Adalbert Schneider

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Adalbert Schneider (* 10. März 1904 in Halle; † 27. Mai 1941 im Nordatlantik (Position 48° 10′ N, 16° 12′ W48.166666666667-16.2)) war ein deutscher Marineoffizier, zuletzt Korvettenkapitän und 1. Artillerieoffizier des Schlachtschiffes Bismarck. Die Versenkung des britischen Schlachtkreuzers Hood wurde ihm zugeschrieben. Schneider fiel einige Tage später bei der Versenkung der Bismarck durch einen Artillerievolltreffer.

Leben[Bearbeiten]

Familie[Bearbeiten]

Adalbert war der Bruder des Wehrmachtarztes Otto Schneider.[1]

Reichsmarine[Bearbeiten]

Schneider trat am 30. März 1922 der Reichsmarine bei. Dort absolvierte er bis Anfang Oktober des gleichen Jahres seine erste infanteristische Grundausbildung bei der 3. Kompanie der Küstenwehr-Abteilung III in Friedrichsort.[2] Die anschließenden Bordausbildungen durchlief der am 1. April 1923 zum Matrosengefreiten beförderte Schneider vom 4. Oktober 1922 bis Ende Februar 1924 auf den Schiffen Hannover, Niobe und dem Kleinen Kreuzer Berlin. Ende März 1924 wechselte Schneider in die Offizierslaufbahn und kam auf die Marineschule Mürwik. Dort absolvierte der am 1. April 1924 zum Fähnrich zur See beförderte Schneider einen zwölfmonatigen Fähnrichslehrgang.[2] Nach dessen Beendigung im April 1925 schlossen sich für Schneider bis Ende 1925 mehrere Fähnrichs-Lehrgänge an. So durchlief er einen Torpedo-, Sperr-, Nachrichten- und Artillerielehrgang.

Zum 1. Januar 1926 wechselte Schneider erneut an Bord des Linienschiffs Hannover wo er seine praktische Bordausbildung mit der Beförderung zum Leutnant zur See am 1. Oktober 1926 abschloss. Am gleichen Tag erfolgte seine Zuweisung zum Linienschiff Schleswig-Holstein, wo Schneider bis Ende September 1927 als Wach- und Divisionsleutnant eingesetzt wurde. Anschließend erfolgte seine Zuteilung zur IV. Marineartillerieabteilung nach Cuxhaven. Dort fungierte er als Kompanieoffizier und ab Dezember 1927 als Landflakleiter.[3] Seine Beförderung zum Oberleutnant zur See erfolgte am 1. Juli 1928. Nach dem Besuch diverser Flak- und Waffenlehrgänge kam Schneider am 26. September 1929 zur 3. Torpedobootshalbflottille nach Wilhelmshaven. Dort war er an Bord des Torpedobootes Tiger bis Januar 1931 Wach-, Divisions- und Artillerieoffizier. Vom 12. Januar bis Ende August 1931 stand Schneider bei der Marinestation der Nordsee zur Verfügung. Während dieser Zeit unterzog er sich bis Mitte Juni 1931 an der Universitätsaugenklinik in Halle (Saale) der Behandlung einer Augenverletzung. Anschließend diente er für kurze Zeit als III. Adjutant und Hilfsarbeiter beim II. Adjutanten.[3]

Am 1. September 1931 erfolgte Schneiders Kommandierung auf das Fischereischutzboot Zieten, wo er für wenige Wochen als I. Wach- und Schriftoffizier eingesetzt wurde. Am 23. September 1931 kehrte Schneider zur Torpedobootwaffe zurück. Nach der Zuteilung zur II. Torpedobootflottille fungierte er bis September 1934 zunächst als I. Wach- und Divisionsoffizier auf dem Torpedoboot Seeadler und Leopard; später als Flakleiter.[3]

Kriegsmarine und Zweiter Weltkrieg[Bearbeiten]

Turm Anton (Turm A) der Bismarck.
Die auf das Schlachtschiff Prince of Wales feuernde Bismarck am 24. Mai 1941. Die operative Feuerleitung der Bismarckschen Artillerie oblag Schneider.

Am 25. September 1934 wurde Schneider Artillerietechnischer Offizier auf dem Panzerschiff Deutschland; eine Stellung, die er bis Ende September 1936 innehielt. In dieser Stellung erfolgte am 1. Oktober 1934 seine Beförderung zum Kapitänleutnant und anschließend der Besuch weiterer Artillerielehrgänge. Die anschließende Zeit von Oktober 1936 bis September 1937 fungierte Schneider an der Schiffsartillerieschule Kiel-Wik als Lehrer der Feuerleitung. Zum 1. Oktober 1937 wurde Schneider I. Artillerieoffizier an Bord der Nürnberg. Anfang November 1938, mittlerweile seit 1. Oktober des gleichen Jahres zum Korvettenkapitän befördert, wechselte Schneider zum Oberkommando der Marine nach Berlin. Dort verrichtete er seinen Dienst als Referent, später Generalreferent in der Flotten- und Ausbildungsabteilung in der Seekriegsleitung.[3]

Am 7. Juni 1940 erfolgte Schneiders Delegierung zur Baubelehrung für das Schlachtschiff Bismarck. Dort wurde er am 24. August 1940 zum 1. Artillerie-Offizier bestimmt. Im Januar des Jahres 1941 nahm Adalbert Schneider zusammen mit seinem Kommandanten Lindemann an einem Planspiel an Bord der Tirpitz teil. Dessen Kommandant Karl Topp wies hierbei die Unmöglichkeit eines Atlantikdurchbruchs für schwere deutsche Überwassereinheiten nach.[4] Nach der Installation der Feuerleitanlagen im Frühjahr 1941 nahm Schneider am Unternehmen Rheinübung teil. Im Zuge dessen geriet die Kampfgruppe Bismarck/Prinz Eugen unter ihrem Flottenchef Günther Lütjens am 24. Mai 1941 in ein Seegefecht in der Dänemarkstraße. Im folgenden Artilleriegefecht zwischen Bismarck/Prinz Eugen und den britischen Schiffen Hood/Prince of Wales oblag Schneider die Feuerleitung der Bismarck. Seiner Feuerleitung folgend, gelang es der Artillerie der Bismarck die Hood binnen weniger Minuten zu versenken, als eine Granate die Hauptmunitionskammer der Hood traf und das Schiff zerriss. Dabei starben 1.418 britische Seeleute.

Für die Versenkung der Hood erhielt Schneider am 27. Mai 1941 per Funktelegram das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.[5] Der Antrag hierzu ging von Lütjens aus.[6] Am gleichen Tag fiel Schneider beim Untergang der Bismarck. Bei der Verleihungsbegründung, die am 5. Juni in der Presse erschien, wurden auch die Treffer der Bismarck durch raschen Zielwechsel Schneiders auf die Prince of Wales berücksichtigt.[2]

Schneider war ferner Inhaber des Flotten-Kriegsabzeichens, des Eisernen Kreuzes II. und I. Klasse, beide am 30. Juli 1940 verliehen, sowie des am 20. August 1938 verliehenen Ungarischen Verdienstordens.[7] Die Verleihung des Ordens erfolgte im Zusammenhang der Feierlichkeiten zum Stapellauf des Schweren Kreuzers Prinz Eugen an dem der ungarische Reichsverweser Miklós Horthy und Hitler zugegen waren.[8]

Tod[Bearbeiten]

Schneider ist während des finalen Gefechts der Bismarck mit den britischen Seeeinheiten um 09:02 Uhr am 27. Mai 1941 gefallen, als eine Granate der HMS Norfolk den vorderen Leitstand traf.[9][10]

Literatur[Bearbeiten]

  • Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, ISBN 3-7648-2498-0.

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Niklas Zetterling, Michael Tamelander: Bismarck: The Final Days of Germany's Greatest Battleship: A Minute-by-minute Account of the Final Hours of Germany's Greatest Battleship, Casemate Publ 2009, S. 123.
  2. a b c Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 212.
  3. a b c d Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 213.
  4. Paul Schmalenbach: Schwerer Kreuzer Prinz Eugen, Heyne Verlag, 1978, S. 148.
  5. Veit Scherzer: Die Ritterkreuzträger 1939–1945 Die Inhaber des Eisernen Kreuzes von Heer, Luftwaffe, Kriegsmarine, Waffen-SS, Volkssturm sowie mit Deutschland verbündete Streitkräfte nach den Unterlagen des Bundesarchivs. Scherzers Militaer-Verlag, Ranis/Jena 2007, S. 675.
  6. Burkard Freiherr von Müllenheim-Rechberg: Schlachtschiff Bismarck 1940/41. Der Bericht eines Überlebenden. Ullstein Verlag 1981, S. 169.
  7. Manfred Dörr: Die Ritterkreuzträger der Überwasserstreitkräfte der Kriegsmarine. Band 2: L–Z. Biblio Verlag, Osnabrück 1996, S. 214.
  8. Hans H. Hildebrand, Albert Röhr, Hans-Otto Steinmetz: Die deutschen Kriegsschiffe. Biographien – ein Spiegel der Marinegeschichte von 1815 bis zur Gegenwart. Band 5: Schiffsbiographien von Kaiser bis Lütjens. Mundus Verlag, Ratingen o. J. (Genehmigte Lizenzausgabe Koehlers Verlagsgesellschaft, Hamburg, ca. 1990), S. 240.
  9. Robert Ballard: Bismarck: Germany's Greatest Battleship gives up its secrets. Madison Publishing, Toronto 1990, ISBN 0-7858-2205-4, S. 126.
  10. Robert Jackson: The Bismarck: Weapons of War. Spellmount, London 2002, ISBN 1-86227-173-9, S. 91.