Acrosomata

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Acrosomata
Rippenqualle (Mertensia ovum)

Rippenqualle (Mertensia ovum)

Systematik
Domäne: Eukaryoten (Eucaryota)
Reich: Vielzellige Tiere (Metazoa)
Abteilung: Gewebetiere (Eumetazoa)
ohne Rang: Acrosomata
Wissenschaftlicher Name
Acrosomata
Unterabteilungen

Die Acrosomata sind ein Taxon der phylogenetischen Systematik, welches die Rippenquallen (Ctenophora) mit den bilateralsymmetrischen Tieren (Bilateria) zusammenfasst. Damit stellen sie eine Alternative zu den Hohltieren (Coelenterata) der klassischen Systematik dar, in welcher die Rippenquallen mit den Nesseltieren (Cnidaria) zusammengefasst werden.

Die Monophylie der Acrosomata wird durch zwei zentrale Merkmale begründet. Das namensgebende Merkmal ist der Aufbau der Spermien, welche ein so genanntes Akrosom sowie eine darunterliegende subacrosomale Substanz (Perforatorium) besitzen. Dieser Aufbau der Spermien kann bei allen Tiergruppen der Bilateria sowie bei den Rippenquallen nachgewiesen werden. Die zweite Übereinstimmung liegt im Aufbau der Muskelzellen, die im Gegensatz zu den Nesseltieren nicht als Epithel ausgebildet sind und als eigenständige Myozyten angesehen werden können.

Die Muskulatur der Rippenquallen bietet zwar einen plausiblen Ausgangspunkt, um die weitere Spezialisierung des Bewegungsapparates bei den Bilateria - etwa in Schichten von Längs- und Ringmuskulatur - zu erklären. Offen bleibt jedoch die Frage, wie genau die Fortbewegungsweise der frühesten Bilaterier aussah. Ausgehend von sehr spezialisierten Rippenquallen wurde schon im 19. Jahrhundert eine kriechende Fortbewegungsweise angenommen, die zu den Plattwürmern (als angeblich urtümlichste Bilaterierformen) überleiten sollte. Dem wurde entgegengehalten, dass die Embryonalentwicklung der Ctenophora, genauer gesagt das dort zu beobachtende Cydippea-Stadium, eher auf freischwimmende Formen verweist, die als letzter gemeinsamer Vorläufer zu bevorzugen seien. Hier wird meistens von eher generalisierten Rippenquallen ausgegangen, deren Körperform noch in verschiedener Weise abwandelbar ist und somit z.B. Übergänge zu länglichen, schlängelschwimmenden frühen Bilaterierformen ermöglicht. In neuerer Zeit wird versucht, solche hypothetischen Modelle durch die Feststellung entwicklungsgenetischer Ähnlichkeiten zwischen Rippenquallen und Bilateriern weiter zu präzisieren.

Literatur[Bearbeiten]

  • P. Ax, Das System der Metazoa I. Ein Lehrbuch der phylogenetischen Systematik, Gustav Fischer Verlag Stuttgart, Jena, 1999
  • A. Yamada & M. Q. Martindale: Expression of the ctenophore brain factor 1 forkhead gene ortholog (ctenoBF-1) is restricted to the presumptive mouth and feeding apparatus: implications for axial organisation in the Metazoa. Development, Genes and Evolution 212: S.338-348, 2002