Ali Bey

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel bezieht sich auf den Mamelukenführer Ali Bey al-Kabir. 1766, im Jahr der Machtergreifung Ali Beys in Ägypten, wurde in Spanien Domingo Badía y Leblich geboren, der später unter dem Namen Ali Bey al-Abbasi zum Islam konvertierte.
Der Mamluken-Emir Ali Bey machte sich zum De-facto-Herrscher, für Voltaire war er der König Ägyptens

ʿAlī Bey (* 1728 in Abchasien; † 8. Mai 1773 bei Kairo, Ägypten), auch Ali Bey al-Kabir ("der Große") genannt, war von 1757 bis 1772 Bey der Mamluken und Regent in Ägypten.

Qazdaglija[Bearbeiten]

Ali Bey wurde 1728 im Kaukasus geboren und als Kind auf den Namen Joseph getauft, dann im Alter von 13 Jahren als Sklave verschleppt und nach Ägypten an den Mamluken-Emir Ibrahim Kiaya bzw. Kiahaya (Ibrāhīm Katḫodā al-Qāzadoglu) verkauft, von dem er 1748 freigelassen und gefördert wurde. Seit 1757 war er Kiayas Nachfolger als Scheich al-Balad und als Oberhaupt seiner Mamluken-Fraktion, der Qazdaglija. Er verdrängte die anderen Mamlukenführer und erlangte 1766 die Alleinherrschaft in Ägypten.

Während der vorangegangenen Machtkämpfe hatte Ali Bey zwischenzeitlich nach Oberägypten, Hedschas und Palästina fliehen müssen. In Palästina fand er schon damals in Emir Dhaher al-Omar einen aufrichtigen Freund.

Herrscher über Ägypten[Bearbeiten]

Ägypten und Syrien während der Feldzüge Ali Beys und Abu Dahabs

Zu Beginn des Russisch-Türkischen Krieges forderte die osmanisch-türkische Hohe Pforte von Ali Bey zunächst die Entsendung eines 12.000 Mann starken Hilfskorps. Gleichzeitig jedoch begann sie Alis Machtfülle ebenso zu fürchten wie die Möglichkeit, er könnte sich hinter ihrem Rücken mit Feinden des Reiches (Russland, Venedig, Emir Daher) verbünden und das Hilfskorps gegen sie einsetzen. Nachdem ein Versuch, ihn durch türkische Agenten erdolchen oder vergiften zu lassen, aufgedeckt worden war, hetzten türkische Agenten die in Oberägypten zwischen Assuan und Assiut siedelnden Hawwarah-Beduinen zur Revolte auf.

Nach der Befriedung des Landes durch die Unterwerfung der oberägyptischen Beduinen erklärte Ali Bey Ägypten 1768 oder 1769 für unabhängig und verwies den osmanischen Statthalter des Landes. Chronisten sagten Ali Bey nach, er habe fortan das zweieinhalb Jahrhunderte zuvor von den Türken eroberte Mamluken-Reichen wiedererrichten wollen. Im Jahr 1770 ließ Ali Bey seinen Schwiegersohn (nach anderen Angaben: Adoptivsohn und Schwager, d.h. Ehemann von Alis Schwester Jahud) Muhammad Bey Abu Dahab von Suez nach Dschidda segeln, Mekka besetzen, den Hedschas unterwerfen und Emir Abdullah bin Hussein als neuen Großscherifen einsetzen (1770–1773), während er seinen Cousin zum Gouverneur von Dschidda machte. Gleichzeitig hatte er Ismail Bey auf dem Landweg durch den Hedschas nach Dschidda ausgeschickt.

Der neue Großscherif proklamierte Ali Bey im Gegenzug ohne Zustimmung seines osmanisch-türkischen Großherrn zum Sultan von Ägypten, woraufhin Ali Bey fortan seinen eigenen Namen im Freitagsgebet erwähnen und eigene Münzen schlagen ließ. Die Berliner Turkologie-Professorin Barbara Kellner-Heinkele behauptete jedoch, Ali Bey habe sich zumindest formell nie der Oberhoheit des Sultans entzogen.

Feldzug nach Syrien[Bearbeiten]

Ali Bei im Brockhaus von 1851, wo irrtümlich Adoptivsohn Mohammed Bei (Muhammad Bey) bzw. Schwiegersohn Abu Da(h)ab für verschiedene Personen gehalten werden

Während des Russisch-Türkischen Krieges verbündete sich Ali Bey mit dem palästinensischen Emir Daher und Russland. In Alis Auftrag eroberte Abu Dahab von Gaza, Jaffa und Akkon aus ab 1770 große Teile Palästinas, des Libanon und Syriens. Zwischenzeitlich mußten sich sogar Jerusalem und Damaskus unterwerfen.

In Damaskus jedoch traf Abu Dahab Geheimabsprachen mit den Osmanen, räumte die Stadt und zog stattdessen gegen Ägypten. Vergeblich versuchte Ali Bey, ihn nach Oberägypten zu verbannen. Verbündet mit oberägyptischen Beduinen, marschierte Abu Dahab gegen Kairo und konnte zahlreiche Mamluken zum Wechsel auf seine Seite bewegen. Der von Ali gegen Abu Dahab ausgesandte Ismail Bey unterwarf sich ebenfalls dem überlegenen Gegner. Ali Bey floh aus Kairo nach Akkon zu Dhaher al-Omar. In Syrien schlug er 1772 die Türken und eroberte Tyros, Sidon, Beirut, Tripolis und Antiocha bzw. Nablus, Ramla und nach längerer Belagerung schließlich auch Jaffa.

Auf seinem Feldzug zur Rückkehr nach Ägypten wurde Ali Bey im April 1773 bei aṣ-Ṣāliḥīja (nahe Kairo im Gouvernement asch-Scharqiyya) geschlagen, verwundet, gefangen genommen und erlag seinen Verletzungen. Noch an seinem Leichnam wurde die vom osmanischen Sultan befohlene Hinrichtung vollzogen. Entgegen der Anordnungen des Sultans schickte Abu Dahab jedoch Alis Kopf nicht nach Istanbul und befahl eine ordentliche Bestattung.

Alawija[Bearbeiten]

Nach Alis Tod wurde seine Mamluken-Fraktion, die Alawija, von Abd ar-Rahman Bey bzw. Ismail Bey geführt, von denen Ismail sich wiederum mit den Osmanen verbündete, woraufhin die Alawija 1778 von ihm abfiel. Alis Witwe, Sitt Nafisa, wurde gezwungen, Murad Bey zu heiraten, der sich schließlich zusammen mit Ibrahim Bey gegen Ismail Bey durchsetzte.

Literatur[Bearbeiten]

  • ʿAbdarraḥmān al-Ǧabartī, Arnold Hottinger (Übersetzer): Bonaparte in Ägypten - Aus den Chroniken von ʿAbdarraḥmān al-Ǧabartī, Seiten 46-64. Piper, München 1989
  • Lothar Rathmann: Geschichte der Araber - Von den Anfängen bis zur Gegenwart, Band 2 (Die Araber im Kampf gegen osmanische Despotie und europäische Kolonialeroberung), Seite 306. Akademie-Verlag, Berlin 1975
  • Barbara Kellner-Heinkele: Der arabische Osten unter osmanischer Herrschaft (1517-1800), Seite 342ff. In: Ulrich Haarmann (Hrsg.): Geschichte der arabischen Welt. Beck, München 1994
  • Robin Leonard Bidwell: Dictionary of Modern Arab History, Seite 24f. London/New York 1998

Weblinks[Bearbeiten]