August Pfeiffer

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Dieser Artikel befasst sich mit dem Theologen und Orientalisten August Pfeiffer. Zum Orientalisten und Bibliothekar siehe August Friedrich Pfeiffer.
August Pfeiffer, Kupferstich von 1697
Ein Katechismus von August Pfeiffer

August Pfeiffer (* 27. Oktober 1640 in Lauenburg/Elbe; † 11. Januar 1698 in Lübeck) war ein deutscher lutherischer Theologe, Orientalist, Erbauungsschriftsteller und Superintendent der Stadt Lübeck.

Leben[Bearbeiten]

Als Sohn eines Zolleinnehmers geboren, bezog August Pfeiffer nach seiner Schulzeit auf dem Hamburger Johanneum die Universität Wittenberg. Dort studierte er bei Abraham Calov und Johann Deutschmann und wurde schon 1649 zum Magister promoviert. 1665 wurde er zum Professor der orientalischen Sprachen ernannt, nahm aber 1671 eine Berufung als Pfarrer im Herzogtum Oels in Schlesien an, zunächst in Medzibor und dann in Stroppen bei Breslau. Dort wurde Andreas Acoluthus sein Schüler.

1675 kehrte er nach Sachsen zurück, wurde Pastor an St. Afra in Meißen und 1681 Archidiakonus an der Thomaskirche in Leipzig und 1684 Professor für Hebräische Sprache an der theologischen Fakultät der Universität Leipzig.

1689 berief ihn der Rat der Reichsstadt Lübeck zum Superintendenten, womit eine Predigtstelle Pfarramt an der Marienkirche verbunden war. Wie seine Vorgänger, darunter Meno Hanneken, vertrat er in diesem Amt konsequent den Standpunkt der lutherischen Orthodoxie und bekämpfte alle Arten des Pietismus.

Wirken[Bearbeiten]

Pfeiffer galt als berühmter Orientalist seiner Zeit und als bedeutender, wenn auch umstrittener Verfechter der lutherischen Orthodoxie.

Als Jugendlicher noch dem mystischen Spiritualismus Christian Hoburgs zugetan, wandte er sich schon als Student unter dem Einfluss seiner Professoren völlig davon ab. Er betonte die Rechtgläubigkeit und die Vorrangstellung des orthodoxen Luthertums sowohl gegen den römischen Katholizismus (Luthertum vor Luther) als auch gegen die Pietisten, wobei er sich mit Philipp Jakob Spener in eine langjährige Auseinandersetzung über die christliche Hoffnung einließ.

Pfeiffers gedruckte Predigten (die allerdings nur bedingt seinen tatsächlichen Predigtstil widerspiegeln) erwecken den Eindruck eines gelehrten, aber trockenen Orthodoxen. Seine Predigten glichen mehr gelehrten Vorlesungen; sie bestanden aus einer Vielzahl von biblischen und historischen Verweisen, boten aber wenig Lebensnähe.

Werk[Bearbeiten]

Für eine vollständige Übersicht seiner Werke bis zum Jahr 1700 siehe das Verzeichnis der im deutschen Sprachraum erschienenen Drucke des 17. Jahrhunderts.

Pfeiffers umfangreiches literarisches Werk umkreist drei Schwerpunkte: exegetische und orientalistische Studien, Streitschriften und Erbauungsschriften. Fand Schimmelpfennig in der Allgemeinen Deutschen Biographie noch, dass Pfeiffers gelehrte Arbeiten „bei weitem wichtiger als seine polemischen und ascetischen Schriften“ seien, so herrscht heute die Ansicht vor, dass er die größte Nachwirkung mit seinen Erbauungschriften hatte.

Erwähnung dreier Schriften Pfeiffers auf dem Titelblatt des Notenbüchleins für Anna Magdalena Bach

Er gilt als einer der Theologen, die Johann Sebastian Bachs Glauben und Denken stark geprägt haben. Pfeiffers Werke finden sich in Bachs theologischer Bibliothek, und auf dem Titelblatt des Clavier-Büchleins für Anna Magdalena Bach (1722) hat Bach die Kurztitel dreier Schriften von Pfeiffer notiert:

  • Ante [sic] Calvinismus [eigentlich Anti-Calvinismus]
  • Christen Schule item
  • AntiMelancholicus

Bach verwendete Pfeiffers Choral So gibst du nun, mein Jesus, gute Nacht (ursprünglich 24 Strophen), der 1694 in das Dresdner Gesangbuch aufgenommen worden war, in BWV 412 und 501.[1]

Digitalisate[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten]

  1. So gibst du nun, mein Jesu, gute Nacht, abgerufen am 14. März 2010


Vorgänger Amt Nachfolger
Samuel Pomarius Superintendent der Lübecker Kirche
1689–1698
Georg Heinrich Götze