Benutzer:Mgloor

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Mitarbeit an der Wikipedia nach 7 Jahren eingestellt (Zeitgründe & Strukturelle Kritik) --Mgloor 04:39, 26. Dez. 2011 (CET)

Geboren und aufgewachsen in Zürich, Studium der technischen Informatik und Betriebswirtschaftslehre in Zürich, Thüringen, Singapore und Canberra. Interdisziplinäre Forschung in Neuroökonomie, Information- und Computational Neurosciences (Doktorat).


Wikipedia muss entweder sterben und neu entstehen - oder es braucht eine Reform

Wikipedia ist grundsätzlich ein tolles Projekt, da sind sich die meisten von uns einig. Reicht diese Begeisterung schon aus um als Enzyklopädie zu gelten? Ich schätze Nein.
Meine Beobachtungen haben gezeigt, dass Wikipedia von der 'popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse', einer gängigen Enzyklopädie Definition, weit entfernt ist.
Wikimedia macht sich die Technik der einfachen revision control (Änderungsprotokollierung) zu Nutze, eine Technik die sich bestens zur Versionsverwaltung von Dateien eignet, weniger zur Verwaltung der Beiträge von 230 Millionen Wikipedia Autoren. Dazu wäre zusätzlich ein hochgradig smartes Version- und Change Management nötig, wie man es vom Release Management grosser Softwareprojekte kennt. Mir erscheint die Wikipedia wie ein grosses planloses Softwareprojekt, jeder Entwickler (Autor) propagiert seine Änderung ungefiltert und unmittelbar ins live environment - das enzyklopädische Resultat ist dann das pseudodemokratisch gewachsenes Gesamtpatchwork welches zwar umfangreich erscheint - dessen Qualitätsicherung aber im Wesentlichen auf der Aufmerksamkeit Ihrer Mitleser und deren Streitbarkeit basiert. Die Qualitative Beweislast der Wikipedia Beiträge liegt beim Leser und da liegt das grösste Problem - die Wikipedia publiziert zuerst und redigiert dannach, ich meine, es sollte umgekehrt sein und denke, dass die Wikipedia hier am Ziel vorbeischiesst. Tausende Medienartikel werden täglich in Wikipedia referenziert und von den Autoren quasi über Nacht in enzyklopädisches Basiswissen transformiert, was hat das noch mit der 'popularisierung wissenschaftlicher Erkenntnis' zu tun?
Ganz generell müssten neue Edits und Änderungen durch andere User oder etablierte peer reviewer bewertet und dessen Relevanz und Qualität durch Vergabe von Scores inkrementiert- oder dekrementiert werden können, ein inhaltliches Sichten quasi. Erst durch Einigkeit und breit abgestützte Akzeptanz zustandegekommene Edits sollen nach einer Karenzfrist und erreichten Qualitäts-Scorelevels für die enzyklopädisch interessierte Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Desweiteren müsste jeder erfolglose Sperr- oder Vandalismusantrag nach maximal 3 kumulierten Fällen zum automatischen Ausschluss des Antragstellers führen, dann würden sich die betreffenden Störer langfristig selber eliminieren und die Wikipedia hätte keinen Mitgliederschwund mehr.


Wieso die Wikipedia bis heute keine wissenschaftlich akzeptierte Enzyklopädie geworden ist

Mehr als 10 Jahre Existenz haben keine wissenschaftlich anerkannte Enzyklopädie hervorgebracht. Die populärwissenschaftlich strukturierte Wikpedia kann den Aufstieg zur etablierten wissenschaftlichen Enzyklopädien nur durch eine Restrukturierung erreichen. Der Aufwand um die Wikipedia auf einen wissenschaftlich akzeptieren Level zu hieven ist insofern ausser Kontrolle geraten als es sich täglich zeigt, dass die Anzahl derjeniger welche die WP systematisch und sachlich fundiert verbessern wollen, signifikant von der überwiegenden Mehrheit dominiert wird, welche die Wikipedia kontinuierlich und beharrlich mit Halbwissen, nicht belegten Trivialitäten oder irrelevanten Meinungen überflutet. Quantität statt Qualität kann nicht das enzyklopädische Erfolgsmodell sein, für akademische Zwecke ist die WP deshalb nach wie vor ungeeignet:

„Few experienced researchers trust Wikipedia, so under no circumstances cite it as a source of evidence." (Booth et al., 2008, p. 37) [1]

Als Forschungs Einstiegslektüre (secondary- und tertiary sources) mag Wikipedia genügen. Im Gegensatz zu redigierten und peer reviewten wisschenschaftlichen Erkenntnissen findet bei der Wikipedia jeder auch noch so dümmliche Edit seinen Weg in die enzyklopädische Öffentlichkeit, auch mal gern für mehrere Wochen oder Monate wenn nicht Jahre. Als wissenschaftliche Quelle (primary source) für verlässliche deduktive- oder induktive empirische Forschung ist die Wikipedia aus meiner Sicht, auch nach mehreren Jahren seiner Existenz, gänzlich am Ziel vorbeigeschossen. Falls sich dies nicht ändert, wird die Wikipedia bestenfalls als asymptotische Annäherung an vergleichbare redigierte enzyklopädische Erzeugnisse enden, wenn auch weit umfangreicher.


[Bearbeiten] Einzelnachweise

  1. Booth, W.C & Colomb, G & Williams, J. (2008). The Craft of Research. Third Edition. The University of Chicago Press: Chicago/USA
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