingezeichnet.
Anders ausgedrückt: Ausgangskurve und die zugeordneten Äquidistanten haben immer gemeinsame Krümmungsmittelpunkte. Der Abstand ergibt sich aus der Differenz der Krümmungsradien.
Die Evolute ergibt sich (in diesem Beispiel) aus ![y \,= \, \frac{1}{2}+3 \cdot \sqrt[3]{\, \frac{x^2}{16}}](http://upload.wikimedia.org/wikipedia/de/math/1/1/1/111da91e89f2330c4d865c15b262ec36.png)
[Bearbeiten] Hüllkurve
Ist eine Kurve eine differenzierbare Untermannigfaltigkeit des
, so lässt sich für hinreichend kleines
die Äquidistante mit Abstand
von der Kurve als Enveloppe der Schar aller Kreise mit Radius
und Mittelpunkt auf der Kurve darstellen.
[Bearbeiten] Parabel mit Hüllkurve einer Kreisschar als Beispiel
Schwarz: Funktionsgraph von
.
Rot: Jeweils eine innenliegende und eine aussenliegende Äquidistante mit Abstand 0.25 vom Funktionengraphen.
Violett: Kreise mit Mittelpunkt auf dem Funktionsgraphen und Radius 0.25. Die Äquidistante ist die Enveloppe der Schar aller solcher Kreise.
Hellblau: Strecke in Richtung des Normalenfeldes des Funktionsgraphen, die Endpunkte haben den Abstand 0.25 vom Funktionsgraphen, die Menge aller dieser Endpunkte bildet die Äquidistante.
Braun: Tangentenschar an die untere Äquidistante.
[Bearbeiten] Verallgemeinerung auf Kurven und Flächen im Rn
Im Folgenden ist dargestellt, wie man die Idee aus den vorhergehenden zwei Abschnitten verallgemeinern kann, um die Äquidistante für glatte Kurven und Flächen im
zu bestimmen, die sich als (reguläre) Nullstellenmenge einer Funktion
darstellen lassen.
Die Funktion
sei stetig differenzierbar und habe einen reguläre Nullstellenmenge (diese ist dann eine
-dimensionale Untermannigfaltigkeit des
). Für hinreichend kleines
ist die Äquidistante
mit Abstand
von der Nullstellenmenge
von
die Enveloppe der Sphärenschar
.
Die Sphärenschar wird durch die Gleichungen
beschrieben.
Die Enveloppe hat in jedem Punkt
mit einer der Sphären (parametrisiert durch
) den Tangentialraum im Punkt
gemeinsam. Die Tangentialvektoren
an die Sphäre
im Punkt
genügen den Gleichungen
Bei der Enveloppe ändert sich im Allgemeinen auch der Scharparameter
. Damit ergeben sich für die Tangentialvektoren der Enveloppe außer den Gleichungen (1) und (2) mit
noch die Gleichungen
Aus (3) und (4) folgt
für alle
die zu Tangentialvektoren
im Tangentialraum der Enveloppe korrespondieren, wegen (5) also für alle
Nach (6) ergibt sich daraus
woraus folgt, dass es
mit
gibt.
Mit (1),(2) und (7) hat man
skalare Gleichungen für die
Unbekannten
. Unter den gemachten Voraussetzungen definieren diese Gleichungen also eine
-dimensionale Mannigfaltigkeit, die dann gerade die Enveloppe der Sphärenschar -- sprich die Äquidistante ist.
Alternative geometrische Interpretation: Die Vektoren
bilden eine maximale Menge linear unabhängiger Normalenvektoren auf der Mannigfaltigkeit
im Punkt
. Damit besagt Gleichung (7), dass der Vektor
vom Punkt
zum zugehörigen Punkt
auf der Äquidistanten genau senkrecht auf der Mannigfaltigkeit
steht und Gleichung (2), dass der Punkt
den Abstand
von
haben soll.
[Bearbeiten] Anwendungsbeispiele
- Anwendung im Formenbau: Für die Herstellung von Massenartikeln werden häufig Gießverfahren (Spritzgießen, Druckgießen, Kokillenguss usw,) angewendet. Die Gussform hat im Innern die negative Kontur des herzustellenden Artikels als Hohlraum. Für viele Artikel ist eine konstante Wandstärke ausschlaggebend. Daher hat die Beherrschung der Äquidistante in diesem Bereich eine große Bedeutung.
- Die Äquidistanten-Funktion wird von den meisten CAD-Systemen angeboten. Beispielsweise heißt bei AUTOCAD der deutsche Befehl „versetzen“. Damit kann man beispielsweise sehr schnell eine Dränage mit vorgegebenen Abstand rund um ein Haus festlegen.
- Beim Wankelmotor ist die Hüllkurve der Trochoide (Radkurve) des Rotors im Abstand d eine Äquidistante.






