Balibo

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Subdistrikt Balibo
Balibo (Osttimor)
Red pog.svg
Landschaft bei Balibo
Hauptstadt Balibo
Fläche 297,08 km²[1]
Einwohnerzahl 14.851 (2010)[1]
Sucos Einwohner (2010)[2]
Balibo Vila 3.892
Batugade 2.379
Cowa 1.570
Leohito 3.288
Leolima 1.791
Sanirin 1.931
Übersichtskarte
Verwaltungsgliederung von Bobonaro
Lage des Distrikts Bobonaro

Die osttimoresische Stadt Balibo (Balibó) ist die Hauptstadt des gleichnamigen Subdistrikt Balibo und des Suco Balibo Vila (Balibo Stadt). International bekannt wurde der Ort durch die sogenannte Balibo Deklaration und dem Tod der Balibo Five.

Die Stadt Balibo[Bearbeiten]

Der Ort Balibo

Balibo liegt etwa 10 km von der indonesischen Grenze entfernt im äußerten Nordwesten des Landes im Distrikt Bobonaro auf einer Meereshöhe von 547 m. Ortsteile sind Airae, Aube, Balibo, Dadubere, Fatukuak, Fatululik (Fatululic, Fatululit), Minereng und Misi.[3]

Der Ort verfügt über eine Grundschule, eine Schule zur Vorbereitung der Sekundarstufe, einen Hubschrauberlandeplatz und ein kommunales Gesundheitszentrum.[3]

In der Stadt liegt eine 400 Jahre alte, beachtliche Festung, die zum Schauplatz mehrerer Gefechte während der indonesischen Invasion 1975 wurde. Während der INTERFET-Mission (International Force for East Timor) wurde die Festung nach dem indonesischen Abzug 1999 von 1.000 Mann der UN-Truppen als Stützpunkt benutzt. Im selben Jahr gab Kylie Minogue im Rahmen ihrer Tour of Duty series of concerts hier ein Konzert für die UN-Truppen. Human Rights Watch schätzt, dass während der Unruhen im Umfeld des Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 etwa 70 % der Stadt durch Milizen zerstört wurden. Internationale Hilfsorganisationen haben beim Wiederaufbau Hilfe geleistet, so beim Schulwohnheim für Schüler aus abgelegenen Ortschaften, das vollkommen zerstört war. Auf dem Hauptplatz befindet sich immer noch das indonesische „Integrationsdenkmal“ (Integrasi monument). Es stellt einen timoresischen Bauern dar, der die Fesseln der portugiesischen Kolonialherrschaft zerreißt und eine Flagge hält.

Der Suco Balibo Vila[Bearbeiten]

Suco Balibo Vila
Orte Position[4] Höhe Orte Position[4] Höhe
Airae 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.9669444444444125.0425547 547 m Aitos 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.9572222222222125.06166666667569 569 m
Aube 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.9680555555556125.04666666667624 624 m Balibo 8° 58′ S, 125° 2′ O-8.9688888888889125.04055555556547 547 m
Beain 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.96125.05638888889569 569 m Belola 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.9522222222222125.07111111111349 349 m
Berame 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.9647222222222125.05277777778624 624 m Builekun 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.9572222222222125.07055555556514 514 m
Dadubere 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.9661111111111125.04194444444547 547 m Fatukakae 8° 58′ S, 125° 2′ O-8.9605555555556125.02861111111354 354 m
Fatuk Laran 8° 59′ S, 125° 3′ O-8.9911111111111125.05578 578 m Fatukuak 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.97125.04361111111547 547 m
Fatululik 8° 58′ S, 125° 2′ O-8.9736111111111125.03916666667615 615 m Fatunisin 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.955125.06472222222514 514 m
Fatuteke 8° 57′ S, 125° 2′ O-8.9491666666667125.03444444444321 321 m Lasuleten 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.9513888888889125.0725349 349 m
Malibikan 8° 57′ S, 125° 4′ O-8.9486111111111125.07111111111349 349 m Malileten 8° 56′ S, 125° 3′ O-8.9386111111111125.05777777778311 311 m
Minereng 8° 58′ S, 125° 3′ O-8.9686111111111125.04916666667624 624 m Misi 8° 58′ S, 125° 2′ O-8.9669444444444125.03833333333547 547 m
Raihun 8° 59′ S, 125° 3′ O-8.9772222222222125.05194444444646 646 m

Balibo Vila (deutsch: Balibo Stadt, ehemals Balibo Kota) hat 3.892 Einwohner (2010,[2] 2004: 3.571[5]). Über 40 % der Einwohner geben Kemak als ihre Muttersprache an. Etwa 30 % sprechen Tetum Prasa, über 15 % sprechen Bekais, etwa 10 % Tetum Terik und eine kleine Minderheit Bunak.[6]

Der Suco liegt im Zentrum des Subdistrikts Balibo und hat eine Fläche von 34,90 km².[7] Im Westen liegt der Suco Batugade, im Nordwesten Sanirin, im Norden Leolima, im Osten und Süden Leohito und im Südosten Cowa.

Im Norden des Sucos entspringt der Laecouken, der einen Teil der Grenze zu Leohito bildet. Im Grenzgebiet zu Batugade entspringt der Kolosuma, der später mit dem Motak den Leometik bildet. Die Stadt Balibo liegt nah dem Zentrum des Sucos an der Überlandstraße von Batugade nach Maliana, die von West nach Ost mitten durch den Suco führt. Östlich von Balibo liegen an der Straße die Orte Berame, Beain, Aitos, Fatunisin, Belola (Belota) und Lasuleten, westlich Fatukakae. Im Nordosten liegen außerdem die Dörfer Builekun (Builecon, Bui Lecun, Bilekun) und Malibikan, im Norden Malileten, im Westen Fatuteke und im Süden Raihun und Fatuk Laran (Fatuc Laran, Fatuklaran).[8]

Im Suco Balibo Vila befinden sich die sieben Aldeias Amandato, Atara, Balibo Vila, Belola, Builekun, Fatuk Laran und Fatululik.[9]

Bei den Wahlen von 2004/2005 wurde Abel da Cruz zum Chefe de Suco gewählt.[10] Bei den Wahlen 2009 gewann Domingos de Assis Soares.[11]

Der Subdistrikt Balibo[Bearbeiten]

Der Subdistrikt Balibo mit seinen Sucos
Grenzposten bei Mota'ain

Balibo liegt im Westen des Distrikts Bobonaro an der Sawusee. Im Nordosten grenzt es an den Subdistrikt Atabae und im Westen befindet sich jenseits des Flusses Nunura der Subdistrikt Maliana. Im Süden wird Balibo vom indonesischen Westtimor umschlossen. Einen Großteil der internationalen Grenze bildet der Fluss Talau, der schließlich in den Nunura mündet.

Der Subdistrikt teilt sich in sechs Sucos: Balibo Vila, Batugade, Cowa (Cová, Kowa), Leohito (Leohitu), Leolima und Sanirin (Sanir, Saniry). Der Suco Balibo Vila (Tetum für Balibo Stadt) liegt im Zentrum des Subdistrikts mit dem Ort Balibo in der Mitte. Alle anderen Sucos des Distrikts grenzen an Balibo Vila und umschließen ihn vollständig.

Die Important Bird Area Be Malae-Atabae ist ein für Ornithologen interessantes Gebiet von 3.000 ha mit Wald und Feuchtgebieten.[12]

Im Subdistrikt leben 14.851 Einwohner (2010,[1] 2004: 13.540[13]). Der Altersdurchschnitt beträgt 19,9 Jahre (2010,[1] 2004: 20,0 Jahre[14]). Die größte Sprachgruppe bilden die Sprecher der Nationalsprache Kemak.[14] In Cowa spricht man mehrheitlich Tetum Terik, während man in Batugade mehr Tetum Prasa als Tetum Terik spricht. In Balibo liegt Kemak auf Platz eins, gefolgt von Tetum Prasa und Minderheiten von Bekais und Tetum Terik. 75 % der Bewohner von Leohito sprechen Bekais. In Leolima und Sanirin sprechen fast alle Einwohner Kemak. Außerdem gibt es eine kleine Minderheit von Bunak-Sprechern.[15] Als Zweitsprache ist die Amtssprache Tetum weit verbreitet. Bahasa Indonesia wurde während der Besatzungszeit verwendet, die Älteren sprechen noch Portugiesisch. Dieses wird auch in den Schulen unterrichtet.[16]

70 % der Haushalte bauen Mais an, 53 % Kokosnüsse, 47 % Maniok, 33 % Gemüse, 12 % Reis und 7 % Kaffee.[2] Bei Leolima wird ein Wiederaufforstungsprojekt betrieben. Potential für Tourismus sieht man bei den Stränden von Batugade und Palaca und beim Lago Malai (Be Malae).[16] Bei Batugade befindet sich der wichtigste offizielle Grenzübergang Osttimors zu Indonesien.

Geschichte[Bearbeiten]

Kolonialzeit[Bearbeiten]

Militärposten von Balibo in den 1930ern
Portugiesischer Offizier mit einheimischer Reitertruppe

Balibo, Cowa und Sanirin waren früher traditionelle Reiche Timors, die von Liurais regiert wurden. Sie erscheinen auf einer Liste von Afonso de Castro, einem ehemaligen Gouverneur von Portugiesisch-Timor, der im Jahre 1868 47 Reiche aufführte.[17][18] Das Reich Cowas reichte von der Nordküste bis ins Gebiet des niederländischen Westtimors. Auch Batugade, mit seiner portugiesischen Festung, lag auf dem Gebiet Cowas.[19]

1865 vereinigte sich Balibo mit dem Tetum-Reich von Cowa im Kampf gegen die Portugiesen. Der Umstand, dass Cowa auch von Herrschern aus dem Westteil der Insel unterstützt wurde, beunruhigte die Portugiesen zusätzlich. Portugal reagierte mit dem Beschuss der Küste durch die Dampfschiff-Korvette Sa de Bandeira. 1868 entsandten die Portugiesen eine Streitmacht nach Sanirin in der Militärkommandantur Batugade, dessen Liurai sich weigerte Steuern zu Zahlen. Die Kemak von Sanirin waren offiziell Balibo tributpflichtig. Ebenfalls 1868 begann von Batugade aus eine Offensive gegen Cowa und Balibo. 1871 kapitulierte die Königin von Balibo, Dona Maria Michaelia Doutel da Costa. Sie traf, wie vereinbart, am 29. Mai in Batugade mit Gouverneur João Clímaco de Carvalho zusammen. Die Königin von Cowa, Dona Maria Pires, kam nicht. Daher unterzeichnete Dona Maria am 1. Juni allein die ihr vorgelegten Vereinbarungen, die eine Unterwerfung Balibos als Vasallen Portugals bedeuteten. Cowa erkannte erst 1881 die Vorherrschaft Portugals an.[19]

Anfang 1961 versuchte das linksgerichtete Kampfbüro zur Befreiung Timors (Bureau de Luta pela Libertação de Timor). Am 9. April riefen sie in Batugade eine Republik aus. Die Portugiesen schlugen den Aufstand schnell nieder und die Kämpfer flohen nach Indonesien.

Die Balibo Deklaration[Bearbeiten]

In der Balibo Deklaration verurteilten angeblich die Führer der osttimoresischen Parteien UDT, APODETI, KOTA und der Partido Trabalhista die Unabhängigkeitserklärung Osttimors von 1975 und riefen zum Anschluss des Landes an Indonesien auf. Die Deklaration wurde jedoch vom indonesischen Geheimdienst ausgearbeitet und auf Bali und nicht in Balibo unterzeichnet. Xanana Gusmão, der spätere erste Präsident Osttimors nach der indonesischen Besatzung, nannte sie die Balibohong Declaration, ein Wortspiel mit dem indonesischen Wort für „Lüge“.

Die Balibo Deklaration wurde später von der indonesischen Regierung als Rechtfertigung für die Besetzung Osttimors benutzt.

Die „Balibo Five“[Bearbeiten]

Hauptartikel: Balibo Five

Anfang Oktober 1975 begann Indonesien mit der Besetzung der Grenzgebiete Portugiesisch-Timor. Diese Einfälle Indonesiens dienten zur Vorbereitung der eigentlichen Invasion am 7. Dezember 1975. Die Verteidigung Balibos übernahm Francisco Ruas Hornay, ein ehemaliger Soldat der portugiesischen Kolonialarmee, doch am 16. Oktober fiel Balibo. An diesen Tag wurden in Balibo fünf Fernsehjournalisten, die sogenannten Balibo Five, durch indonesische Soldaten ermordet. Sie hatten von der alten Festung aus, den Einmarsch indonesischer Streitkräfte gefilmt. Das so genannte „Australian Flag house“ am Hauptplatz, an das die Reporter die Flagge Australiens gemalt hatten, um auf ihren neutralen Status hinzuweisen, wurde mit Mitteln des australischen Bundesstaates Victoria zu einem Gemeindezentrum ausgebaut, das 2003 eröffnet wurde.

Balibo im unabhängigen Osttimor[Bearbeiten]

Balibo war einer der Subdistrikte Osttimors in denen es im November 2007 aufgrund von Unwettern zu einer extremen Nahrungsmittelknappheit kam.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Balibo – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c d Direcção Nacional de Estatística: 2010 Census Wall Chart (English) (PDF; 2,7 MB)
  2. a b c Direcção Nacional de Estatística: Suco Report Volume 4 (englisch) (PDF; 9,8 MB)
  3. a b UNMIT: Timor-Leste District Atlas version02, August 2008 (PDF; 535 kB)
  4. a b Fallingrain.com: Directory of Cities, Towns, and Regions in East Timor
  5. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  6. Ergebnisse des Zensus 2010 für den Suco Balibo (Tetum; PDF; 8,5 MB)
  7. Direcção Nacional de Estatística: Population Distribution by Administrative Areas Volume 2 English (Census 2010; PDF; 22,6 MB)
  8. Timor-Leste GIS-Portal
  9. Jornal da Républica mit dem Diploma Ministerial n.° 199/09 (Portugiesisch; PDF; 323 kB)
  10. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2004/2005 - Resultados
  11. Secretariado Técnico de Administração Eleitoral STAE: Eleições para Liderança Comunitária 2009 - Resultados
  12. Birdlife International - Be Malae-Atabae
  13. Statistisches Amt Timor-Leste Census 2004
  14. a b Direcção Nacional de Estatística: Census of Population and Housing Atlas 2004 (PDF; 14,0 MB)
  15. Damien Kingsbury: National Identity in Timor - Leste: A Brief Comparative Study
  16. a b Bobonaro District Development Plan 2002/2003 (PDF-Datei; 566 kB)
  17. TIMOR LORO SAE, Um pouco de história
  18. East Timor - PORTUGUESE DEPENDENCY OF EAST TIMOR
  19. a b History of Timor – Technische Universität Lissabon (PDF; 824 kB)

-8.9666666666667125.03333333333Koordinaten: 8° 58′ S, 125° 2′ O